Berngau: Jäger erschießt zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 19:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei einer routinemäßigen Waffenkontrolle in Berngau im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz sollen zwei Mitarbeiter des Landratsamts erschossen worden sein.
Mutmaßlicher Schütze im Krankenhaus
Bei den Opfern handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann und eine 54 Jahre alte Frau. Der mutmaßliche Schütze ist 60 Jahre alt, deutscher Staatsbürger sowie Jäger und Sportschütze.
Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist das Motiv völlig unklar. Der Mann sei nach dem bisherigen Ermittlungsstand zuvor polizeilich nicht bekannt gewesen. Hinweise auf eine extremistische Gesinnung gebe es nicht.
Zehn Waffen legal besessen
Der 60-Jährige besaß laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Die Kontrolle erfolgte routinemäßig und ohne Vorankündigung. Die Ermittler prüfen unter anderem, ob es eine Vorgeschichte im Kontakt mit dem Landratsamt Neumarkt gegeben haben könnte.
Nach den Schüssen verschanzte sich der Tatverdächtige stundenlang in einem Wohnhaus. Spezialkräfte überwältigten ihn schließlich. Dabei wurde er durch Schüsse schwer verletzt und anschließend unter Polizeibewachung in ein Krankenhaus gebracht.
Ermittler prüfen Motiv und Tatablauf
Der Mann hatte selbst bei der Einsatzzentrale angerufen und nach Angaben der Polizei erklärt, er befinde sich in seiner Wohnung und besitze Schusswaffen. In den folgenden Gesprächen habe er zugegeben, geschossen zu haben, und angekündigt, nicht widerstandslos aufzugeben.
Der mutmaßliche Schütze soll nach der medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Dieser entscheidet über eine mögliche Untersuchungshaft oder eine Unterbringung in einer Fachklinik.
Kontrollen sollen besprochen werden
In Bayern finden jährlich etwa 10.000 Waffenkontrollen statt. Herrmann will den Fall mit den bayerischen Landratsämtern besprechen. In den vergangenen Jahren habe es bei solchen Anlässen keine vergleichbaren Vorfälle gegeben.
Der Innenminister verwies auf einen früheren Fall in Ansbach, bei dem ein Reichsbürger einen Polizisten tödlich verletzt hatte. Damals sei es um die gezielte Entwaffnung eines Mannes gegangen; deshalb habe die Polizei die kommunalen Mitarbeiter begleitet. Die bisherigen Erkenntnisse aus Berngau gäben noch keinen Hinweis darauf, was bei künftigen Routinekontrollen geändert werden müsse.
Routinekontrollen als Teil des Waffenrechts
Waffenkontrollen bei Inhabern von Waffenbesitzkarten sollen vor allem prüfen, ob Waffen und Munition sicher verwahrt werden. In Bayern finden solche Überprüfungen regelmäßig und grundsätzlich ohne Vorankündigung statt. Nach Angaben des Innenministers gibt es im Freistaat rund 200.000 Inhaber entsprechender Berechtigungen.
Der Fall in Berngau trifft damit auf einen Verwaltungsbereich, der normalerweise ohne größeren öffentlichen Auftritt arbeitet. Die Kontrolle erfolgte nach den vorliegenden Angaben routinemäßig, ohne konkreten Gefährdungsverdacht und ohne polizeiliche Begleitung. Dass zwei Beschäftigte dabei getötet wurden, macht den Vorgang zu einem außergewöhnlichen Einschnitt für die kommunale Verwaltung und wirft zugleich Fragen nach dem Schutz von Außendienstmitarbeitern auf.
Folgen für Behörden und Beschäftigte
Innenminister Joachim Herrmann kündigte Gespräche mit den bayerischen Landratsämtern über die Abläufe an. Dabei dürfte es insbesondere um die Einschätzung möglicher Gefahren, die Zusammenarbeit mit der Polizei und die Vorbereitung von Beschäftigten gehen. Zugleich lässt sich aus dem einzelnen Geschehen nicht unmittelbar ableiten, dass Routinekontrollen flächendeckend unter Polizeischutz stattfinden müssten.
Für die Ermittlungen stehen zunächst der genaue Tatablauf, eine mögliche Vorgeschichte zwischen dem Tatverdächtigen und dem Landratsamt sowie das Motiv im Mittelpunkt. Der mutmaßliche Schütze soll nach seiner medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Bis dahin bleiben die strafrechtlichen Entscheidungen und mögliche Konsequenzen für die Waffenbehörden offen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Berngau in der Oberpfalz: Zwei Tote nach Schüssen bei Waffenkontrolle“ (09.10.2026)
Der Bericht bestätige die Festnahme des 60-Jährigen nach den tödlichen Schüssen und stelle den stundenlangen Großeinsatz mit Spezialkräften, Hubschrauber und gepanzertem Fahrzeug heraus. Er ergänze, die beiden Opfer seien Beschäftigte des Landratsamtes gewesen und die Kollegin bereits nach den ersten Schüssen gestorben. Das Motiv bleibe auch dort offen.
BR24: „Tödliche Schüsse bei Waffenkontrolle – Viele Fragen noch offen“ (09.10.2026)
Der Bericht bestätige den legalen Besitz von zehn Waffen und ordne den Fall stärker in die Verwaltungs- und Sicherheitsabläufe ein. Er hebe hervor, dass Routinekontrollen ohne Vorankündigung und ohne polizeiliche Begleitung stattfänden, sofern kein konkreter Gefährdungsverdacht vorliege. Zusätzlich berichte er über die angekündigte Prüfung des Polizeischusswaffengebrauchs sowie Forderungen nach verbessertem Schutz für Beschäftigte im öffentlichen Dienst.
Beide Berichte stimmten beim Ablauf, den zwei Todesopfern und der Festnahme überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während die tagesschau den Einsatzverlauf betone, rücke BR24 die offenen Ermittlungsfragen und mögliche Folgen für Behörden in den Vordergrund.

