Umfrage, Gewalt

Umfrage: Gewalt im Einsatz bei Berufsfeuerwehren verbreitet

19.12.2024 - 09:00:37

Beschimpft, bespuckt, mit Feuerwerk beworfen: GewaltvorfĂ€lle belasten die Arbeit von Deutschlands Feuerwehren. Ein Überblick ĂŒber das Ausmaß.

Berufsfeuerwehren beklagen laut einer Umfrage verbreitet Gewalt in Form von Beschimpfungen oder Angriffen. 75,1 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwei Jahren wÀhrend eines Einsatzes beleidigt, bedroht, beschimpft oder tÀtlich angegriffen worden zu sein, wie der Deutsche Feuerwehrverband und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mitteilten. 

Bereits vor einem Jahr hatten die beiden VerbÀnde freiwillige Feuerwehren zu Gewalt befragt. Diesmal gaben unter den Ehrenamtlichen mit 43,8 Prozent etwas weniger an, wÀhrend eines Einsatzes schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Hauptamtliche wie auch ehrenamtliche EinsatzkrÀfte berichteten zu jeweils mehr als 90 Prozent von Beschimpfungen und Beleidigungen.

Reaktion auf die Zahlen

Berufsfeuerwehren sind hÀufiger in StÀdten im Einsatz. Wohl deshalb sprachen sie hÀufiger (32,6 Prozent) von tÀtlichen Angriffen wie Schubsen als ihre ehrenamtlich arbeitenden Kollegen (14,1). Unter den Berufsfeuerwehrleuten gaben 7,2 Prozent an, in den vergangenen zwei Jahren mit einer Waffe bedroht worden zu sein. 27,1 Prozent seien bespuckt und 28,4 Prozent mit Feuerwerkskörpern oder GegenstÀnden beworfen worden.

«Dieser Zustand ist unhaltbar», sagte der PrĂ€sident des Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Banse, laut Mitteilung. «Wir Feuerwehren mĂŒssen uns aber auf Polizei und Justiz verlassen können, dass Gewalt gegen uns auch effektiv verfolgt wird – besonders in GroßstĂ€dten.» Vereinfachte Anzeigeverfahren und Sonderanwaltschaften wĂ€ren Banse zufolge hierbei hilfreich.

Viele VorfÀlle nicht angezeigt

Die befragten Berufsfeuerwehrleute berichteten, am hĂ€ufigsten bei EinsĂ€tzen im Straßenverkehr (70,3 Prozent) und beim Rettungsdienst (73,3 Prozent) Gewalterfahrungen gemacht zu haben. Auf die Frage, ob sie den «als am schlimmsten empfundenen Vorfall» der zustĂ€ndigen Ordnungsbehörde gemeldet haben, antworteten 65 Prozent mit Nein. Mehr als jeder Zweite gab an, eine Anzeige oder eine Meldung habe wenig Aussicht auf Erfolg.

Die Bundesregierung hatte im September einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der mehrere ErgĂ€nzungen im Strafgesetzbuch vorsieht, um Angriffe auf RettungskrĂ€fte, Polizisten oder Ehrenamtliche strafrechtlich besser zu erfassen. Der Entwurf wird derzeit in AusschĂŒssen des Bundestags beraten. Er ist auch eine Antwort auf heftige Angriffe auf EinsatzkrĂ€fte in Berlin und anderen StĂ€dten in der Silvesternacht vor rund zwei Jahren.

An der Online-Befragung des Instituts fĂŒr Arbeit und Gesundheit haben sich den Angaben zufolge im Zeitraum von Mitte September bis Ende Oktober mehr als 7.500 Personen beteiligt.

@ dpa.de