Messerangriff, Hamburg

Messerangriff in Hamburg: VerdÀchtige war in Psychiatrie

25.05.2025 - 13:59:16

An einem vollen Bahnsteig im Hamburger Hauptbahnhof werden 15 Menschen mit einem Messer verletzt, weitere kommen zu Schaden. Die VerdÀchtige war Behörden bereits bekannt.

  • Laut Polizei wurden 18 Menschen verletzt. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpa

    Christian Charisius/dpa

  • Die VerdĂ€chtige rĂ€umte die Tathandlung vor dem Haftrichter ein. (Symbolbild) - Foto: Georg Wendt/dpa

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  • Seit einiger Zeit gilt ein Waffenverbot im Bereich des Hauptbahnhofs. (Archivbild) - Foto: Georg Wendt/dpa

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Laut Polizei wurden 18 Menschen verletzt. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpaDie VerdÀchtige rÀumte die Tathandlung vor dem Haftrichter ein. (Symbolbild) - Foto: Georg Wendt/dpaSeit einiger Zeit gilt ein Waffenverbot im Bereich des Hauptbahnhofs. (Archivbild) - Foto: Georg Wendt/dpa

Nach dem Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof mit 18 Verletzten kommen immer mehr Erkenntnisse zur Vorgeschichte der VerdÀchtigen ans Licht. Wie ein Sprecher des niedersÀchsischen Gesundheitsministeriums bestÀtigte, wurde die Frau am Tag vor der Attacke aus einer Psychiatrie im Landkreis Cuxhaven entlassen. Dort war sie zuvor behandelt worden. 

Nach Auskunft der Klinik gab es zum Zeitpunkt der Entlassung keinen medizinischen Befund, der eine weitere Unterbringung gerechtfertigt hĂ€tte. Über ihre Krankheit macht das Ministerium zum Schutz der Persönlichkeitsrechte und wegen der Ă€rztlichen Schweigepflicht keine weiteren Angaben. 

Derweil hat die VerdÀchtige die Tathandlung vor dem Haftrichter inzwischen eingerÀumt. Das teilte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg auf Anfrage mit. Die 39-JÀhrige war am Freitagabend festgenommen worden, nachdem sie am Bahnsteig wahllos um sich gestochen haben soll. 

Ein Haftrichter hatte die Unterbringung der VerdÀchtigen in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Der Unterbringungsbefehl laute auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefÀhrlicher Körperverletzung in 15 FÀllen, teilte die Polizei mit.

TatverdÀchtige war drei Wochen in Klinik

«Der Unterbringungsbefehl bezieht sich auf die Personen, die unmittelbar mit dem Messer verletzt wurden und dadurch Schnitt- oder Stichverletzungen unterschiedlicher Schwere erlitten haben», erklĂ€rte die Polizei in ihrer Mitteilung. Insgesamt seien 18 Menschen in KrankenhĂ€user gebracht worden - die ĂŒbrigen erlitten demnach aber andere Verletzungen, «beispielsweise durch einen Sturz oder Schock». 

Die Frau sei Anfang Mai hilflos gefunden worden, teilte ein Sprecher des niedersĂ€chsischen Gesundheitsministeriums mit. Sie sei daraufhin eingewiesen und fĂŒr drei Wochen in einer Klinik behandelt worden.

Bevor jemand aus einer Psychiatrie entlassen wird, werden laut Ministerium verschiedene medizinische, rechtliche und soziale Aspekte abgewogen. Im Zentrum steht die Frage, ob der Patient oder die Patientin nach der Entlassung eine Gefahr fĂŒr sich oder andere darstellen könnte. Im Fall der VerdĂ€chtige hĂ€tten die Ärzte keinen Grund gesehen, die 39-JĂ€hrige weiter in der Klinik zu behalten. «Eine freiwillige Weiterbehandlung war nicht angestrebt.»

Mehrere Verletzte wieder aus KrankenhÀusern entlassen

Drei Frauen im Alter von 24, 52 und 85 Jahren und ein 24 Jahre alter Mann waren lebensgefÀhrlich verletzt worden. Sie befinden sich inzwischen alle in einem stabilisierten Zustand, wie die Polizei bereits am Samstag mitteilte. Zudem wurden sieben Menschen schwer und weitere sieben Menschen leicht verletzt. 

Hamburgs BĂŒrgermeister Peter Tschentscher sprach davon, dass einige der Verletzten die KrankenhĂ€user wieder verlassen konnten. Zu dem Gesundheitszustand der Verletzten gab es am Sonntag zunĂ€chst keine neuen Informationen. 

TatverdÀchtige hat wohl keinen festen Wohnsitz

Die TatverdĂ€chtige soll frĂŒheren Angaben der Polizei zufolge nicht politisch motiviert gewesen sein. «Vielmehr bestehen inzwischen sehr konkrete Hinweise auf eine psychische Erkrankung der TatverdĂ€chtigen», hatte die Polizei mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Unterbringung beantragt. 

Die VerdĂ€chtige hat laut Polizei «nach den bisherigen Erkenntnissen» keinen festen Wohnsitz. Wie ein Sprecher des niedersĂ€chsischen Innenministeriums auf Anfrage mitteilte, soll die Frau gebĂŒrtig aus Niedersachsen kommen. Sie sei dort seit 2021 immer wieder polizeilich aufgefallen. «Unter anderem erschien sie mehrfach auf Polizeidienststellen und zeigte dabei deutliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung.»

Im vergangenen Jahr leitete die Polizei mehrere Strafverfahren gegen die VerdÀchtige ein, wie das Ministerium weiter mitteilte. Dabei sei es jedoch nie um den Einsatz eines Messers gegangen. Auch waffenrechtliche Erlaubnisse liegen der Behörde nach eigenen Angaben nicht vor.

Mutige Helfer greifen im Hauptbahnhof ein

Zum Zeitpunkt der Tat am frĂŒhen Freitagabend war der Bahnsteig zwischen den Gleisen 13 und 14 voller Menschen. Dass die Attacke nicht noch mehr Menschen traf, ist dem mutigen Eingreifen von zwei Passanten zu verdanken. «Durch das sehr schnelle Eingreifen zweier Passanten, die sich auf dem Bahnsteig befanden, (...) konnte der Angriff unterbrochen werden», teilte die Polizei mit.

EinsatzkrÀfte hÀtten die 39-JÀhrige im Anschluss schnell festnehmen können. Sie habe sich widerstandslos festnehmen lassen und soll nach bisherigen Erkenntnissen alleine gehandelt haben. Das Tatmesser sei sichergestellt worden.

Der Hamburger Hauptbahnhof gehört mit mehr als 500.000 Reisende pro Tag zu den am stĂ€rksten frequentierten Verkehrsknotenpunkten in Deutschland. Im freitĂ€glichen Feierabendverkehr herrscht dort regelmĂ€ĂŸig dichtes GedrĂ€nge. Am Freitag begannen in Hamburg einwöchige Schulferien. 

Messer seit einiger Zeit verboten

Seit dem 1. Oktober 2023 sind Messer im Bereich des Hauptbahnhofs verboten. Laut Bundespolizei zÀhlte der Verkehrsknotenpunkt 2022 zu den gefÀhrlichsten Bahnhöfen in Deutschland. 

Inzwischen hat sich die Lage nach offiziellen Angaben verbessert. Die Zahl der Gewalttaten sank im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel (24,2 Prozent) auf 546, wie die Bundesregierung im Februar auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion mitteilte. Allerdings verdoppelte sich die Zahl der Gewalttaten, bei denen ein Messer eingesetzt wurde, fast von 12 auf 23 FĂ€lle.

Alltag wenige Stunden nach der Attacke

Der Bahnverkehr lĂ€uft seit dem frĂŒhen Samstagmorgen wieder wie gewohnt. Die Gleise sind entsprechend voll. Am Tatort, also dem Bahnsteig zwischen Gleis 13 und 14, war am nĂ€chsten Morgen von der Attacke kaum noch etwas zu sehen. Lediglich kleinere Blutspuren am Boden zeugten von der grausamen Tat.

@ dpa.de