Wadephul: Verweigerung von Lebensmitteln und Medikamenten im Gazastreifen âinakzeptabelâ
27.05.2025 - 16:17:01Berlin, 27. Mai 2025 â BundesauĂenminister Johann Wadephul hat die israelische Regierung auf dem WDR Europaforum auf der re:publica in Berlin scharf fĂŒr ihr Vorgehen im Gazastreifen kritisiert und sie davor gewarnt, dauerhaft das Gebiet zu annektieren. âWas völlig inakzeptabel ist, ist, dass die Menschen im Gazastreifen nicht mit Grundnahrungsmitteln und Medikamenten versorgt werdenâ, sagte der CDU-Politiker im Interview mit den Hosts des WDR-Newspodcasts 0630, Carolin Bredendiek und Florian Gregorzyk. Deutschland stehe zum Staat Israel und habe eine besondere Verantwortung. âAber wir stehen auch zu den Menschen im Gazastreifen. Vor dem lieben Gott sind alle gleich und alle haben das gleiche Recht, ernĂ€hrt zu werden und Medikamente zu bekommenâ, fĂŒgte Wadephul hinzu. Die VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit beim Kampf Israels gegen den Terror der Hamas sei lĂ€ngst ĂŒberschritten â âin der Dauer, in der HĂ€rte und in der Konsequenz, wie die israelische Armee dort vorgehtâ, so Wadephul.
Der BundesauĂenminister warnte die israelische Regierung, âdie man aus meiner Sicht völlig unterscheiden muss vom Volk, was in Israel lebtâ. Deutschland unterstĂŒtze mit aller Konsequenz den Kampf gegen Antisemitismus und fĂŒr die Sicherheit und das Existenzrecht Israels. Dies werde aber nicht dazu fĂŒhren, âdass wir instrumentalisiert werden fĂŒr die KampffĂŒhrung, die derzeit im Gazastreifen betrieben wird. So lassen wir uns politisch als deutsche Bundesregierung bei aller Schwierigkeit, die dort besteht, nicht unter Druck setzen und in eine Position bringen, dass wir zu einer ZwangssolidaritĂ€t gezwungen werdenâ, machte Wadephul deutlich. Im Interview mit WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni warnte Wadepuhl vor Grenzverschiebungen und Annexionen. âDer Gazastreifen gehört den PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinensern, ebenso wie das Westjordanland. Eine Vertreibung darf es nicht geben und das Ziel ist eine Zwei-Staaten-Lösung.â
Die Frage, ob Deutschland weiterhin Waffen an Israel liefern werde, sei derzeit noch nicht Gegenstand der Erörterungen im Bundessicherheitsrat. âWo wir Gefahren sehen, dass das humanitĂ€re Völkerrecht verletzt wird, da werden wir dagegen einschreiten und schon gar nicht Waffen liefernâ, stand fĂŒr den CDU-Politiker fest. Sollte sich eine Verletzung im Gazastreifen konkretisieren, âdann wird das im Bundessicherheitsrat sicherlich ein Punkt seinâ.
Hinsichtlich der UnterstĂŒtzung der Ukraine verteidigte Wadephul die Aufhebung der Reichweiten-Begrenzung beim Einsatz westlicher Waffen durch die Ukraine. âEs wĂ€re doch gar nicht erklĂ€rlich, dass wir einem Aggressor, der gegen das Völkerrecht verstöĂt, erlauben, alles zu machen, was er technisch kann auf dem gesamten Gebiet der Ukraine, und demjenigen, der sich mit dem Völkerrecht verteidigt, EinschrĂ€nkungen auferlegen.â Zum Waffensystem Taurus Ă€uĂerte sich der BundesauĂenminister nicht konkret, merkte aber an: âWir werden die Ukraine so ausstatten, dass sie sich wirkungsvoll verteidigen kann.â Mit einem neuen Sanktionspaket der EU wolle man versuchen, Russland wirtschaftlich zu schwĂ€chen und an den Verhandlungstisch zu zwingen. âEs wird nicht vermeidbar sein, dass es auch uns weh tutâ, wies Wadephul auch auf mögliche spĂŒrbare Konsequenzen in den westlichen Staaten hin.
Selbstkritisch reagierte Wadepuhl auf Fragen, nachdem er vor einigen Wochen Opfer eines Anrufs eines russischen Komiker-Duos geworden war und sich zu Waffenlieferungen geĂ€uĂert hatte. âIch hĂ€tte da mehr aufpassen mĂŒssenâ, meinte Wadephul. Er beklage jedoch, dass seine âDusseligkeitâ mehr im Vordergrund stehe, aber nicht âdie kriminelle Energie auf der anderen Seiteâ, so der BundesauĂenminister, der hinzufĂŒgte: âRussland ist ein Staat, der Schlechtes im Schilde fĂŒhrt. Russland kann gerne wissen, was wir wollen, denn wir wollen die Freiheit.â
Verwendung der Zitate nur bei Nennung der Quelle "WDR Europaforum".
Pressekontakt:
WDR Kommunikation
Tel. 0221-220 7100
kommunikation@wdr.de
Original-Content von: WDR Westdeutscher Rundfunk ĂŒbermittelt durch news aktuell


