Filmkollege, Oscar-prÀmierter

Filmkollege: Oscar-prÀmierter Regisseur Ballal wieder frei

25.03.2025 - 17:11:08

Anfang MÀrz noch stand Regisseur Hamdan Ballal bei der Oscar-Verleihung in L.A. im Blitzlichtgewitter. Nur drei Wochen spÀter wird er im Westjordanland laut Augenzeugen zusammengeschlagen.

  • Vor rund drei Wochen feierte Ballal mit seinen Kollegen den Gewinn eines Oscars fĂŒr den besten Dokumentarfilm in Los Angeles. (Archivbild) - Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

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  • Ballal wurde Augenzeugenberichten zufolge von israelischen Siedlern zusammengeschlagen. (Archivbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpa

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  • Ballal soll festgenommen worden sein.  - Foto: Raviv Rose/via AP/dpa

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Vor rund drei Wochen feierte Ballal mit seinen Kollegen den Gewinn eines Oscars fĂŒr den besten Dokumentarfilm in Los Angeles. (Archivbild) - Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpaBallal wurde Augenzeugenberichten zufolge von israelischen Siedlern zusammengeschlagen. (Archivbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpaBallal soll festgenommen worden sein.  - Foto: Raviv Rose/via AP/dpa

Nach seiner Festnahme im Westjordanland ist der palĂ€stinensische Regisseur Hamdan Ballal nach Angaben eines Filmkollegen wieder freigelassen worden. «Nachdem er die ganze Nacht in Handschellen gefesselt und in einem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt geschlagen wurde, ist Hamdan Ballal nun frei und kann zu seiner Familie zurĂŒckkehren», schrieb Yuval Abraham, neben Ballal einer der Co-Regisseure des Oscar-prĂ€mierten Dokumentarfilms «No Other Land», auf der Plattform X.

Auch die Zeitung «Times of Israel» meldete seine Entlassung aus der Haft. Dem Bericht zufolge kamen er und zwei weitere Festgenommene gegen eine Kaution frei. Sie seien zur Behandlung in ein palĂ€stinensisches Krankenhaus gebracht worden. Das Blatt hatte zuvor bereits unter Berufung auf Ballals AnwĂ€ltin Lea Tsemel berichtet, dass dessen Freilassung bevorstehe. Der schwer verletzte Filmemacher habe die Nacht auf dem Boden eines MilitĂ€rstĂŒtzpunkts verbracht, hieß es in dem Bericht weiter. 

Der israelische Co-Regisseur Yuval Abraham zitierte die AnwĂ€ltin mit den Worten, Ballal sei die ganze Nacht in Handschellen und mit verbundenen Augen festgehalten und von zwei Soldaten verprĂŒgelt worden.

Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Die AnwĂ€ltin sowie die israelische Polizei Ă€ußerten sich auf Anfrage zunĂ€chst nicht. Israels Armee verwies auf die Polizei.

Augenzeugen: Ballal zusammengeschlagen

Ballal war zuvor im israelisch besetzten Westjordanland Augenzeugen zufolge von israelischen Siedlern zusammengeschlagen worden. Anschließend hĂ€tten israelische Soldaten den verletzten palĂ€stinensischen Filmemacher aus einem Krankenwagen geholt und festgenommen, berichteten palĂ€stinensische Aktivisten und Kollegen Ballals. Das israelische MilitĂ€r bestritt in einer Stellungnahme, dass ein PalĂ€stinenser aus einem Krankenwagen geholt worden sei. 

Nach Darstellung des israelischen MilitĂ€rs warfen PalĂ€stinenser am Montagabend zunĂ€chst Steine auf israelische Siedler und beschĂ€digten deren Fahrzeuge. Daraufhin hĂ€tten sich Gruppen von Israelis und PalĂ€stinensern gegenseitig mit Steinen beworfen. Polizei und Armee hĂ€tten die Gruppen voneinander getrennt. PalĂ€stinenser hĂ€tten auch Steine auf die SicherheitskrĂ€fte geschleudert. Sie hĂ€tten deshalb drei von ihnen sowie einen an den gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen beteiligten Israeli festgenommen.

«No other Land» gewann vor drei Wochen einen Oscar

Der palĂ€stinensisch-norwegische Dokumentarfilm, den Ballal mit den Israelis Yuval Abraham und Rachel Szor sowie dem PalĂ€stinenser Basel Adra drehte, gewann Anfang MĂ€rz in Los Angeles den Oscar fĂŒr den besten Dokumentarfilm. «No Other Land» erzĂ€hlt vom gewaltfreien Kampf der PalĂ€stinenser in Susja und der umliegenden Landschaft Masafer Jatta sĂŒdlich von Hebron fĂŒr den Erhalt ihrer Dörfer und ihres Landes.

Die nicht-staatliche Organisation Center for Jewish Nonviolence teilte ĂŒber die Plattform Bluesky mit, Ballal sei am Montagabend in seinem Heimatdorf Susja im Westjordanland von israelischen Siedlern angegriffen worden. Die Angreifer seien mit Schlagstöcken, Messern und mindestens einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen. Viele seien maskiert gewesen. FĂŒnf jĂŒdisch-amerikanische Aktivisten seien ebenfalls attackiert und ihr Auto mit Steinen beworfen worden. 

Berichte: Filmemacher von Stein am Kopf getroffen

Laut Medienberichten sollen Dutzende gewalttÀtige Siedler Steine in Richtung der Bewohner, HÀuser und Autos des Dorfes geworfen haben. Vier PalÀstinenser seien verletzt worden, unter ihnen Ballal. Er soll von einem Stein am Kopf getroffen worden sein. Die israelische Polizei bestÀtigte im Anschluss drei Festnahmen, Aktivisten zufolge war Ballal einer der Festgenommenen. 

Co-Regisseur Adra schrieb auf X, Ballal sei von Siedlern «gelyncht» worden. Soldaten hĂ€tten ihn entfĂŒhrt. Hamdan sei verletzt worden und habe geblutet. Auch Co-Regisseur Yuval Abraham schrieb auf X, Ballal sei gelyncht worden. 

PalĂ€stinensische Extremisten aus dem Westjordanland verĂŒben immer wieder AnschlĂ€ge auf Menschen in Israel sowie auch auf israelische Siedler im Westjordanland. Zugleich hat auch die Gewalt radikaler Siedler gegen palĂ€stinensische Zivilisten im Westjordanland stark zugenommen.

Eklat bei der Berlinale

Der Film «No Other Land» zeigt, wie der PalĂ€stinenser Adra den schrittweisen Abriss der Dörfer seiner Heimatregion durch Soldaten im Auftrag der israelischen Regierung dokumentiert. Im Vorjahr wurde der Film bei der Berlinale mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Zu einem Eklat kam es, nachdem bei der Preisverleihung einseitig VorwĂŒrfe gegen Israel laut wurden, ohne dass das Oktober-Massaker der islamistischen Hamas-Terroristen erwĂ€hnt wurde. 

Vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs sprach Abraham auf der BĂŒhne von einer «Situation der Apartheid», im Saal gab es Applaus. NachtrĂ€glich distanzierte sich die Festivalleitung von den Aussagen, nicht aber vom ausgezeichneten Film.

Die Berlinale bezeichnete die aktuellen Berichte in einer Mitteilung bei Instagram als «sehr beunruhigend». Die Sicherheit der Filmemacher liege der Berlinale-Community am Herzen, hieß es weiter. «Wir fordern seine sichere RĂŒckkehr zu Freunden und Familie.» Die Rollen des Journalismus und des Dokumentarfilms mĂŒssten geschĂŒtzt und seine Macher vor Repressalien und Gewalt bewahrt werden.

@ dpa.de