Bundesregierung, Blinker

Bundesregierung will Blinker fĂŒr alle FahrrĂ€der erlauben

04.01.2024 - 12:19:42

Beim Abbiegen benutzen viele Radfahrer ein Handzeichen. Vor allem im Dunkeln aber wÀren Blinker besser erkennbar. Das soll nun möglich werden - eine Pflicht soll es aber nicht geben.

Die Bundesregierung will Blinker fĂŒr alle FahrrĂ€der beim Abbiegen erlauben. Hintergrund ist auch die steigende Anzahl von UnfĂ€llen mit Pedelecs. Die Neuregelung sei im Zuge einer Neufassung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung geplant, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums am Donnerstag in Berlin. Die PlĂ€ne gehen auch aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hervor, ĂŒber die zuerst die «Rheinische Post» berichtet hatte.

Was geplant ist

Nach der geltenden Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung sind «Fahrtrichtungsanzeiger» nur bei mehrspurigen FahrrĂ€dern und RĂ€dern mit einem Aufbau wie Fahrradrikschas zulĂ€ssig, bei denen die Handzeichen des Fahrers ganz oder teilweise verdeckt werden.

Die Sprecherin sagte, das Verkehrsministerium sei besorgt ĂŒber die steigende Anzahl von UnfĂ€llen mit Pedelecs - die Zahl der FahrrĂ€der mit Hilfsmotor ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Um das Abbiegen anzuzeigen, sei es derzeit erforderlich, die Hand vom Lenker zu nehmen. Hierdurch könne es in schwierigen Situationen zur BeeintrĂ€chtigung der FahrstabilitĂ€t und zu einem geĂ€nderten Bremsverhalten kommen. Dies könnte durch optional zulĂ€ssige Fahrtrichtungsanzeiger entschĂ€rft werden. Optionale Blinker könnten das Handzeichen ersetzen, wenn Radfahrer anzeigen, dass sie abbiegen wollen.

Ab wann Blinker fĂŒr alle FahrrĂ€der erlaubt sind, ist derzeit noch unklar. Aufgrund der KomplexitĂ€t des umfangreichen Entwurfs der Neufassung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung ist laut Ministerium noch nicht absehbar, wann der zustĂ€ndige Bundesrat sich damit befasst und wann die Neuordnung in Kraft tritt.

Fahrradclub fĂŒr Blinker

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich nach den Worten seines Rechtsexperten Roland Huhn schon lĂ€nger dafĂŒr ein, dass Blinker an allen FahrrĂ€dern und Pedelecs zulĂ€ssig sind - als freiwillige Ausstattung, nicht als Pflicht. «Fahrtrichtungsanzeiger sind vor allem bei Dunkelheit besser erkennbar als das Handzeichen und bleiben auch tagsĂŒber wĂ€hrend des gesamten Abbiegevorgangs wirksam, bei dem oft beide HĂ€nde zum BetĂ€tigen der Bremsen benötigt werden.»

Abbiegende Radfahrerinnen und Radfahrer seien auf diese Weise besser wahrzunehmen, sagt Huhn. Besonders beim Linksabbiegen komme es hĂ€ufig zu folgenschweren ZusammenstĂ¶ĂŸen mit nachfolgenden oder entgegenkommenden Kraftfahrzeugen, weil Radfahrer ĂŒbersehen werden. «Man kann erwarten, dass bewusst gewĂ€hlte Fahrradblinker auch konsequent benutzt werden - öfter als das hĂ€ufig unterlassene Handzeichen. SelbstverstĂ€ndlich sind Blinker am Fahrrad aber kein Ersatz fĂŒr andere Verkehrssicherheitsmaßnahmen oder fĂŒr das Umschauen vor dem Abbiegen.»

Mehr Verkehrssicherheit?

Der FDP-Verkehrspolitiker Valentin Abel sagte: «Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer muss im Mittelpunkt stehen, um das Unfallrisiko besonders an Gefahrenstellen zu senken und dadurch Leben zu schĂŒtzen. Dabei kann die EinfĂŒhrung von optionalen Fahrradblinkern aus Sicht der FDP-Fraktion einen Beitrag zur Reduzierung von Konflikten mit dem motorisierten Verkehr leisten.»

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat begrĂŒĂŸte die PlĂ€ne. PrĂ€sident Manfred Wirsch sagte, Blinker könnten einen Beitrag fĂŒr mehr Verkehrssicherheit und weniger Verletzte im Straßenverkehr leisten.
«AbbiegevorgĂ€nge werden sicherer, weil beide HĂ€nde am Lenker bleiben, und insbesondere nachts ist die Abbiegeintention fĂŒr andere Verkehrsteilnehmende besser sichtbar. ZusammenstĂ¶ĂŸe mit linksabbiegenden Fahrradfahrenden ziehen oft schwerwiegende Verletzungen nach sich und könnten so reduziert werden.»

Eine Sprecherin des ADAC sagte, aus Sicht des ADAC sei der Schritt richtig und wichtig fĂŒr die Verkehrssicherheit. Die aktuelle Regelung sei unverstĂ€ndlich und erscheine nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ. «Gerade Ă€ltere Menschen mit körperlichen EinschrĂ€nkungen wird der Zugang zum Rad mit der elektrischen UnterstĂŒtzung erleichtert. Das Handzeichengeben fĂ€llt ihnen oft schwer, da eine Hand vom Lenker genommen werden muss.»

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, sagte, ein Blinker habe natĂŒrlich im Dunkeln Vorteile, vor allem wenn man abbiegen möchte und dabei in der Mitte stehen bleiben mĂŒsse, um den Gegenverkehr abzuwarten. «Auf der anderen Seite kann es aber auch zusĂ€tzliche Gefahren geben, wenn ich am Tage vergesse, den Blinker auszuschalten. Insgesamt handelt es sich so oder so ganz sicher nicht um einen Meilenstein bei der Verbesserung der Radfahrsicherheit.»

Skeptisch zeigte sich auch der verkehrspolitische Sprecher der GrĂŒnen-Bundestagfraktion, Stefan Gelbhaar. «Blinker an normalen StraßenrĂ€dern werden die Verkehrssicherheit nicht erhöhen», sagte er der DĂŒsseldorfer «Rheinischen Post». Auch wenn es die bisherigen Verbote nicht brauche, normale StraßenrĂ€der seien fĂŒr Blinker zu schmal, so dass die Richtungsanzeige kaum wahrgenommen werden könne. Sinnvoller fĂŒr mehr Sicherheit seien stattdessen gute Radverkehrsinfrastrukturen und angemessene Geschwindigkeiten. «Gerade innerorts hilft Tempo 30, das Unfallrisiko und UnfallschĂ€den deutlich zu reduzieren.»

@ dpa.de