Berliner Philharmonie: Sanierung könnte 800 Millionen Euro kosten
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Sanierung der Berliner Philharmonie könnte rund 800 Millionen Euro kosten und das Konzerthaus von voraussichtlich 2032 bis 2040 schlieĂen.
MehrjĂ€hrige SchlieĂung erwartet
Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Orchester beauftragte Machbarkeitsstudie. Seit der Eröffnung der Philharmonie habe es keine grundsÀtzliche Instandsetzung gegeben, sagte Intendantin Andrea Zietzschmann.
FĂŒr die Jahre der SchlieĂung benötigt das Orchester eine AusweichspielstĂ€tte. Nach EinschĂ€tzung der Berliner Philharmoniker wĂŒrde sich dafĂŒr der frĂŒhere Flughafen Tempelhof eignen; dafĂŒr sind rund 350 Millionen Euro veranschlagt.
Technik und Brandschutz veraltet
Zusammen mit der Sanierung des Konzerthauses ergibt sich in der Studie ein Gesamtvolumen von etwa 1,15 Milliarden Euro. Probleme gibt es unter anderem beim Brandschutz. Auch Klimatechnik und Kabelanlagen seien veraltet, zudem liefen SanitĂ€ranlagen wegen verstopfter Rohre mitunter ĂŒber.
Der tÀgliche Veranstaltungsbetrieb könne ohne Sanierung ab spÀtestens 2032 oder 2033 nicht mehr störungsfrei gewÀhrleistet werden, teilte das Orchester unter Verweis auf die Machbarkeitsstudie mit.
Orchester will Klang bewahren
Die Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko gehören zu den weltweit fĂŒhrenden Orchestern. Die von Hans Scharoun entworfene Philharmonie nahe dem Potsdamer Platz wurde 1963 eröffnet und zĂ€hlt zu den bekanntesten GebĂ€uden der Hauptstadt.
âWas fĂŒr mich als Geiger meine Geige ist, ist dieser Saal fĂŒr uns als Orchester - nĂ€mlich unser Instrumentâ, sagte Musiker Philipp Bohnen, Medienvorstand der Berliner Philharmoniker. Der Saal âbedeutet uns die Weltâ; seine Akustik sei âsensationell und einmalig in der Weltâ.
Finanzierung noch offen
Der Bund sagte ĂŒber den Hauptstadtfinanzierungsvertrag bis zu 225 Millionen Euro zu. Im Investitionshaushalt des Landes Berlin seien 350 Millionen Euro eingestellt, sagte Zietzschmann. Damit komme man in Richtung 600 Millionen Euro; nun wĂŒnsche sie sich eine schnelle Entscheidung der nĂ€chsten Berliner Landesregierung.
Ein Kulturdenkmal vor der technischen Erneuerung
Die Berliner Philharmonie wurde 1963 nach PlĂ€nen von Hans Scharoun eröffnet und zĂ€hlt wegen ihrer markanten Architektur und der zentral um das Orchester angeordneten SitzplĂ€tze zu den prĂ€genden Kulturbauten der Hauptstadt. Dass nach der Eröffnung keine grundsĂ€tzliche Instandsetzung erfolgt ist, erklĂ€rt die nun gebĂŒndelte Dringlichkeit bei Brandschutz, GebĂ€udetechnik und Leitungen.
Die genannte Summe von rund 800 Millionen Euro fĂŒr die Sanierung entspricht dabei nicht dem gesamten Finanzbedarf. EinschlieĂlich einer möglichen AusweichspielstĂ€tte im frĂŒheren Flughafen Tempelhof veranschlagt die Studie etwa 1,15 Milliarden Euro. Die GröĂenordnung macht das Vorhaben zu einem langfristigen Infrastruktur- und Kulturprojekt, nicht zu einer gewöhnlichen Bauunterhaltung.
Finanzierung und Ausweichquartier
Bund und Land haben zusammen bereits Finanzierungsbausteine von bis zu rund 575 Millionen Euro benannt: Der Bund sagte ĂŒber den Hauptstadtfinanzierungsvertrag bis zu 225 Millionen Euro zu, im Berliner Investitionshaushalt sind 350 Millionen Euro eingestellt. FĂŒr eine endgĂŒltige Entscheidung fehlen damit nicht nur weitere Mittel, sondern auch ein belastbarer Bau-, Kosten- und Betriebsplan.
FĂŒr Besucherinnen und Besucher wĂ€re eine SchlieĂung ab 2032 mit einem Wechsel des Konzertstandorts verbunden. FĂŒr das Orchester geht es zugleich um die Sicherung des international geprĂ€gten Spielbetriebs und um die akustische QualitĂ€t. Die Wahl und Ausstattung eines Ersatzsaals dĂŒrfte deshalb ebenso entscheidend sein wie die technische Erneuerung des Stammhauses.
