Precht im ZDF: Wer regiert in der Demokratie?
13.02.2025 - 12:40:54 | presseportal.deDrohen auch in Deutschland Entwicklungen wie in den Vereinigten Staaten, wo PrÀsident Trump damit begonnen hat, die Demokratie auszuhöhlen? Stehen die Deutschen auch dann noch zur liberalen Demokratie, wenn sich die wirtschaftlichen VerhÀltnisse verschlechtern?
Die Unzufriedenheit mit der gegenwĂ€rtigen Politik sei offensichtlich, attestiert Erica Benner, britische Philosophin an der Hertie School in Berlin. Eine wachsende Zahl an WĂ€hlern habe das GefĂŒhl, die regierenden Eliten hĂ€tten hauptsĂ€chlich ihre eigene Karriere im Blick, nicht aber die immer dringlicher werdenden Belange der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. Sie konkurrierten weniger um gerechte und hilfreiche Lösungen, als vielmehr gegeneinander. Andere wiederum seien tief besorgt und fĂŒrchten die Vereinnahmung der demokratischen Institutionen durch Rechtsradikale.
WidersprĂŒchlich, so Precht sei auch die hohe Prozentzahl jener, die sich mehr Mitsprache in der Politik wĂŒnschen, im Gegensatz zu der sehr geringen Anzahl jener, die sich tatsĂ€chlich politisch engagieren. Besonders junge Menschen sehen ihre politischen Einflussmöglichkeiten eingeschrĂ€nkt. Sie artikulieren sich lieber in den sozialen Medien und ihren Meinungsblasen. Die Teilhabe der Menschen werde nicht mehr gerecht ausgehandelt. Ein GefĂŒhl von Kontrollverlust breite sich aus.
Was hÀlt die Demokratie bei "guter Gesundheit"?
Ist die Krise durch mangelnde Aufmerksamkeit fĂŒr die sozio-ökonomischen Bedingungen der Menschen entstanden? Diese Aufmerksamkeit brauche es, so Benner, um die Demokratie bei "guter Gesundheit" zu halten. Demokratien sind Ordnungen, in denen die Macht unter Menschen aufgeteilt wird â auch unter jenen, die anders sind als man selbst. Man mĂŒsse beiden Sichtweisen Zeit geben und bereit sein, bei den eigenen Interessen Abstriche zu machen.
Einerseits, so Precht, seien die AnsprĂŒche der Menschen an den Staat massiv gestiegen, andererseits seien die HandlungsspielrĂ€ume von Regierungen deutlich gesunken. Tiefgreifende Ănderungen lassen sich oft nicht mehr allein auf nationaler Ebene durchfĂŒhren, auĂerdem habe die Politik zunehmend Angst vor der medialen Erregung.
Die entscheidende Bedrohung fĂŒr die Demokratie sei die wirtschaftliche Ungleichheit, betont Erica Benner. Wenn diese einen bestimmten Grad ĂŒberschreite, sei dies die gröĂte Gefahr. Rasch befalle die Menschen dann Ohnmacht und Wut, wenn sie das GefĂŒhl beschleicht, in ihrer Mitbestimmung eingeschrĂ€nkt zu werden. FĂŒhlt man sich machtlos, sei es verlockend, jemanden zu wĂ€hlen, der verspreche, sich fĂŒr tiefgreifende Ănderungen stark zu machen. Von der Antike bis zur Gegenwart sei dies ein immer wiederkehrendes Muster.
Infos zu GesprÀchsgast Erica Benner
Erica Benner, als Tochter US-amerikanischer Eltern in Japan geboren und dort sowie in GroĂbritannien aufgewachsen, hat an der UniversitĂ€t Oxford, der London School of Economics und in Yale gelehrt. In ihrem aktuellen Buch beschĂ€ftigt sie sich mit der Frage "Ist das noch Demokratie â oder kann das weg?" (im Original: "Adventures in Democrazy: The Turbulent World of People Power".
Pressekontakt:
ZDF-Kommunikation
Telefon: +49-6131-70-12108
Folgen Sie uns gerne auch bei LinkedIn (https://www.linkedin.com/company/zdf/)
Original-Content von: ZDF ĂŒbermittelt durch news aktuell
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

