Sicherheit, Arbeit

Gewalt gegen EinsatzkrÀfte nimmt zu: So sichern sie sich im Dienst richtig ab

27.01.2026 - 14:10:50

Scharbeutz - Angriffe auf Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei erreichen seit Jahren neue HöchststĂ€nde. Ob bei VerkehrsunfĂ€llen, BrandeinsĂ€tzen oder nĂ€chtlichen Ruhestörungen – immer hĂ€ufiger werden EinsatzkrĂ€fte bedroht, beleidigt oder körperlich attackiert. Viele von ihnen berichten, dass vor allem Alkohol, Gruppendynamiken und fehlender Respekt die Lage eskalieren lassen. FĂŒr Helfer, die eigentlich schĂŒtzen und retten wollen, wird der Dienst damit zunehmend zur Gefahr.

Die meisten wissen gar nicht, wie schnell eine scheinbar harmlose Situation kippen kann – und wie wichtig es ist, sich mental und taktisch auf solche Momente vorzubereiten. Dieser Beitrag zeigt, welche Verhaltensweisen EinsatzkrĂ€fte wirklich schĂŒtzen, warum Deeskalation oft mehr bringt als körperliche StĂ€rke – und welche Trainings heute unverzichtbar sind, um sicher wieder nach Hause zu kommen.

Wenn das Umfeld zur grĂ¶ĂŸten Gefahr wird

Das Verhalten von Menschen entwickelt sich im Einsatz zunehmend zu einem eigenstĂ€ndigen Risikofaktor. Verbalen Bedrohungen, gezielten Provokationen und körperlichen Übergriffen begegnen EinsatzkrĂ€fte heute deutlich öfter als noch vor wenigen Jahren. ZusĂ€tzlich behindern aggressive Angehörige oder Gaffer EinsĂ€tze und erhöhen den Druck vor Ort.

AuffĂ€llig ist vor allem, wie schnell EinsĂ€tze heute kippen. Die Hemmschwelle fĂŒr aggressives Verhalten ist gesunken, wĂ€hrend Respekt gegenĂŒber EinsatzkrĂ€ften zunehmend verloren geht. Emotionale Ausnahmesituationen schlagen dadurch hĂ€ufiger in offene Aggression um. Alkohol, Drogen und Gruppendynamiken verschĂ€rfen diese Entwicklung zusĂ€tzlich. Gleichzeitig sorgen Smartphones und soziale Medien dafĂŒr, dass EinsĂ€tze öffentlich begleitet, kommentiert und weiter angeheizt werden.

In einigen Einsatzgebieten hat diese Entwicklung bereits konkrete Folgen. ZusĂ€tzliche SchutzausrĂŒstung wird dort eingesetzt, weil Übergriffe keine Ausnahme mehr sind. Damit wird deutlich, dass EinsatzkrĂ€fte lĂ€ngst mit mehr als klassischen Unfall- und Gesundheitsgefahren konfrontiert sind. Körperliche Verletzungen, anhaltende psychische Belastungen und dienstliche EinschrĂ€nkungen gehören fĂŒr viele inzwischen zum Berufsalltag.

Eigenschutz beginnt vor der Eskalation

Eigenschutz beginnt lange bevor eine Situation außer Kontrolle gerĂ€t. Entscheidend ist, Stimmungen und VerhaltensĂ€nderungen frĂŒh wahrzunehmen und richtig einzuordnen. Wer Spannungen erkennt, kann Abstand schaffen, sich neu positionieren oder das Vorgehen im Team anpassen, bevor sich die Lage zuspitzt.

Eine ruhige und sachliche Kommunikation trĂ€gt dabei wesentlich zur Stabilisierung bei. Auseinandersetzungen mit alkoholisierten oder stark emotionalisierten Personen erhöhen hingegen das Risiko. Ebenso wichtig ist ein klares Zusammenspiel im Team, bei dem Rollen, AbstĂ€nde und RĂŒckzugsmöglichkeiten bekannt sind. Nicht jede Situation erfordert Durchsetzung, denn RĂŒckzug ist hĂ€ufig die sicherere und professionellere Entscheidung.

Deeskalation bedeutet dabei keine SchwĂ€che. Sie steht fĂŒr Erfahrung, Selbstkontrolle und einen klaren Fokus auf das eigentliche Ziel: den Einsatz sicher zu beenden und weitere GefĂ€hrdungen zu vermeiden.

Mentale Vorbereitung und Körpersprache

Mentale Vorbereitung ist heute ein zentraler Sicherheitsfaktor. Viele Eskalationen entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Stress, Überforderung oder MissverstĂ€ndnissen. Körpersprache wirkt in solchen Momenten oft stĂ€rker als Worte. Hektische Bewegungen, verschrĂ€nkte Arme, starrer Blickkontakt oder ein belehrender Ton können ungewollt provozieren.

Typische Fehler entstehen, wenn aggressive Personen konfrontiert statt distanziert werden, Warnsignale unbeachtet bleiben oder EinsatzkrĂ€fte allein handeln. Ebenso problematisch ist die ÜberschĂ€tzung der eigenen Belastbarkeit. Mentale StabilitĂ€t bedeutet daher auch, Grenzen zu erkennen und rechtzeitig UnterstĂŒtzung einzubeziehen.

Training und Absicherung als Teil der Eigensicherung

Neben der fachlichen Ausbildung gewinnen zusĂ€tzliche Trainings zunehmend an Bedeutung. Deeskalations- und Kommunikationstrainings gehören ebenso dazu wie der Umgang mit Stress und psychisch belastenden EinsĂ€tzen. Auch Eigensicherungs- und Selbstschutztrainings sind wichtig, um Risiken frĂŒh zu erkennen und angemessen zu reagieren. Nachbesprechungen helfen darĂŒber hinaus, belastende EinsĂ€tze einzuordnen und langfristig zu verarbeiten.

Eigensicherung hat nicht nur mit Verhalten oder Training zu tun. Auch die eigene Arbeitskraft gehört dazu, wird im Alltag aber oft ausgeblendet. Gerade in Einsatzberufen geht die EinsatzfĂ€higkeit selten von heute auf morgen verloren. HĂ€ufig entstehen EinschrĂ€nkungen schleichend und bleiben zunĂ€chst unvollstĂ€ndig. Viele Absicherungen berĂŒcksichtigen diese RealitĂ€t kaum, weil sie nicht auf die Besonderheiten des Dienstes ausgelegt sind.

Schutzkleidung und taktisches Vorgehen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist auch, wie EinsatzkrÀfte mit Belastungen umgehen, sich vorbereiten und ihre eigene LeistungsfÀhigkeit realistisch absichern. Erst dieses Zusammenspiel trÀgt dazu bei, EinsÀtze langfristig sicher zu bewÀltigen und gesund im Dienst zu bleiben.

Über Simon Schöffl

Simon Schöffl ist GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von RetterFinanz. Er beschĂ€ftigt sich seit Jahren mit den finanziellen und absicherungsrelevanten Herausforderungen von EinsatzkrĂ€ften aus Rettungsdienst, Feuerwehr und vergleichbaren Berufen. Sein Schwerpunkt liegt auf Arbeitskraftabsicherung, Altersvorsorge und strukturiertem Vermögensaufbau unter besonderen dienstlichen Bedingungen. Mehr Informationen unter: https://retterfinanz.de/

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