Cannes auf der Zielgeraden - Wer gewinnt beim Festival?
26.05.2023 - 10:38:59 | dpa.de
Sandra HĂŒller in gleich zwei Paraderollen und groĂes Lob fĂŒr Wim Wenders: Vor dem Ende der Filmfestspiele in Cannes gibt es auch deutsche Favoriten fĂŒr die Preise, die am Samstagabend vergeben werden. Eine Handvoll Filme konnte besonders viele Kritikerinnen und Kritiker ĂŒberzeugen. Darunter sind die beiden WettbewerbsbeitrĂ€ge, in denen Sandra HĂŒller mitspielt. Die 45-JĂ€hrige hat damit gute Chancen auf den Preis als beste Darstellerin. Viele Leute waren auĂerdem von Wim Wenders' Wettbewerbsbeitrag begeistert.
Sein Film «Perfect Days» spielt in Tokio und erzĂ€hlt von einem Mann namens Hirayama (Koji Yakusho), der als Toilettenreiniger arbeitet und mit seinem einfachen Leben zufrieden ist. «Es kam tief aus meiner Seele», sagte Wenders am Freitag in Cannes ĂŒber das Filmprojekt und verwies gleichzeitig auf den Co-Autor des Drehbuchs, Takuma Takasaki. Viele internationale Kritikerinnen und Kritiker schrieben nach der Premiere positiv ĂŒber Wenders' Film, lobten etwa dessen Klarheit und Tiefe. Wenders habe einen Film von «trĂŒgerischer Einfachheit» geschaffen, schrieb etwa das US-Magazin «Hollywood Reporter», «indem er die winzigen Details einer alltĂ€glichen Existenz mit einer solchen Klarheit, SeelenstĂ€rke und Empathie beobachtet, dass sie eine kumulative emotionale Kraft aufbauen, ohne, dass man es merkt».
Aki KaurismĂ€ki zum fĂŒnften Mal im Rennen
Sehr gute Kritiken bekam die Tragikomödie «Fallen Leaves» von Aki KaurismĂ€ki. Der finnische Regisseur ist zum fĂŒnften Mal im Rennen um die Goldene Palme und hat sich eine treue Fan-Gemeinde erarbeitet. Eine Auszeichnung wĂ€re wohl als Ehrung seines Lebenswerks zu verstehen. «Fallen Leaves» erzĂ€hlt von zwei einsamen Menschen am Rande der Gesellschaft, die auf der Suche nach Liebe sind. Die Supermarktangestellte Ansa hat gerade wegen der Mitnahme eines abgelaufenen Sandwiches ihre Arbeit verloren. Der alkoholsĂŒchtige Bauarbeiter Holappa taumelt ebenfalls von einem Job zum nĂ€chsten. Ohne viele Worte finden die beiden zueinander - und drohen dann wieder, sich zu verlieren. KaurismĂ€ki erzĂ€hlt hier, wie ĂŒblich, ein karges MĂ€rchen, das mit seinem Humor die Kinozuschauer begeisterte.
Im Wettbewerb waren viele Hollywood-Stars zu sehen. Zum Beispiel in Wes Andersons Film «Asteroid City», der wegen fehlender erzÀhlerischer Tiefe aber eher verhaltene Kritiken bekam.
Anders war das bei «May December» von Todd Haynes. Natalie Portman spielt darin eine Schauspielerin, die den Skandal ĂŒber eine Beziehung von Gracie (Julianne Moore) mit einem deutlich jĂŒngeren Mann verfilmen will. Gracie hatte in den 90er Jahren mit Mitte 30 eine AffĂ€re mit einem erst 13-jĂ€hrigen SchĂŒler angefangen und kam dafĂŒr ins GefĂ€ngnis. Inzwischen sind die beiden verheiratet. «May December» zeigt zwei Schauspielerinnen in Höchstform, das Drama wurde auĂerdem fĂŒr seinen Humor und seine Tiefe gepriesen.
Preisverleihung am Samstagabend
Im GedÀchtnis blieb auch «Four Daughters» der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania. Der Film kombiniert fiktionale mit dokumentarischen Elementen und erzÀhlt die Geschichte der Tunesierin Olfa Hamrouni. Sie wurde 2016 bekannt, als sie die Radikalisierung ihrer Töchter öffentlich machte. Die beiden hatten im Teenager-Alter Tunesien verlassen, um an der Seite des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Libyen zu kÀmpfen. Inzwischen sitzen sie im GefÀngnis.
GroĂes Lob gab es am Freitagabend nochmal fĂŒr die vorletzte Premiere: «La Chimera» von der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher spielt im Italien der 1980er Jahre und ist unter anderem mit Isabella Rossellini besetzt.
Vergangenes Jahr gewann die Satire «Triangle of Sadness» von Ruben Ăstlund den Hauptpreis. Der schwedische Regisseur ist dieses Jahr der PrĂ€sident der Jury. Erst zweimal in der Geschichte des Festivals, das dieses Jahr zum 76. Mal stattfand, gewann eine Frau die Goldene Palme. Die Abschlusszeremonie beginnt am Samstag um 20.30 Uhr.
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