93 Tote auf Maui - MĂ€ngel beim Katastrophenschutz
13.08.2023 - 12:39:33US-Medien schreiben von der tödlichsten Waldbrandkatastrophe in den Vereinigten Staaten seit mehr als einhundert Jahren: Nach Angaben des Bezirks Maui im US-Bundesstaat Hawaii sind dort durch Wald- und BuschbrĂ€nde in den vergangenen Tagen mindestens 93 Menschen gestorben und mehr als 2000 GebĂ€ude verwĂŒstet worden. Der Fund weiterer Toter sei zu befĂŒrchten, sagte Hawaiis Gouverneur Josh Green am Samstag (Ortszeit).
Die Kleinstadt Lahaina ist besonders hart getroffen, viele StraĂenzĂŒge dort sehen aus wie in einem Kriegsgebiet. In Schulen und KrankenhĂ€usern wurden Notunterbringungen fĂŒr Hunderte Betroffene eingerichtet. Immer lauter werden aber auch Fragen danach, ob die Behörden nicht deutlich besser auf das UnglĂŒck hĂ€tten reagieren können. Bewohner fragen sich, ob sie zu spĂ€t gewarnt wurden und wieso es so lange dauert, bis Hilfe kommt.
«Es gibt keine Transparenz», sagte Profisurfer Kai Lenny der «Washington Post». «Die Regierung sagt uns nicht, was passiert, und dadurch weiĂ keiner, wie wir helfen können.» Er selbst habe mit einem Jetski ĂŒber das Wasser Menschen mit dem Nötigsten versorgt, weil viele StraĂen gesperrt seien, sagte Lenny.
Es gab keine Warnsirenen
Die Katastrophenschutzbehörde FEMA erklĂ€rte am Samstag, dass rund ein Dutzend Bundesbehörden mit HilfsmaĂnahmen fĂŒr die Brandopfer beschĂ€ftigt seien. 150 Mitarbeiter, darunter auch Such- und Rettungstrupps, seien bereits auf Maui, weitere seien unterwegs.
Kritik hatte es auch daran gegeben, dass auf Maui zu Beginn keine Warnsirenen zum Einsatz gekommen sein sollen. ZusĂ€tzlich erschwert wurden die Rettungsarbeiten dadurch, dass Lahaina im Norden und SĂŒden jeweils nur ĂŒber eine groĂe ZufahrtsstraĂe erreichbar ist.
In der Stadt, die vor dem UnglĂŒck rund 13 000 Einwohner zĂ€hlte, hatte es zudem Beschwerden darĂŒber gegeben, dass eine Evakuierung möglicherweise zu spĂ€t angeordnet wurde. Noch am Donnerstag hatte es laut «New York Times» auf Facebook Meldungen der Behörden gegeben, dass die Feuer unter Kontrolle seien. SpĂ€ter hatte Feuerwehr-Chef Bradford Ventura bei einer Pressekonferenz gesagt, dass sich die BrĂ€nde ĂŒberraschend schnell ausgebreitet hĂ€tten und dass es zuvor «nahezu unmöglich» gewesen sei, schnell genug Evakuierungen anzuordnen.
Laut der Zeitung hatte zudem der Stromversorger kaum PlĂ€ne fĂŒr den Fall von WaldbrĂ€nden, so dass auch nach den ersten AusbrĂŒchen auf Maui das Netz weiter komplett aufrechterhalten blieb. «Es hĂ€tte die Vorschrift fĂŒr sie geben mĂŒssen, den Strom abzuschalten», sagte Jennifer Potter, ein ehemaliges Mitglied einer Regulierungskommission fĂŒr die Stromversorgung auf Hawaii, der Zeitung. «Schutz vor WaldbrĂ€nden hat aber in der Planung fĂŒr Stromversorger nur einen geringen Stellenwert.»
Die Notversorgung lÀuft nur langsam an
Gouverneur Green rĂ€umte ein, dass die Notversorgung langsam anlaufe, weil es schwierig sei, von anderen Inseln Material nach Maui zu bringen. Die Lage sei beispiellos verheerend. «Ich verstehe, warum es Ărger gibt, weil wir in einem Zustand von Schock und Verlust sind», sagte Hawaiis Senatorin Mazie Hirono am Sonntag auf CNN. «Soweit ich sehen kann, sind die Behörden da.»
Unterdessen sei die Feuerwehr weiter im Einsatz, um Feuer in verschiedenen Regionen der Insel einzudÀmmen, teilte die Regierung des Bezirks Maui in der Nacht zum Samstag mit.
Laut aktualisierten Zahlen des Pacific Disaster Center und der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA sind in dem Bezirk rund 2200 GebĂ€ude durch das Feuer beschĂ€digt oder zerstört worden. Erste SchĂ€tzungen gehen von rund 5,5 Milliarden Dollar (5,0 Milliarden Euro) fĂŒr den Wiederaufbau dort aus.
König Charles Ă€uĂert sein MitgefĂŒhl
Neben den Feuern im Westen Mauis waren in weiteren Regionen der Insel sowie auf der benachbarten Insel Hawaii Anfang der Woche BrÀnde ausgebrochen, die sich wegen starker Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern schnell ausgebreitet hatten. Mit einer FlÀche von rund 1900 Quadratkilometern ist die hawaiianische Insel etwa halb so groà wie die spanische Urlaubsinsel Mallorca.
Unterdessen riefen US-Prominente wie die Schauspieler Jason Momoa und Jessica Alba zur UnterstĂŒtzung der Nothilfe und zum Wiederaufbau der Region auf. In die internationale Anteilnahme reihten sich auch der britische König Charles III. und seine Frau, Königin Camilla, ein. Sie Ă€uĂerten sich in einem Brief an den US-PrĂ€sidenten Joe Biden «zutiefst entsetzt» ĂŒber die Lage auf Maui. «Wir können uns das AusmaĂ der Zerstörung, die die Insel erfasst hat, und die herzzerreiĂende Verzweiflung derjenigen, deren Lebensgrundlage so katastrophal betroffen ist, nur ansatzweise vorstellen», hieĂ es.













