ZDF-frontal: Betrugsverdacht bei Klimaschutzprojekten in China
28.05.2024 - 14:15:00Ălkonzerne in Deutschland erreichen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Klimaziele im Verkehrssektor zum Teil mit Klimaschutzprojekten in China. Recherchen von ZDF-"frontal" ergaben, dass mehr als ein Viertel dieser Projekte nur auf dem Papier existieren. Die Kosten fĂŒr den vorgetĂ€uschten Klimaschutz zahlen Verbraucher â wenn sie tanken oder Heizöl kaufen. Der Marktwert der Projekte unter Betrugsverdacht dĂŒrfte nach Berechnungen von ZDF-"frontal" bei ĂŒber 600 Millionen Euro liegen.
UBA-PrÀsident: "Dann gibt es einen Betrug im Klimaschutzsystem"
Dirk Messner, PrĂ€sident des Umweltbundesamtes (UBA) rĂ€umt im Interview mit ZDF-"frontal" ein: "Es könnte sein, dass wir es mit einer Handvoll AntrĂ€gen zu tun haben, die gefĂ€lscht worden sind." Es könne aber auch sein, dass "ein System dahintersteckt". Sollte sich der Verdacht erhĂ€rten, wĂ€re das auch ein Problem fĂŒr Deutschlands Klimabilanz.
"Nehmen wir mal an, wir hĂ€tten es mit einem umfassenden Betrugssystem hier zu tun, da hĂ€tten wir einen Klimaschutzschaden ganz realer Art", so Messner. "Dann gibt es einen Betrug im Klimaschutzsystem." Das wĂŒrde bedeuten: Die Klimabilanz des deutschen Verkehrssektors ist schlechter als vom UBA bisher gemeldet.
Das UBA bat vergangene Woche um Amtshilfe bei chinesischen Behörden, um die VorwĂŒrfe aufzuklĂ€ren. Eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt bereitet die Behörde ebenfalls vor.
Verstrickt in den Skandal sind Ălkonzerne wie Shell, TotalEnergies und Rosneft. Die Unternehmen weisen den Betrugsvorwurf zurĂŒck und erklĂ€ren, dass ihre Projekte von unabhĂ€ngigen PrĂŒfinstituten testiert worden seien. Auf Anfrage von ZDF-"frontal" teilte Shell mit, das Unternehmen nehme die Anfrage zum Anlass, "den beschriebenen Punkten (âŠ) noch einmal nachzugehen".
"frontal" wird mit Untertiteln angeboten.
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