Hessen, Deutschland

Wird es wärmer als je zuvor? Extremhitze lähmt Deutschland

26.06.2026 - 14:03:48 | dpa.de

Schon seit Tagen hat die Hitze das Land im Griff. Doch der erwartete Höhepunkt der Temperaturen steht wohl noch bevor. Das geht nicht spurlos am Leben in Deutschland vorbei.

  • Schatten dürfte am Wochenende vielerorts begehrt sein. - Bild: Uwe Anspach/dpa
    Schatten dürfte am Wochenende vielerorts begehrt sein. - Bild: Uwe Anspach/dpa
  • Viel trinken und sich zwischendurch abkühlen ist angesagt - so wie hier in einem begehbaren Brunnen in Duisburg. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Viel trinken und sich zwischendurch abkühlen ist angesagt - so wie hier in einem begehbaren Brunnen in Duisburg. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Regional sind am Sonntag bis zu 42 Grad möglich. - Bild: Robert Michael/dpa
    Regional sind am Sonntag bis zu 42 Grad möglich. - Bild: Robert Michael/dpa
  • Teilweise verursacht die Hitze Schäden an Straßen.  - Bild: Patrick Pleul/dpa
    Teilweise verursacht die Hitze Schäden an Straßen. - Bild: Patrick Pleul/dpa
Schatten dürfte am Wochenende vielerorts begehrt sein. - Bild: Uwe Anspach/dpa Viel trinken und sich zwischendurch abkühlen ist angesagt - so wie hier in einem begehbaren Brunnen in Duisburg. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Regional sind am Sonntag bis zu 42 Grad möglich. - Bild: Robert Michael/dpa Teilweise verursacht die Hitze Schäden an Straßen.  - Bild: Patrick Pleul/dpa

Schwitzen am Tage - und wenig Abkühlung in der Nacht. Die hartnäckige Hitzewelle soll zum Wochenende ihren Höhepunkt erreichen, es könnte so heiß werden wie nie zuvor. Die Extremtemperaturen bergen Gefahren und wirbeln so manche Pläne durcheinander. Ein Überblick über die Lage in Deutschland und darüber hinaus.

Wie heiß es werden könnte

Für Sonntag sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis zu 42 Grad vorher – damit könnte der Allzeit-Temperaturrekord gebrochen werden. Die bislang höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur lag bei 41,2 Grad Celsius – am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl. 

Die Gefahrenkarte zeigt am Sonntag für ganz Deutschland Gefahr für schwere Gewitter. Auch am Samstag sieht der DWD einzelne Hitzegewitter kommen, besonders in der Westhälfte. Die Höchstwerte am Samstag liegen zwischen 36 und 41 Grad, nur an der See bleibt es etwas kühler. 

Was das fürs Wochenende bedeutet

Ob im Kleinen oder Großen: Vielerorts wurden fürs Wochenende geplante Veranstaltungen wegen der Hitze abgesagt. Das Sunset Beach Festival in Haltern am See, eine Pride-Parade in Paris und ein Elektro-Festival in den Niederlanden sind nur einige Beispiele. Die Rettungsorganisation Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland plädiert auch für Absagen im Hobbysport-Bereich: «Bei Sportveranstaltungen mit einem hohen Anteil an untrainierten und unprofessionellen Sportlern würden wir eine Verschiebung empfehlen», betonte die Organisation in der «Welt».

Die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt soll hingegen trotz erwarteter Temperaturen von bis zu 39 Grad stattfinden – mit mehr Schatten, Wasser und medizinischer Betreuung. 

Wer besonders gefährdet ist

Besonders gefährlich ist Hitze für Ältere, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Dazu gehören oft auch Patienten in Krankenhäusern. Und diese sind nur sehr mangelhaft auf die Temperaturen eingestellt, die mittlerweile in Deutschland vorkommen. «Die meisten Intensivstationen in Deutschland sind mittlerweile klimatisiert, aber dann hört es auch schon fast auf. Nur ein Drittel der Häuser haben klimatisierte Patientenzimmer», sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, im ZDF-«Morgenmagazin». Klare Vorgaben gebe es nur für Operationsbereiche oder die Radiologie, weil die Geräte schlicht die Hitze nicht aushielten. 

Für Patienten sei die Hitze sehr belastend und auch eine Gefahr. So heilten etwa Wunden schlechter bei hohen Temperaturen. «Man muss eben realistisch sagen, in solchen Hitzewellen sterben Menschen häufiger. Das ist statistisch eindeutig so, und zwar auch im Krankenhaus», sagte Johna.

Als Faustregeln für den Schutz vor Hitzegefahren gilt laut Experten: direkte Sonne meiden, viel trinken und keine zu hohe körperliche Belastung in den wärmsten Stunden des Tages.

Wie auch die Infrastruktur ächzt

Auch auf den Straßen und Schienen des Landes herrscht Ausnahmezustand: Auf mehreren Autobahnen mussten Strecken gesperrt werden. Beton dehne sich bei Wärme aus, hieß es von der Autobahn GmbH. Normalerweise werde das bei der Bauweise berücksichtigt. Auf älteren Fahrbahnen könne es jedoch passieren, dass der Beton sich nicht ausreichend ausdehnen könne. Dann baut sich Spannung auf und entlädt sich nach oben. Die Folge: Die Fahrbahn wölbt sich oder bricht auf. Auf der A2 mussten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg in dieser Woche zwei Abschnitte wegen Hitzeschäden gesperrt werden. Auch auf der A93 in Bayern wurde ein solcher Hitzeschaden gemeldet.

Die Bahn bietet an, gebuchte Fernverkehrsfahrten für die Tage bis zum 30. Juni kostenfrei zu stornieren – eine sogenannte erstmalige Hitze-Sonderkulanz. «Allen, die in dieser extremen Wetterlage auf ihre Fahrt verzichten können, legen wir die Sonderregelung zur Stornierung nahe», hieß es von der Bahn. Weichen sowie Leit- und Sicherheitstechnik können bei den hohen Temperaturen und stundenlanger direkter Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Das kann zu weiteren Problemen auf dem ohnehin stark störanfälligen Netz der Bahn führen. 

Welche Rolle der Klimawandel spielt

Forschern zufolge wäre die aktuelle Hitzewelle in West- und Mitteleuropa in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels Forschern zufolge nahezu ausgeschlossen. Sowohl die aktuellen Tageshöchsttemperaturen als auch die Nachttemperaturen wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren «praktisch unmöglich», betonen die Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution - und auch zu anderen Jahreszeiten unwahrscheinlich. Eine Hitzewelle im damaligen Klima wäre rund 3,5 Grad weniger heiß gewesen, heißt es. Der Klimawandel sei der maßgebliche Treiber hinter den rekordverdächtigen aktuellen Temperaturen.

«Wissenschaftler wie ich klingen langsam wie eine kaputte Schallplatte», sagt die beteiligte Klimaforscherin Friederike Otto. «Ja, das ist der Klimawandel, ja, wir sind dafür verantwortlich, nein, es liegt nicht an El Niño, ja, wir haben die Lösungen, nein, wir setzen sie nicht schnell genug um.»

de | unterhaltung | 69632949 |

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