Streit um Block-Kinder - 35-JĂ€hriger auf Zypern festgenommen
22.11.2024 - 15:51:22In der Silvesternacht vor knapp elf Monaten eskaliert der Sorgerechtsstreit um zwei Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block in einer nĂ€chtlichen Aktion in SĂŒddĂ€nemark. Nun sitzt ein mutmaĂlich Beteiligter in Hamburg in Untersuchungshaft. Der 35-JĂ€hrige stehe im Verdacht, einer der Unbekannten gewesen zu sein, die den Jungen und das MĂ€dchen - damals 10 und 13 Jahre alt - gewaltsam nach Deutschland brachten, teilte die Staatsanwaltschaft mit.Â
Der Beschuldigte mit portugiesischer und israelischer Staatsangehörigkeit soll dem Vater der Kinder zusammen mit weiteren Personen aufgelauert, ihn angegriffen und ihm die in seiner Obhut befindlichen Kinder mit Gewalt entzogen haben.
Der VerdĂ€chtige wurde den Angaben zufolge am 27. September bei seiner Einreise nach Zypern verhaftet. Zuvor war auf Antrag der Hamburger Staatsanwaltschaft ein internationaler Haftbefehl erlassen worden. Zielfahnder des Landeskriminalamts hĂ€tten den Beschuldigten nach Hamburg gebracht, hieĂ es. Seit November sitze er in Untersuchungshaft. ZunĂ€chst berichtete die «Bild» ĂŒber die Verhaftung.
Sorgerechtsstreit um Kinder in DĂ€nemark
Die Unternehmerin und ihr Ex-Mann streiten seit Jahren um das Sorgerecht fĂŒr ihre beiden jĂŒngeren Kinder. Der Sohn und die Tochter leben seit August 2021 bei ihrem Vater in DĂ€nemark, obwohl das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg das Aufenthaltsbestimmungsrecht im Oktober 2021 vorlĂ€ufig auf die Mutter ĂŒbertragen hatte. Das Ehepaar ist geschieden.
Die nĂ€chtliche Aktion in DĂ€nemark hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Nach einem Gerichtsbeschluss musste die Mutter ihre Kinder wieder nach DĂ€nemark gehen lassen. Christina Block ist eine Tochter von Eugen Block, dem GrĂŒnder der Restaurant-Kette Block House.Â
Das Oberlandesgericht hatte am 19. Februar 2024 entschieden, dass deutsche Gerichte nicht mehr zustÀndig seien. Die Kinder hÀtten inzwischen ihren verfestigten Lebensmittelpunkt in DÀnemark. Gegen die Entscheidung des Gerichts hat Christina Block Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt. Die Beschwerde sei weiter anhÀngig, sagte ihre familienrechtliche AnwÀltin Elisabeth Unger am Freitag.
Gegen die 51-JĂ€hrige und ihren Vater (84) laufen auch Strafverfahren wegen Entziehung MinderjĂ€hriger. Es bestehe der Verdacht, dass Eugen und Christina Block die Kindesentziehung zu Silvester organisiert und mithilfe weiterer Beschuldigter ausgefĂŒhrt hĂ€tten, erklĂ€rte die Hamburger Staatsanwaltschaft.Â
Durchsuchung im FrĂŒhjahr
Um Beweise aufzufinden, waren im Mai das zur Block-Gruppe gehörende ElysĂ©e-Hotel sowie die Wohn- und GeschĂ€ftsrĂ€ume der Gruppe im Stadtteil PoppenbĂŒttel durchsucht worden. Es war die dritte Aktion dieser Art in dem Fall. Das Hotel und das Wohnhaus Christina Blocks waren am 12. Januar durchsucht worden. Am 8. MĂ€rz hatte die Staatsanwaltschaft weitere Durchsuchungen in dem Hotel und bei der Block Systems GmbH veranlasst.
Christina Blocks Anwalt in der Strafsache hatte dazu erklÀrt, sie habe zu keinem Zeitpunkt dritten Personen einen Auftrag erteilt, ihre Kinder mit Gewalt aus DÀnemark nach Hamburg zu verbringen. Eugen Block sagte dem «Hamburger Abendblatt» (26.5.2024): «Ich habe damit nichts zu tun und kann dazu nichts sagen.»
Auch gegen den Vater der beiden Kinder lÀuft ein Strafverfahren wegen Entziehung MinderjÀhriger. Das Amtsgericht hatte die Zulassung einer Anklage zunÀchst abgelehnt, weil die Kinder im August 2021 nicht mit Gewalt, Drohung oder List der Mutter vorenthalten wurden und sich weiter in einem EU-Land befÀnden. Das Landgericht sah das anders, weil DÀnemark als einziges EU-Land familienrechtliche Entscheidungen in anderen Mitgliedstaaten nicht automatisch anerkennt. Eine Jugendschutzkammer am Landgericht Hamburg muss nach Angaben einer Gerichtssprecherin entscheiden, ob die Anklage gegen den 50-JÀhrigen zugelassen und der Prozess eröffnet wird.
Der Anwalt des Vaters teilte mit, dass er einen Freispruch fĂŒr seinen Mandanten fĂŒr zwingend halte. «Seine Kinder vor Gewalt zu schĂŒtzen, darf nicht strafbar sein», argumentierte Philip von der Meden. Er begrĂŒĂe es, wenn GewaltvorwĂŒrfe der Kinder gegen ihre Mutter umfassend aufgeklĂ€rt wĂŒrden.Â
Bereits Anfang des Jahres hatte der Anwalt von Christina Block, Otmar Kury, die VorwĂŒrfe zurĂŒckgewiesen: «In den familiengerichtlichen Verfahren ist das Gegenstand und die Mutter hat auch immer gesagt, dass sie die Kinder natĂŒrlich nicht geschlagen hat, und es gibt keine Beweise dafĂŒr.» Die Aussagen der Kinder seien durch den Vater beeinflusst und nicht glaubhaft.Â
Eile bei Ermittlungen geboten
Anders als im Verfahren gegen den Vater ist bei den Ermittlungen gegen den auf Zypern gefassten Mann besondere Eile geboten. Sitzt jemand in Untersuchungshaft, hat er Anspruch auf baldige rechtliche Klarheit. Ein Prozess mĂŒsste spĂ€testens sechs Monate nach dem Haftbefehl beginnen.Â
Ein möglicherweise wichtiges Beweismittel ist weiter verschwunden: Im Mai hatte die Polizei öffentlich nach einem Wohnmobil mit Pforzheimer Kennzeichen gefahndet. Das Fahrzeug sei am 1. Januar 2024 dazu genutzt worden, zwei Kinder unrechtmĂ€Ăig aus DĂ€nemark nach Deutschland zu bringen, hieĂ es in dem Aufruf. Die Suche nach dem Wohnmobil dauere an, sagte am Freitag eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.


