Berufungsprozess um Todesflug Rio-Paris startet
29.09.2025 - 17:15:53Das jahrelange Tauziehen der französischen Justiz um den Absturz einer Air-France-Maschine ĂŒber dem Atlantik stellt die Angehörigen der 228 Opfer auf eine harte Probe. In Paris hat der Berufungsprozess um den Absturz des Flugs von Rio de Janeiro nach Paris im Jahr 2009 begonnen. Dabei kamen damals auch 28 Deutsche ums Leben. Air France und Airbus stehen erneut wegen des Vorwurfs der fahrlĂ€ssigen Tötung vor dem Berufungsgericht. Den Unternehmen drohen Geldstrafen bis zu 225.000 Euro. Sie hatten die Verantwortung fĂŒr den Todesflug von sich gewiesen.
Die Air-France-Maschine des Flugs AF 447 war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Brasilien in die französische Hauptstadt in eine Unwetterfront geraten und von den Radarschirmen verschwunden. Der Airbus vom Typ A330 stĂŒrzte in den Atlantik. Erst im Mai 2011 wurden die letzten Leichen und der Flugdatenschreiber aus etwa 4.000 Metern Tiefe geborgen.
Freispruch in erster Instanz
In erster Instanz waren Air France und Airbus vor zwei Jahren vom Vorwurf der fahrlĂ€ssigen Tötung freigesprochen worden. Das Gericht hatte damals geurteilt, dass sie zwar teils nachlĂ€ssig oder unvorsichtig gehandelt hĂ€tten, doch ein eindeutiger Kausalzusammenhang zum UnglĂŒck sich nicht herstellen lasse. Die Staatsanwaltschaft war in Berufung gegangen.
Die juristische Aufarbeitung zog sich nach dem Absturz ĂŒber lange Jahre. Dass es 2022 ĂŒberhaupt zu einem Prozess kam, war fĂŒr die Hinterbliebenen ein Erfolg. Denn noch 2019 hatten Ermittlungsrichter ein Verfahren abgewiesen.
Vereiste Sonden und unvorbereitete Piloten
Konkret wurde Airbus in dem Prozess dann vorgehalten, die Folgen eines Ausfalls der fĂŒr die Geschwindigkeitsmessung zustĂ€ndigen Pitot-Sonden unterschĂ€tzt zu haben. Diese waren auf dem Flug vereist. Air France soll seine Piloten nicht ausreichend geschult und auf eine Extremsituation wie bei dem UnglĂŒcksflug vorbereitet haben, hatte es in der Anklage geheiĂen.
Ein Expertengutachten hatte 2012 geurteilt, die Crew sei nach dem Ausfall der Sonden mit der Lage ĂŒberfordert gewesen. Eigentlich sei die Situation beherrschbar gewesen. Die Daten der Flugschreiber ergaben, dass die Piloten vor allem auf Warnungen ĂŒber einen Strömungsabriss an den TragflĂ€chen falsch reagiert hatten. Dies lieĂ den Jet schnell an Höhe verlieren und schlieĂlich abstĂŒrzen.
Gericht warf Konzernen NachlÀssigkeit vor, aber sprach sie frei
Die Konzerne wurden in erster Instanz dann schlieĂlich vom Vorwurf der fahrlĂ€ssigen Tötung freigesprochen. Das Gericht urteilte, dass sie teils nachlĂ€ssig oder unvorsichtig gehandelt hĂ€tten. VorfĂ€lle mit den Sonden seien von Airbus etwa nicht ausreichend nachverfolgt worden, Informationen seien zurĂŒckgehalten worden. Air France hĂ€tte seine Piloten besser auf Probleme mit den Sonden hinweisen können, so das Gericht. Doch weil nicht eindeutig festgestellt werden könne, dass die Verfehlungen zu dem Absturz fĂŒhrten, hĂ€tten diese strafrechtlich keine Relevanz.
FĂŒr die Hinterbliebenen geht der lange Kampf darum, zu erfahren, wer Mitverantwortung an dem UnglĂŒcksflug trĂ€gt, nun in die nĂ€chste Runde. «Die Menschen sind inzwischen Ă€lter geworden. Einige sind verstorben. Andere haben nicht mehr die Kraft, an diesem neuen Prozess teilzunehmen», sagte die PrĂ€sidentin des französischen Verbandes von Angehörigen, DaniĂšle Lamy, der Zeitung «Le Monde». «Es ist der Kampf meines Lebens, den ich mir nicht ausgesucht habe. Wir hoffen, dass die Justiz bis zum Ende durchhĂ€lt.»







