Kanzlei, Gericht

Von der Kanzlei ins Gericht – Quereinsteiger bei der Justiz

04.12.2024 - 05:15:35

Aktenberge, altmodische Technik: Gerichten und Staatsanwaltschaften haftet teils ein altmodischer Ruf an. Und doch stĂ¶ĂŸt der Staatsdienst auf Interesse.

Die Justiz hat nach einer Umfrage mehrere Hundert Quereinsteiger fĂŒr Gerichte und Staatsanwaltschaften gewinnen können. Nach Angaben des Deutschen Richterbundes wechselten in den vergangenen fĂŒnf Jahren mindestens 670 Juristen in den Staatsdienst. Dies habe eine Umfrage der «Deutschen Richterzeitung» in den BundeslĂ€ndern ergeben. Da demnach lediglich 7 von 16 LĂ€ndern eine gesonderte Statistik zu Quereinsteigern fĂŒhren, dĂŒrfte die tatsĂ€chliche Anzahl höher ausfallen. 

«Der Beruf des Richters oder Staatsanwalts ist fĂŒr viele Juristinnen und Juristen attraktiv und lockt immer wieder auch Quereinsteiger zur Justiz», meinte der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Richterbundes, Sven Rebehn. Umso wichtiger sei die UnterstĂŒtzung der Politik. «Besonders in den Staatsanwaltschaften und Strafgerichten ist die Lage prekĂ€r, hier mĂŒssen zwei Juristen vielfach die Arbeit von dreien machen.» Bundesweit fehlten 2.000 Stellen, so Rebehn. 

Viele Quereinsteiger in Berlin 

Die meisten Quereinsteiger gab es in den Jahren 2020 bis 2024 nach den Angaben in Berlin mit 170 Juristen. In Hessen wurden 156 Quereinsteiger registriert. Platz drei belegt demnach Bayern (140). Es folgen Sachsen (119), Sachsen-Anhalt (34), Bremen (27) und Mecklenburg-Vorpommern (25). 

Viele der Juristen waren vorher als RechtsanwĂ€lte tĂ€tig. In Rheinland-Pfalz verfĂŒgten beispielsweise mehr als 20 Prozent der neu eingestellten Richterinnen und Richter ĂŒber Erfahrung als RechtsanwĂ€lte oder eine vergleichbare BeschĂ€ftigung. Dies habe eine Auswertung des Justizministeriums fĂŒr das Jahr 2024 ergeben, hieß es. 

Die Juristen seien in der Regel ein Jahr oder wenige Jahre als Rechtsanwalt, an einer UniversitÀt oder in der Staatsverwaltung tÀtig gewesen, erklÀrte Bayern auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. 

Personalnot und Pensionierungswelle 

Baden-WĂŒrttemberg gab demnach bei der Umfrage an, die sogenannten Young Professionals – also berufstĂ€tige Akademiker – seien eine wichtige Zielgruppe. Diese werde bei der Nachwuchsgewinnung verstĂ€rkt in den Blick genommen. 

Bundesweit fĂŒhrt Personalmangel bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften zu Problemen. Sorge bereitet der Justiz zudem eine Pensionierungswelle, von der vor allem in Berlin und die fĂŒnf ostdeutschen LĂ€nder betroffen sind. Bis zu 50 Prozent aller Juristen werden dort laut Richterbund bis zum Jahr 2033 in den Ruhestand gehen.

@ dpa.de