Polizei findet nach toter Tochter auch tote Mutter
20.03.2024 - 17:09:58Es liest sich wie das Drehbuch eines Horrorfilms: Zwei VerdĂ€chtige sollen erst die 51-jĂ€hrige GroĂmutter und dann die 27-jĂ€hrige Mutter umgebracht haben - das wenige Wochen alte Baby der jungen Frau finden die Ermittler spĂ€ter wohlbehalten bei den mutmaĂlichen Mördern. Polizei und Staatsanwaltschaft Mannheim teilten mit, eine Leiche in einem Anglersee bei Bad Schönborn im Landkreis Karlsruhe gefunden zu haben.
Rasch bestÀtigt ein DNA-Test: Es handelt sich um die 51-JÀhrige. Auch sie wurde nach derzeitigem Erkenntnisstand getötet - ebenso wie die schon vorher gefundene 27-JÀhrige.
«Auch fĂŒr uns ist dies kein normaler Fall, kein alltĂ€glicher Fall und lĂ€sst selbst uns GĂ€nsehaut bekommen», sagte Polizeisprecher Stefan Wilhelm. Eine 60-köpfige Sonderkommission hatte fast zwei Wochen intensiv nach der 51-jĂ€hrigen Frau gesucht. Anfang MĂ€rz war die Leiche ihrer Tochter am Rheinufer bei Hockenheim - rund 20 Kilometer von Bad Schönborn entfernt - entdeckt worden. Erst nachdem Angehörige aus der Ukraine die junge Frau als vermisst gemeldet hatten, konnten die Ermittler die Leiche identifizieren. Die GeflĂŒchteten hatten laut Polizei in einer Unterkunft im Rhein-Neckar-Kreis gelebt.
Zwei VerdÀchtige in U-Haft
Zuletzt hatte die Polizei mit Hubschraubern und Tauchern in Seen nach der 51-JĂ€hrigen gesucht - die Ermittler konzentrierten sich dabei auf den Bereich bei Bad Schönborn. «Die Taucher hatten in den Seen dort fast keine Sicht und mussten sich Zentimeter um Zentimeter vortasten», sagte Wilhelm. Es habe letztlich fĂŒr die Taucher keine Sicherheit bestanden, dass der Leichnam nicht dort ist. Deshalb habe man den ganzen See noch einmal abgesucht. «Und dabei haben wir schlieĂlich auch den Leichnam der 51-JĂ€hrigen aufgefunden.»
Mitte vergangener Woche wurden die beiden TatverdĂ€chtigen - 43 und 44 Jahre alt - festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Laut Mitteilung stammen sie nach bisherigen Erkenntnissen aus dem persönlichen Umfeld der Getöteten. Es besteht demnach der dringende Verdacht des «gemeinschaftlichen heimtĂŒckischen Mordes zur Verdeckung einer Straftat» in zwei FĂ€llen. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass die beiden am Abend des 6. MĂ€rz erst die GroĂmutter und wenige Stunden spĂ€ter die Mutter des Babys getötet haben.
Den Ermittlern zufolge hatten die TatverdÀchtigen das Baby bei sich. Das wenige Wochen alte MÀdchen ist demnach unversehrt. Es befindet sich nun in der Obhut des Jugendamtes.
Die «Bild»-Zeitung berichtete am Wochenende, die Festgenommenen seien ein Ehepaar. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollten sich bisher zu dem Bericht Ă€uĂern. Laut «Bild»-Zeitung hatten die beiden in den vergangenen Monaten Nachbarn und Arbeitskollegen von der angeblich bevorstehenden Geburt einer eigenen Tochter erzĂ€hlt. Sie sollen die Frau demnach getötet haben, um das Baby als ihres auszugeben.
Noch keine Angaben zu Tathergang oder -waffe
Zum leiblichen Vater des nun sechs Wochen alten Babys wollte sich der Polizeisprecher nicht Ă€uĂern.
Ein Passant hatte die tote 27-JĂ€hrige nahe dem Rheinufer an einer sogenannten Nato-Rampe entdeckt. Nach einer Obduktion stand fest, dass die junge Mutter durch Ă€uĂere Gewalteinwirkung starb. Zum möglichen Ablauf der Tat oder zu einer möglichen Tatwaffe machte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft zunĂ€chst keine Angaben. Auch eine mysteriöse Feuerstelle in der NĂ€he des Auffindeorts der Leiche war den Ermittlern aufgefallen. Die Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Feuerstelle im Zusammenhang mit der Tötung der jungen Frau steht.
Polizeisprecher Wilhelm sagte: «NatĂŒrlich sind wir froh, eine solche grausame Tat nach so kurzer Zeit schon aufklĂ€ren zu können und zwei TatverdĂ€chtige festnehmen zu können.»


