Zentraler Zeuge im Prozess gegen Christian B. im Fokus
05.06.2024 - 05:27:08Ein zentraler Zeuge im Vergewaltigungsprozess gegen Christian B. hat vor Gericht bedauert, dass Videos von zwei mutmaĂlichen Taten verschollen seien. «Ich hatte gehofft, sie noch zu finden, damit ich nicht mehr als LĂŒgner dastehe», sagte der 53-JĂ€hrige am Mittwoch im Landgericht Braunschweig. «Die Videos wĂŒrden uns allen einen Haufen Arbeit ersparen, wenn die noch da wĂ€ren.» Der Zeuge hatte der Strafkammer im MĂ€rz von zwei Vergewaltigungsfilmen berichtet, auf denen er den Angeklagten erkannt haben will.Â
Der 53-JĂ€hrige gilt auch als wichtiger Zeuge fĂŒr das Mordermittlungsverfahren im Fall der dreijĂ€hrigen Madeleine McCann, die 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwand. Der Maddie-Komplex, in dem Christian B. verdĂ€chtig ist, ist aber nicht Gegenstand der Verhandlung. In dem aktuellen Prozess werden dem 47-jĂ€hrigen Deutschen insgesamt drei Vergewaltigungen und zwei FĂ€lle von sexuellem Missbrauch an Kindern vorgeworfen. Insgesamt gilt die Unschuldsvermutung.Â
Laut Anklage soll B. zwischen Ende 2000 und FrĂŒhjahr 2006 eine unbekannte 70 bis 80 Jahre alte Frau in ihrer portugiesischen Ferienwohnung im Schlafzimmer vergewaltigt und dabei gefilmt haben. Im gleichen Zeitraum soll er eine mindestens 14-JĂ€hrige vergewaltigt haben. Weil die beiden mutmaĂlichen Opfer aber bisher unbekannt sind und der Verbleib der beiden Videos völlig unklar ist, sind die Aussage des Zeugen und dessen GlaubwĂŒrdigkeit so wichtig fĂŒr das Verfahren.
Zeuge will Angeklagten bestohlen haben
Bei der ersten Befragung im MÀrz hatte der Zeuge berichtet, dass er den Angeklagten bestohlen habe, als dieser 2006 wegen Dieseldiebstahls ins GefÀngnis gekommen sei. Ein Auto, Diesel und eben Videokameras mit Filmen will der Zeuge aus B. Haus in Portugal mitgenommen haben. Neben viel Party- und Touristenkram habe er darauf die Szenen mit der Àlteren Frau und dem MÀdchen gesehen. Die Kameras will der Zeuge spÀter verkauft haben.
Wo die Videos geblieben sind, könne er nicht mehr sagen. Er will die Videos aber in Ausschnitten einem Bekannten gezeigt haben. Auch der 68-JĂ€hrige sagte vor Gericht, er habe den Angeklagten in beiden FĂ€llen erkannt.Â
Bei der Befragung durch die Verteidigung am Mittwoch wurde schnell klar, dass der Zeuge nicht in allen Detailfragen die Wahrheit sagte. Die Frage etwa, ob er aktuell einen Facebook-Account unter anderem Namen verwendet, verneinte er zunÀchst. Auf weiteres Nachfragen rÀumte er dies aber doch ein.


