Sörensen-Krimi, Bjarne

Neuer «Sörensen»-Krimi mit Bjarne MÀdel

18.10.2023 - 09:56:26

Bjarne MÀdel erfÀhrt als Kommissar in der Romanverfilmung «Sörensen fÀngt Feuer» tiefe menschliche Einsamkeit. Und verzweifelte Versuche, ihr zu entkommen. MÀdel sieht darin auch ein Bild der Gesellschaft.

FĂŒr Bjarne MĂ€del war es ein extrem erfolgreiches DebĂŒt als Regisseur: Sein 2021 ausgestrahlter Krimi «Sörensen hat Angst» ist mit Auszeichnungen nur so ĂŒberhĂ€uft worden. Und als Hauptdarsteller des Films erhielt MĂ€del sogar den Grimme-Preis. Nun kommt eine Fortsetzung der Romanverfilmung ins Fernsehen: «Sörensen fĂ€ngt Feuer» lĂ€uft diesen Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten - wieder mit Bjarne MĂ€del vor und hinter der Kamera.

Hat er dabei starken Druck gespĂŒrt? «Erfolgsdruck ja, aber im Positiven», sagte der 55-JĂ€hrige sichtlich entspannt der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

Das Team sei bereits gut eingespielt gewesen, beim zweiten gemeinsamen Film wollten sie ganz gern noch einen drauf setzen, so MĂ€del. «Ich habe das GefĂŒhl, dass wir diesmal Ă€sthetisch noch ein bisschen konsequenter sind. KrĂ€ftiger, was die Kontraste angeht, dunkler, "skandinavischer" im Look.» Auch auf der Ton-Ebene sei der Film diesmal deutlich bestimmter. «So haben wir HintergrundgerĂ€usche wie Vogelzwitschern mit speziellen Filtern eliminiert. Dadurch ist es oft fast unnatĂŒrlich still.» Surreal wirkende Szenen, bei denen die Kamera die Menschen eher von oben aufnimmt, gehören zur Filmsprache.

Viel menschliches Elend

All das dient dazu, die Stimmung einer Geschichte zu zeichnen, in der es um abgrundtiefe menschliche Einsamkeit geht. Und wohin sie schlimmstenfalls fĂŒhren kann. GefĂŒhlt fundamental allein ist hier schon mal Sörensen, der Kommissar ohne Vornamen, den es nach der Trennung von seiner Familie in Hamburg aufs platte KĂŒstenland verschlagen hat. Seinen Angststörungen, die den ersten Fall geprĂ€gt hatten, begegnet er nun durch das Absetzen seiner Medikamente. Prompt wird er von Entzugserscheinungen geplagt. Daher klappt auch die Kommunikation mit seinen Untergebenen Jenni Holstenbeck (Katrin Wichmann) und Malte Schuster (Leo Meier) keineswegs gut.

Richtig knallhart wird es nach und nach: Erst hĂ€tte Sörensen beinahe das blinde, vom Vater lange weggesperrte junge MĂ€dchen Jette (Liv Clasvogt) ĂŒberfahren, das nachts verstört durch den Wald geistert. Dann gibt es auch noch einen Toten, der in Jettes verkommenen Elternhaus auf dem Sofa liegt. Das MĂ€dchen zieht fĂŒrs Erste bei Sörensen und seinem Hund ein. Der depressive Beamte gerĂ€t wĂ€hrenddessen immer mehr in ein Geflecht aus Mord, religiösem Wahn und gut gehĂŒteten Geheimnissen. Denn im fiktiven KatenbĂŒll bekommt er es mit Dorfbewohnern zu tun, die einst alle an einem Tag aus der Kirche austraten - um sich in einer Sekte zusammenzutun.

Neben dem menschlichen Elend zieht sich bei «Sörensen fÀngt Feuer» als makabrer Running Gag das Motiv Speed Dating durch. Jenni findet nÀmlich durchaus Interesse an ihrem introvertierten Chef und rÀt ihm zu einer Teilnahme in einer der muffigen Dorfkneipen.

«Sörensen» muss keine Reihe werden

Bei so viel Einsamkeit stellt sich die Frage, ob Stricker und MĂ€del, der Einfluss aufs Drehbuch genommen hat, dem Publikum nicht nur von der kleinen Welt KatenbĂŒlls erzĂ€hlen wollen. MĂ€del: «NatĂŒrlich ist es auch eine Gesellschaftsanalyse, ich finde das höchst aktuell, weil Leute, die Angst haben, irgendwo nicht dazuzugehören, oder sich nicht verstanden fĂŒhlen, sich oft merkwĂŒrdigen Glaubensrichtungen oder auch fragwĂŒrdigen Parteien anschließen.»

Im Krimi hÀtten die GlÀubigen anfangs eine Utopie gehabt, die er gar nicht verkehrt finde, meint MÀdel. «Das Problem ist eben nur, wenn so eine Gemeinschaft fanatisch wird. Wenn sie andere nicht mehr zulÀsst und sagt, nur meins zÀhlt und alles davon Abweichende ist falsch.»

Wann wird Sörensen denn seinen dritten Fernseh-Fall lösen? Auch hier gibt sich der Fernsehstar entspannt. «Ich hab' gar nicht vor, dass das eine Reihe wird.» Er erinnert sich: «Beim ersten Film hat mich die Angststörung gereizt und wie man diese darstellen kann. Beim zweiten musste ich tatsĂ€chlich ein bisschen ĂŒberlegen, weil ich keine Wiederholung des ersten Filmes wollte. Doch dann kristallisierte sich das Thema Einsamkeit und ihre möglichen Folgen fĂŒr uns als Über-Thema heraus. Das fand ich lohnenswert und spannend zu erzĂ€hlen.»

@ dpa.de