Kranken, HĂ€ndchen

Kranken Kindern virtuell HĂ€ndchen halten

28.05.2024 - 14:00:04

SaarbrĂŒcken - Ein technisch aufgepepptes Kuscheltier und einen Hightech-Handschuh haben zwei Studentinnen der Medieninformatik an der UniversitĂ€t des Saarlandes entwickelt. Mit ihrer Forschung wollen Anna Calmbach und Sophie Kunz schwer kranken Kindern die Möglichkeit bieten, auf die Ferne mit ihren Eltern verbunden zu sein. Die Idee entstand, als sie auf der Suche nach Themen fĂŒr ihre Bachelorarbeiten waren.

"Unsere damalige Betreuerin Dr. Alice Haynes war im Projekt 'Multi-Immerse' des UniversitĂ€tsklinikums des Saarlandes involviert", sagt Anna Calmbach. Das fĂ€cherĂŒbergreifende Projekt befasst sich damit, wie Angehörige schwer erkrankte Kinder und Jugendliche im UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes auf virtuelle Weise besuchen können. Dabei geht es nicht um reine VideogesprĂ€che mit den Kindern auf Isolierstation, sondern um eine möglichst realitĂ€tsnahe Abbildung eines Besuchs am Krankenbett.

Unter Anleitung ihrer Betreuerin konzipierten die beiden Studentinnen daraufhin zum einen ein Kuscheltier, ĂŒber das Kinder Kontakt mit ihren Eltern aufnehmen können und zum anderen einen Handschuh, der das Kuscheltier steuern kann. "In der AusfĂŒhrung hatten wir sehr viele Freiheiten und konnten mitentscheiden, wie die Forschungsfrage angegangen werden soll. Zuerst haben wir uns damit beschĂ€ftigt, welche BedĂŒrfnisse ein neues GerĂ€t bei Eltern und Kindern erfĂŒllen mĂŒsste", sagt Sophie Kunz. In einer umfassenden Literatur-Analyse haben die beiden Studentinnen erarbeitet, dass Kinder vor allem etwas zum Anfassen brauchen, da selbst Videoanrufe noch sehr abstrakt fĂŒr sie sind. FĂŒr Eltern hingegen ist ein mobiles GerĂ€t am besten geeignet, damit sie etwa auch von Unterwegs mit ihren Kindern kommunizieren können. "Das Kuscheltier bietet den Kindern also ein StĂŒck weit einen Ersatz fĂŒr den physischen Kontakt mit den Eltern, wĂ€hrend der Handschuh fĂŒr die Erwachsenen ein tragbarer Kontaktpunkt mit ihren Kindern ist", erklĂ€ren die Studentinnen.

Die beiden GerĂ€te haben drei miteinander verknĂŒpfte Funktionen: Wenn die Eltern mit eingeschaltetem Handschuh winken, winkt auch das Kuscheltier. Wenn das Kind dem Kuscheltier die Hand gibt oder die Eltern eine Geste mit dem Handschuh ausfĂŒhren, wird ein HĂ€ndchenhalten simuliert. Dies wird unter anderem mit WĂ€rme und Vibration an beiden GerĂ€ten erzielt. Zudem können Kinder ihren Eltern mitteilen, wie sie sich gerade fĂŒhlen. "Dazu haben wir auf beiden GerĂ€ten eine 'GefĂŒhlsskala' eingebaut, die entsprechend dem GefĂŒhlszustand des Kindes grĂŒn, gelb oder blau leuchtet", sagt Anna Calmbach.

Die beiden Prototypen wurden nicht nur weitgehend von den Studentinnen erdacht, sondern auch selbst gebaut, genĂ€ht, verkabelt und programmiert. Die nötigen Kenntnisse dazu haben sie wĂ€hrend ihres Studiums erworben. In einer anschließenden Nutzerstudie mit Eltern und Kindern zwischen drei und elf Jahren haben sie ĂŒberprĂŒft, wie ihre Entwicklungen bei der Zielgruppe ankommen. "Die Arbeiten wurden gut aufgenommen. Es war schön, das LĂ€cheln der Kinder zu sehen", sagt Sophie Kunz.

Eng betreut durch das "Human-Computer-Interaction Lab" von Informatik-Professor JĂŒrgen Steimle an der UniversitĂ€t des Saarlandes haben die beiden Studentinnen ihre Forschung ausgearbeitet und auf einer wissenschaftlichen Fachkonferenz eingereicht. Mit Erfolg, im Juni werden sie zur " Interaction Design and Children Conference" reisen, die in diesem Jahr an der UniversitĂ€t Delft in den Niederlanden stattfinden wird und dort ihre Ergebnisse prĂ€sentieren.

Hintergrund:

Im Rahmen des EFRE-Projektes "Multi-Immerse", das Professorin Martina Lehser (Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft des Saarlandes htw saar/ZeMA) leitet, arbeiten am Center for Digital Neurotechnologies Saar (CDNS) auf dem Medizin-Campus Homburg die UniversitĂ€t des Saarlandes, die htw saar und das Zentrum fĂŒr Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) zusammen. Außer Professorin Martina Lehser und den Professoren Stefan Seelecke und Paul Motzki sind beteiligt von der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t des Saarlandes Professor Daniel Strauss (Direktor der Systems Neuroscience & Neurotechnology Unit), Professor Michael Zemlin (Direktor der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin am UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes), Professorin Eva Möhler (Direktorin der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie am UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes) sowie Informatiker der UniversitĂ€t des Saarlandes (Professor JĂŒrgen Steimle) und des Deutschen Forschungszentrums fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (DFKI).

Weitere Informationen:

Human-Computer-Interaction Lab: https://hci.cs.uni-saarland.de/

Weiteres Forschungsthema im Rahmen des Projekts Multi-Immerse:

https://www.uni-saarland.de/aktuell/hannover-messe-smarte-textilien-30945.html

Hintergrund Saarland Informatics Campus:

900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (darunter 400 Promovierende) und rund 2500 Studierende aus mehr als 80 Nationen machen den Saarland Informatics Campus (SIC) zu einem der fĂŒhrenden Standorte fĂŒr Informatik in Deutschland und Europa. Vier weltweit angesehene Forschungsinstitute, nĂ€mlich das Deutsche Forschungszentrum fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (DFKI), das Max-Planck-Institut fĂŒr Informatik, das Max-Planck-Institut fĂŒr Softwaresysteme, das Zentrum fĂŒr Bioinformatik, sowie die UniversitĂ€t des Saarlandes mit drei vernetzten Fachbereichen und 24 StudiengĂ€nge decken das gesamte Themenspektrum der Informatik ab.

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