Ironman, SkilanglÀufer

Der Ironman der SkilanglÀufer: 100. Wasalauf in Schweden

01.03.2024 - 14:13:26

90 Kilometer auf Langlaufskiern durch den schwedischen Winter: Der Wasalauf gilt als das hÀrteste Langlaufrennen der Welt. Jedes Jahr stellen sich rund 16.000 Menschen diesem Spektakel.

  • 16.000 SkilanglĂ€ufer, 90 Kilometer: «Das sind richtige Strapazen.» - Foto: Ulf Palm / Tt/dpa

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  • Der ehemalige Weltklasse-LĂ€uder Axel Teichmann hat sich rund um Weihnachten entschieden, in diesem Jahr beim Wasalauf dabei zu sein: «Eine Schnapsidee», sagt er selbst. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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  • Als einziger Deutscher hat bisher Gerd-Dietmar Klause aus dem Vogtland den Wasalauf gewonnen. Das war 1975. - Foto: Jan Woitas/dpa

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16.000 SkilanglÀufer, 90 Kilometer: «Das sind richtige Strapazen.» - Foto: Ulf Palm / Tt/dpaDer ehemalige Weltklasse-LÀuder Axel Teichmann hat sich rund um Weihnachten entschieden, in diesem Jahr beim Wasalauf dabei zu sein: «Eine Schnapsidee», sagt er selbst. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpaAls einziger Deutscher hat bisher Gerd-Dietmar Klause aus dem Vogtland den Wasalauf gewonnen. Das war 1975. - Foto: Jan Woitas/dpa

Dieses GerĂ€usch ist einzigartig: Wenn sich 16.000 SkilanglĂ€ufer gleichzeitig in Bewegung setzen, wenn 16.000 Paar Skistöcke in den Schnee einstechen und 16.000 Paar Skier zu gleiten beginnen. Dieses Rauschen nach dem Startschuss beim Wasalauf in Schweden sorgt fĂŒr eine ganz eigene Energie, und die brauchen die Teilnehmer: Sie haben 90 Kilometer vor sich und maximal zwölf Stunden Zeit. Die Schnellsten erreichen - je nach Wetter - nach 3,5 bis 4,5 Stunden das Ziel. Der Vasaloppet, wie die Schweden sagen, ist das grĂ¶ĂŸte Langlaufrennen der Welt. Am Sonntag (3. MĂ€rz) findet es zum 100. Mal statt.

Zu den ToplĂ€ufern zĂ€hlt Thomas Bing aus Bad Salzungen in ThĂŒringen, der in der Elitegruppe startet und unter den Top 15 ins Ziel laufen möchte, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der 33-JĂ€hrige ist Deutschlands bester Skimarathon-LĂ€ufer und kennt das Wasa-GefĂŒhl. «Man spĂŒrt den Druck der 16.000 LanglaufverrĂŒckten hinter sich. Da ist eine brutale Energie da, wenn man im StartgelĂ€nde ankommt.» Der Stellenwert des Rennens sei «riesig». Wenn man irgendwo mit einem guten Ergebnis glĂ€nzen könne, dann mit dem Wasalauf-Ergebnis. Doch das sei eben extrem schwierig zu erreichen.

Wie wird das Wetter?

Nicht nur die Konkurrenz ist groß, auch das Wetter ist ein wichtiger Faktor. In manchen Jahren herrscht klirrende KĂ€lte mit minus 15 Grad, in anderen Jahren ist der Schnee matschig, es regnet oder es schneit ununterbrochen. Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der 2015 den Wasalauf in 04:57:10 Stunden gelaufen ist, sagt: «Es ist ein Unterschied, ob der Schnee gefroren ist und man damit eine schnelle Loipe hat - oder ob es Neuschnee gibt, was einen bremst, und sich die Strecke daher schnell mal doppelt so lang anfĂŒhlt.» Es gehe darum, sich auf die Bedingungen einzustellen und die Ski richtig zu wachsen.

Neben dem passenden Material brauchen LĂ€ufer Kondition und viel Geduld. Das Startfeld ist nach Veranstalterangaben rund 600 Meter lang. Etwa 50 Loipen sind nebeneinander gezogen. Kurz nach dem Start verschmĂ€lert sich die Strecke und fĂŒhrt einen steilen Anstieg hinauf. Es entsteht dichter Stau. Zerbrochene Skistöcke im Schnee zeugen vom GedrĂ€nge. Bis die hinteren LĂ€ufer dieses Nadelöhr passiert haben, vergeht leicht eine Stunde - und die Uhr lĂ€uft unerbittlich.

Was ein Profi den FreizeitlÀufern rÀt

Thomas Bing rĂ€t den FreizeitlĂ€ufern: «Ruhe bewahren!» Ob man in der ersten halben Stunde zehn oder 15 Minuten im Stau verliere, spiele am Ende keine Rolle. «Weil alle im Stau stehen.» Einzig die Elite steht nicht im Stau, die lĂ€uft vorneweg und hat - je nach Wetter - Top-Loipen. Je mehr Menschen durch die Loipen durch sind, desto weniger bleibt von den Spuren ĂŒbrig. Die HobbylĂ€ufer am Schluss mĂŒssen teils ĂŒber weite Strecken ohne Loipen laufen.

Doch auch wenn der Fokus auf dem Sieger liegt, macht die Masse an Breitensportlern den Wasalauf aus. «Viele HobbylÀufer brauchen ewig, und es ist eine schöne Zeremonie, dass der Letzte von einem FackellÀufer ins Ziel begleitet und dort von den Zuschauern gefeiert wird», sagt Schlickenrieder. Man könne die Leistung derer, die doppelt und dreifach so lange unterwegs sind wie die Elite, nicht hoch genug einschÀtzen. «Das sind richtige Strapazen.» Der Wasalauf bringe einen an die Grenzen - auch mental. Er nennt das Rennen «den Ironman der LanglÀufer» und ein «Once-in-a-lifetime-Erlebnis».

«Nie wieder!» - und dann doch

Dieses einmalige Erlebnis hat 2019 auch Carsten Albrecht aus Zingst an der Ostsee mitgemacht. Er sei im Harz aufgewachsen und habe dort das Langlaufen gelernt. Der Wasalauf sei immer ein Ziel fĂŒr ihn gewesen. Mit 55 Jahren habe er sich gedacht: «Wenn ich das jetzt nicht mache, wird es nichts mehr», erzĂ€hlt er. Dann habe er «wie wild» zu trainieren begonnen, mangels Schnee an der Ostsee auf Rollski. Nach 07:58:01 Stunden kam er ins Ziel. Sein erster Gedanke danach: «Nie wieder!» Doch dann ließ ihn das Wasa-Fieber nicht los. 2024 tritt er mit nun mit 60 Jahren zum fĂŒnften Mal an.

Auch Sven Kaltofen aus Sayda in Sachsen hatte schon als Jugendlicher den Wasalauf als Ziel vor Augen. Die Ă€lteren Vereinskollegen hĂ€tten davon geschwĂ€rmt. Im Jahr 2000 war er dann erstmals dabei. 2024 will der 46-JĂ€hrige zum 25. Mal die legendĂ€ren 90 Kilometer bewĂ€ltigen. 30 WasalĂ€ufe will er insgesamt schaffen. Langweilig werde es nicht und wirklich nervös sei er auch nicht mehr. Es sei einfach immer wieder spannend zu sehen, wie er durchkomme. «Der Körper wird Ă€lter, das Material wird besser. Das sollte sich ausgleichen», sagt er amĂŒsiert. Seine schnellste Zeit war 04:59:09 Stunden, er habe aber auch schon knapp ĂŒber sieben Stunden gebraucht.

Bisher gewann nur ein einziger Deutscher

FĂŒr Carsten Albrecht wie auch fĂŒr Sven Kaltofen macht aber das Drumherum das eigentliche Wasa-GefĂŒhl aus. Die Stimmung, die vielen Teilnehmer. «Man leidet ja alleine. Aber man sieht andere auch leiden, und das tröstet ein wenig», sagt Albrecht. Die beiden sind einige Tage vor dem Lauf nach Schweden gereist, um noch Loipen-Kilometer zu sammeln. Zwischen 500 und 1000 Kilometer schaffe er in der Vorbereitung, so Kaltofen. Mangels Schnee seien es diesen Winter nur um die 100 Kilometer gewesen.

Zum Drumherum gehören begeisterte Zuschauer, die Schokolade und Obst verteilen. An sieben Verpflegungsstationen tummeln sich Helfer und reichen die berĂŒhmte Blaubeersuppe. Dazu gibt es trockene Brötchen, BrĂŒhe, Energiedrinks. 3500 Ehrenamtliche sind rund um den Wasalauf im Einsatz. Ausnahmezustand.

Diesem Erlebnis will sich erstmals auch der ehemalige Weltklasse-LanglĂ€ufer Axel Teichmann stellen, mit zehn Jahren Abstand zu seiner Zeit als Leistungssportler. Seine Fitness werde «hoffentlich dafĂŒr reichen, dass ich von A nach B komme», sagt er. FĂŒr ihn stehe das Resultat nicht im Vordergrund.

Als einziger Deutscher hat bisher Gerd-Dietmar Klause aus dem Vogtland den Wasalauf gewonnen. 1975 schaffte er die Strecke in 4:20:22 Stunden. Dass er 49 Jahre spÀter noch immer der einzige deutsche Sieger ist, bezeichnet er als «kleine Sensation».

@ dpa.de