Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Gefahr auf dem E-Scooter: Forscher fordert Altersgrenze

10.10.2025 - 14:26:42

Angetrunken, zu zweit oder mit dem Handy in der Hand: E-Scooter-Nutzer sind hĂ€ufig riskant unterwegs. Ein Unfallforscher fordert schĂ€rfere Regeln wie eine Altersgrenze und eine FĂŒhrerscheinpflicht.

  • Dieser Unfall wĂ€re wohl lebensgefĂ€hrlich gewesen. - Foto: Guido Kirchner/dpa

    Guido Kirchner/dpa

  • Zahlreiche E-Scooter in den InnenstĂ€dten: Auch die Unfallzahlen nehmen zu. - Foto: Christian Charisius/dpa/dpa-tmn

    Christian Charisius/dpa/dpa-tmn

Dieser Unfall wÀre wohl lebensgefÀhrlich gewesen. - Foto: Guido Kirchner/dpaZahlreiche E-Scooter in den InnenstÀdten: Auch die Unfallzahlen nehmen zu. - Foto: Christian Charisius/dpa/dpa-tmn

Ein E-Scooter-Fahrer ist mit Tempo 20 auf der Straße unterwegs, links neben ihm ein Auto. Dann biegt der Wagen nach rechts ab, ĂŒbersieht den Scooter - ein heftiger Zusammenstoß. Der Scooter-Fahrer prallt hart mit dem Kopf auf das Auto und dann auf die Straße - lebensgefĂ€hrliche Verletzungen wĂ€ren wohl die Folge.

Das Unfallszenario, das bei einem Crashtest der Björn-Steiger-Unfallforschung mit einem Dummy in MĂŒnster gezeigt wird, ist der hĂ€ufigste Ablauf fĂŒr UnfĂ€lle zwischen Pkw und E-Scootern, von denen nach den jĂŒngsten vorliegenden Zahlen 2023 knapp eine Million auf deutschen Straßen unterwegs waren.

Fahrer hÀufig jung und betrunken

Viele der Scooter-Fahrer sind jung, Tausende missachten auch das bisherige Mindestalter von 14 Jahren, fahren zu zweit und sind oft betrunken, sagte der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, Siegfried Brockmann, beim Crashtest und der Vorstellung einer aktuellen Studie der Stiftung. 

Fast die HĂ€lfte der UnfĂ€lle mit schwer verletzten oder getöteten Scooter-Fahrern gingen laut dieser Studie auf AlleinunfĂ€lle zurĂŒck, sagte er - also ohne Beteiligung oder Schuld eines anderen Verkehrsteilnehmers. Und bei 43 Prozent dieser AlleinunfĂ€lle sei Alkohol im Spiel gewesen. Weitere 14 Prozent dieser UnfĂ€lle hatten Ursachen wie einhĂ€ndiges Fahren, Ablenkung oder starkes Abbremsen.

Deutlicher Zuwachs der Scooter-UnfÀlle

Die Studie der Stiftung basiert auf der detaillierten Auswertung der VerlÀufe von mehr als 10.000 UnfÀllen mit Scootern in zehn BundeslÀndern in den Jahren zwischen 2021 und 2024. Sie verzeichnet in dieser Zeit einen starken Zuwachs der Unfallzahlen von knapp 4.900 auf knapp 10.900. 

Dazu passen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Demnach hat sich die Zahl der E-Scooter-UnfÀlle allein 2024 bundesweit im Vorjahresvergleich um mehr als ein Viertel auf fast 12.000 erhöht. 27 Menschen kamen ums Leben.

GrĂ¶ĂŸere RĂ€der gegen HĂ€ngenbleiben am Bordstein

Brockmann fordert dagegen ein Mindestalter von 15 Jahren fĂŒr die Fahrer und technische Verbesserungen an den Rollern. Vor allem mĂŒssten die bisher ĂŒblichen Acht-Zoll-RĂ€der durch mindestens zehn Zoll große RĂ€der ersetzt werden, um die StabilitĂ€t zu erhöhen und StĂŒrze etwa durch HĂ€ngenbleiben an Bordsteinen zu vermeiden, sagte der Unfallforscher. 

Bisher ist Scooter fahren ohne jeden Nachweis von Kenntnissen der Straßenverkehrsordnung erlaubt, wie Brockmann bemĂ€ngelte. Es mĂŒsse mindestens eine Mofa-PrĂŒfbescheinigung oder ein MopedfĂŒhrerschein AM verlangt werden. Brockmann fordert außerdem schĂ€rfere Polizeikontrollen auf Alkohol. 

Viele VerunglĂŒckte hĂ€tten gar nicht fahren dĂŒrfen

Immerhin rund fĂŒnf Prozent der verunglĂŒckten Scooter-Fahrer seien nach den Daten der Björn-Steiger-Stiftung unter 14 Jahre alt gewesen, hĂ€tten also gar nicht mit den Rollern fahren dĂŒrfen. Hier könne man Scooter-Verleiher verpflichten, in die Mietapps einen Altersnachweis einzubauen, sagte Brockmann.

FĂŒr eine immer wieder geforderte Helmpflicht auf dem Scooter sah der Forscher aber keine ausreichende Datengrundlage - was ihn nicht davon abhalte, den Helm nachdrĂŒcklich zu empfehlen, sagte Brockmann. 

Blinkerpflicht ab 2027 geplant

Die vom Bundeskabinett bereits gebilligte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung fĂŒr Scooter könnte um die VorschlĂ€ge ergĂ€nzt werden, schlug der Forscher vor. Die Verordnung sieht bereits höhere Bußgelder fĂŒr das Fahren auf Gehwegen und eine Blinkerpflicht ab 2027 vor. Außerdem sollen Kommunen angehalten werden, feste StellplĂ€tze fĂŒr Miet-E-Scooter auszuweisen. Die Verordnung kommt im nĂ€chsten Schritt in den Bundesrat.

Laut den jĂŒngsten Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es 2023 rund 780.000 private E-Scooter - 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen rund 210.000 Leihfahrzeuge, deren Zahl ebenfalls zunahm. Zusammen waren das knapp eine Million Fahrzeuge. 

Instabil auch beim Crash-Test

Vor allem beim Nutzen der Leihfahrzeuge könne es gefÀhrlich werden, weil die Fahrer mit den geliehenen Scootern wenig vertraut seien, sagte Brockmann. Wie instabil Scooter sein können, zeigte sich nicht zuletzt beim Crashtest: Die Unfallforscher brauchten zahlreiche Versuche bis zu einem realistischen Crash. Immer wieder sprang vorher der wackelige Scooter aus der Schiene, die die Forscher aufgebaut hatten.

@ dpa.de

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