Oktoberfest MĂŒnchen: Bilderbuchstart, FahrgeschĂ€ft-Schreck und OB-Kreislaufprobleme
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 17:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas 191. MĂŒnchner Oktoberfest ist mit Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern, prominenten GĂ€sten und einem kurzen Schreckmoment an einem FahrgeschĂ€ft erfolgreich gestartet.
Friedlicher Auftakt mit dichtem GedrÀnge
Bei sonnig-mildem Herbstwetter sprach die Festleitung von einem Bilderbuchstart des Volksfestes. Allein am ersten Tag kamen den Angaben zufolge rund 450.000 GĂ€ste auf die Theresienwiese, insgesamt feierten am ersten Wochenende Hunderttausende Menschen friedlich und fröhlich. Trotz des wie ĂŒblich sehr dichten GedrĂ€nges auf dem GelĂ€nde berichten Polizei und RettungskrĂ€fte von einem insgesamt ruhigen Verlauf.
Schreckmoment im FahrgeschĂ€ft âPredatorâ
FĂŒr Aufsehen sorgte am ersten Abend ein Zwischenfall im FahrgeschĂ€ft âPredatorâ. GĂ€ste hingen dort fĂŒr einige Minuten kopfĂŒber in ihren Sitzen fest. Nach Angaben des Betreibers wurden die Menschen innerhalb weniger Minuten evakuiert, etwa zwei Minuten verbrachten sie in kopfĂŒberer Position, die restliche Zeit wurde fĂŒr das sichere HerausfĂŒhren aus dem FahrgeschĂ€ft benötigt. Ursache war demnach ein Sensor, der das Karussell stoppte.
TĂV-Freigabe und leichte Beschwerden
Der fehlerhafte Sensor wurde ausgetauscht, anschlieĂend wurde das FahrgeschĂ€ft erneut vom TĂV ĂŒberprĂŒft und noch am selben Abend ohne Beanstandung wieder freigegeben. Vor allem jĂŒngere FahrgĂ€ste klagten nach Angaben der Wiesn-SanitĂ€ter ĂŒber leichten Schwindel und Kreislaufprobleme. Ein Berliner Besucher verletzte sich zudem beim ArmdrĂŒcken und brach sich dabei den Arm.
SanitÀtsdienst mit Hunderten EinsÀtzen
Der SanitĂ€tsdienst der Aicher Ambulanz musste am ersten Wiesntag 666 Patientinnen und Patienten versorgen. Die EinsatzkrĂ€fte behandelten insbesondere Alkoholvergiftungen, chirurgische Verletzungen und Kreislaufprobleme. Trotz der zahlreichen FĂ€lle sehen die Verantwortlichen den Verlauf im Rahmen der Erwartungen fĂŒr ein stark besuchtes Wiesn-Wochenende.
OB Krause sagt Auftritt wegen Kreislaufproblemen ab
Auch MĂŒnchens neuer OberbĂŒrgermeister Dominik Krause war von Kreislaufschwierigkeiten betroffen. Nach seinem offiziellen Wiesn-Auftakt sagte er das Anzapfen in der BrĂ€urosl beim traditionellen Gay Sunday ab und ging nach Angaben seines Sprechers nach Hause, um am Montag wieder einsatzfĂ€hig zu sein. Seine Anstich-Premiere im Schottenhamel hatte Krause am Samstag mit zwei SchlĂ€gen souverĂ€n gemeistert.
Lob von Söder und gemeinsame Olympia-PlÀne
Der gelungene Anstich wurde von lautem Applaus begleitet, Krause erhielt zudem Lob und versöhnliche Töne von seinem CSU-Kontrahenten, MinisterprĂ€sident Markus Söder. Beide betonten ihre gute Zusammenarbeit bei der Bewerbung MĂŒnchens als deutsche Olympia-Stadt. Zur Entscheidung ĂŒber diese Bewerbung wollen Krause und Söder am 26. September gemeinsam nach Baden-Baden reisen.
Prominente GĂ€ste auf der Wiesn
Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten feierten zum Festauftakt in den Zelten. Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern MĂŒnchen stieĂen im KĂ€ferzelt auf den hohen Sieg gegen Union Berlin an, darunter Harry Kane und Ex-PrĂ€sident Uli HoeneĂ. Im Schottenhamel saĂen unter anderem Bayern-Profi Joshua Kimmich mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern sowie der Chefdirigent der MĂŒnchner Philharmoniker, Lahav Shani, am Tisch des OberbĂŒrgermeisters.
Stars aus Musik und Film
Auch aus der Unterhaltungsbranche waren viele Prominente vertreten: Moderator Florian Silbereisen, DJ Ătzi und das Schlagerduo Marianne und Michael mischten sich unter die GĂ€ste. In einem anderen Zelt zapfte Schauspieler Ralf Moeller ein Fass Bier an und bewĂ€ltigte den Anstich ebenfalls mit zwei SchlĂ€gen.
Traditionszug der Trachtler und SchĂŒtzen
Der zweite Wiesntag begann mit einem stark traditionsgeprĂ€gten Programm. Mehr als 9.000 Trachtler und SchĂŒtzen zogen in einem farbenprĂ€chtigen Zug quer durch MĂŒnchen zum FestgelĂ€nde. Zehntausende Zuschauerinnen und Zuschauer sĂ€umten die StraĂen, um die Brauereigespanne, SchĂŒtzen, Musikkapellen und SpielmannszĂŒge zu sehen.
NachgeschÀrftes Sicherheitskonzept
Nach gefĂ€hrlichen Situationen auf der ĂŒberfĂŒllten Wiesn am zweiten Samstag des Vorjahres hat die Stadt MĂŒnchen als Veranstalterin das Sicherheitskonzept ĂŒberarbeitet. Eine neue Koordinierungsstelle auf dem FestgelĂ€nde soll Besucherströme beobachten, bewerten und bei Bedarf lenken. Ziel ist es, kritische Ansammlungen frĂŒh zu erkennen und zu entschĂ€rfen.
KI-Kameras und Crowdspotter im Einsatz
Mehr als 50 KI-gestĂŒtzte Kameras unterstĂŒtzen die Analyse des Besucheraufkommens und sollen mögliche Gefahrensituationen rechtzeitig anzeigen. An besonders starken Besuchstagen ist zudem ein sogenannter Crowdspotter im Einsatz, der die Besucherströme im Blick behĂ€lt und bei Bedarf Durchsagen zur Entzerrung macht. So soll die Sicherheit auf der vollen Wiesn erhöht werden.
Starke PolizeiprÀsenz und internationale Zusammenarbeit
Rund um das Fest sind etwa 600 Polizeibeamte sowie Hunderte Ordner im Einsatz. Die Polizei verweist darauf, dass sie auch mit Blick auf jĂŒngste Drohnen-VorfĂ€lle vorbereitet sei. Bereits am ersten Wiesnabend bewĂ€hrte sich die internationale Zusammenarbeit der MĂŒnchner Taschendiebfahnder.
Weniger Straftaten als im Vorjahr
Spezialisierte Ermittlerinnen und Ermittler aus Lissabon und Frankfurt am Main griffen bei einem Taschendiebstahl und einer sexuellen BelÀstigung ein und nahmen TatverdÀchtige vorlÀufig fest. Insgesamt meldete die Polizei am ersten Tag rund 55 Straftaten, etwas weniger als im Vorjahr. Das Oktoberfest dauert in diesem Jahr bis zum 4. Oktober, insgesamt werden mehr als sechs Millionen Besucher erwartet.
Wiesn-Auftakt zwischen Tradition und Technik
Der Auftakt des 191. Oktoberfests zeigt die Doppelrolle der Wiesn als Traditionsfest und Hochrisiko-GroĂveranstaltung. Hunderttausende Besucherinnen und Besucher drĂ€ngen bereits am ersten Wochenende auf eng begrenzten Raum, wĂ€hrend die Stadt zugleich ein modernisiertes Sicherheitskonzept mit KI-gestĂŒtzten Kameras und einer zentralen Koordinierungsstelle erprobt. Die ruhige Bilanz von Polizei und RettungskrĂ€ften zum Start deutet darauf hin, dass die neuen Instrumente zunĂ€chst wie geplant greifen, ohne das FestgefĂŒhl sichtbar zu beeintrĂ€chtigen.
Gesundheitliche Belastung und politische Symbolik
Der Zwischenfall im FahrgeschĂ€ft âPredatorâ und die zahlreichen Behandlungen wegen Kreislaufproblemen und Alkoholvergiftungen machen deutlich, welche körperliche Belastung das Volksfest fĂŒr viele GĂ€ste bedeutet. Dass auch der neue OberbĂŒrgermeister Dominik Krause seinen Auftritt beim Gay Sunday wegen Kreislaufschwierigkeiten absagen musste, unterstreicht die physische Beanspruchung selbst fĂŒr prominente Akteure, die an mehreren Terminen teilnehmen. Zugleich besitzt sein Anstich-DebĂŒt mit nur zwei SchlĂ€gen eine hohe symbolische Wirkung: Es markiert den Ăbergang im MĂŒnchner Rathaus und wird von MinisterprĂ€sident Markus Söder sichtbar genutzt, um ĂŒber Parteigrenzen hinweg Gemeinsamkeit bei der Olympiabewerbung MĂŒnchens zu demonstrieren.
Wirtschaftliche Bedeutung und internationale Strahlkraft
Mehr als sechs Millionen erwartete Besucherinnen und Besucher machen die Wiesn zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor fĂŒr Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel in MĂŒnchen und der Region. Der Bilderbuchstart mit sonnigem Wetter und prominenter UnterstĂŒtzung aus Sport und Entertainment â vom FC Bayern ĂŒber Schlagerstars bis zu internationalen KĂŒnstlern â stĂ€rkt die weltweite Wahrnehmung des Festes als AushĂ€ngeschild Bayerns. Gleichzeitig steht die Stadt nach den EngpĂ€ssen des Vorjahres unter Beobachtung, ob die gesteuerten Besucherströme und zusĂ€tzlichen SicherheitskrĂ€fte dauerhaft ein sicheres und zugleich lebensfrohes Volksfest ermöglichen.
