Berlin: Sieben Festnahmen bei Razzia wegen Schusswaffenhandel
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHunderte EinsatzkrÀfte haben am Mittwochmorgen in sechs Berliner Bezirken elf Wohnungen, mehrere Autos und drei Gewerbeobjekte durchsucht und sieben VerdÀchtige vorlÀufig festgenommen.
Verdacht auf gewerbsmĂ€Ăigen Waffenhandel
Nach Angaben der Polizei richten sich die Ermittlungen gegen sieben Menschen im Alter von 22 bis 52 Jahren, denen gewerbsmĂ€Ăiger Handel mit halbautomatischen Schusswaffen vorgeworfen wird. Die Ermittlungen laufen seit April.
Bei den Durchsuchungen wurden zwei scharfe Schusswaffen mit Munition sowie Mobiltelefone und weitere DatentrÀger sichergestellt.
Sondereinheiten Ferrum und Telum
Die Razzien stehen im Zusammenhang mit den Sondereinheiten âFerrumâ der Polizei und âTelumâ der Staatsanwaltschaft. Beide arbeiten gegen Schusswaffengebrauch im Bereich der Organisierten KriminalitĂ€t zusammen. Nach Angaben der Polizei hatte der Einsatz keinen Zusammenhang mit der Abgeordnetenhauswahl.
Mehr als 300 KrÀfte im Einsatz
Am Morgen waren mehr als 300 EinsatzkrĂ€fte beteiligt, darunter Spezialeinheiten. UnterstĂŒtzung kam aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sowie von der Bundespolizei.
680 Ermittlungsverfahren seit GrĂŒndung
âFerrumâ wurde Mitte November 2025 beim Landeskriminalamt gegrĂŒndet. Seitdem leitete die Einheit nach Angaben eines Polizeisprechers 680 Ermittlungsverfahren ein. Diese betreffen unter anderem Straftaten gegen das Leben, Rohheits-, Waffen- und Rauschgiftdelikte sowie VerstöĂe gegen das Aufenthaltsgesetz.
Bis einschlieĂlich Dienstag wurden im Zusammenhang mit âFerrumâ 290 Menschen festgenommen und 74 Haftbefehle erlassen. EinschlieĂlich der aktuellen Aktion vollstreckten die Ermittler mehr als 260 DurchsuchungsbeschlĂŒsse. Zudem kontrollierten sie rund 4.000 Fahrzeuge und 870 Orte wie Shisha-Bars, CafĂ©s und Kioske.
Schusswaffengebrauch deutlich gestiegen
Die Berliner Polizei registrierte 2025 insgesamt 1.119 FĂ€lle von Schusswaffengebrauch. Dazu zĂ€hlen auch Drohungen ohne Schussabgabe. GegenĂŒber 2024 entsprach das einem Anstieg um 68 Prozent. Bis Anfang August dieses Jahres wurden nach Polizeiangaben mehr als 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen erfasst.
SchĂŒsse richteten sich in Berlin zuletzt hĂ€ufig gegen GeschĂ€fte oder CafĂ©s. Ende August warfen Unbekannte einen Sprengsatz auf einen Friseursalon in Steglitz-Zehlendorf, im Juni explodierte mutmaĂlich eine Handgranate vor einem SpĂ€tkauf im Wedding. Vor dem Landgericht Berlin mĂŒssen sich zudem drei MĂ€nner verantworten, die im Januar ein Lokal mit SchĂŒssen und BrandsĂ€tzen angegriffen haben sollen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollte damit eine Drohkulisse zur Durchsetzung von Schutzgeldforderungen aufgebaut werden.
Berlin zÀhlt Schusswaffengebrauch systematisch
Die aktuellen Durchsuchungen stehen im Zusammenhang mit einem lĂ€nger angelegten Vorgehen gegen bewaffnete Strukturen der Organisierten KriminalitĂ€t. Die Sondereinheit âFerrumâ bearbeitet dabei nicht nur Waffendelikte, sondern auch Verfahren wegen Gewalt-, BetĂ€ubungsmittel- und Aufenthaltsdelikten. Das zeigt, dass Ermittler Waffenhandel als Teil miteinander verbundener KriminalitĂ€tsfelder betrachten.
Die GröĂenordnung der bisherigen Arbeit ist erheblich: Seit der GrĂŒndung von âFerrumâ wurden nach Polizeiangaben 680 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 290 Menschen festgenommen und mehr als 260 DurchsuchungsbeschlĂŒsse vollstreckt. Hinzu kommen Kontrollen von rund 4.000 Fahrzeugen und 870 Orten, darunter CafĂ©s, Kioske und Shisha-Bars. FĂŒr die Berliner Bevölkerung bedeutet das vor allem eine verstĂ€rkte PrĂ€senz von Polizei und Spezialeinheiten an Orten, die in frĂŒheren FĂ€llen als Tat- oder Treffpunkte eine Rolle spielten.
Mehr FĂ€lle, aber unterschiedliche Formen der Gewalt
Der Anstieg auf 1.119 registrierte FĂ€lle von Schusswaffengebrauch im Jahr 2025 umfasst auch Drohungen ohne Schussabgabe. Die Zahl beschreibt deshalb nicht ausschlieĂlich Schussverletzungen oder tatsĂ€chlich abgefeuerte Munition. Zugleich verdeutlichen scharfe Waffenfunde und Angriffe auf GeschĂ€fte, CafĂ©s und andere Gewerbeobjekte, dass der Zugang zu Waffen konkrete Gefahren fĂŒr BeschĂ€ftigte, Anwohner und Passanten schafft. Die aktuellen Festnahmen sollen den mutmaĂlichen Handelsweg unterbrechen; ĂŒber die weitere strafrechtliche Bewertung entscheiden die zustĂ€ndigen Ermittlungs- und Justizbehörden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
GMX: âZahlreiche Razzien wegen illegalen Schusswaffenhandels in Berlinâ (23.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die stadtweiten Durchsuchungen, mehrere Festnahmen und die Sicherstellung von zwei Schusswaffen mit scharfer Munition. Er hebe besonders den monatelangen Einsatz der Sondereinheiten âFerrumâ und âTelumâ sowie den Einsatz von insgesamt 300 KrĂ€ften hervor; weitere Einzelheiten zu den sieben Beschuldigten und den Durchsuchungsorten fĂŒhre er nicht aus.
n-tv: âRazzien gegen Schusswaffengewalt in Berlin - mehrere Festnahmenâ (23.09.2026)
Der Beitrag bestÀtige den Verdacht des illegalen Schusswaffenhandels, die Waffenfunde und den Einsatz von Spezialeinheiten. Er ordne den Vorgang wie die dpa-Meldung der Organisierten KriminalitÀt zu, setze den Schwerpunkt jedoch auf die laufenden Zugriffe und nenne zunÀchst weniger Details zu Umfang und Vorgeschichte der Ermittlungen.
Beide Berichte stimmten beim Anlass, den beteiligten Sondereinheiten und den zentralen Ermittlungsergebnissen ĂŒberein. Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem aus der jeweiligen Nachrichtentiefe; offen blieben in den BeitrĂ€gen insbesondere die individuellen TatvorwĂŒrfe gegen die Beschuldigten und der weitere Gang der Verfahren.
