Organisierte KriminalitÀt, BKA-Lagebild

BKA-Lagebild: Kriminelle Banden setzen zunehmend auf brutale Gewalt

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 10:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Kriminelle Banden setzen in Deutschland laut Bundeskriminalamt zunehmend auf Gewalt, um MachtansprĂŒche durchzusetzen und Opfer einzuschĂŒchtern. Das aktuelle Bundeslagebild zur Organisierten KriminalitĂ€t weist deutlich mehr Tötungsdelikte, Körperverletzungen und Ermittlungsverfahren aus als im Vorjahr.

SchĂŒsse im öffentlichen Raum verunsichern die Bevölkerung sehr. HĂ€ufig, aber nicht immer geht es dabei um Organisierte KriminalitĂ€t. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
SchĂŒsse im öffentlichen Raum verunsichern die Bevölkerung sehr. HĂ€ufig, aber nicht immer geht es dabei um Organisierte KriminalitĂ€t. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Kriminelle Banden in Deutschland setzen laut Bundeskriminalamt immer hĂ€ufiger gezielt Gewalt ein, um Opfer einzuschĂŒchtern und ihre MachtansprĂŒche durchzusetzen.

Deutlich mehr Tötungsdelikte und Körperverletzungen

Im aktuellen Bundeslagebild Organisierte KriminalitĂ€t werden fĂŒr das vergangene Jahr 20 vollendete Tötungsdelikte im Bereich der organisierten KriminalitĂ€t aufgefĂŒhrt. Zudem verzeichnen die Ermittler 100 FĂ€lle vollendeter Körperverletzung. Im Vorjahr wurden 13 vollendete Tötungsdelikte und 77 FĂ€lle von Körperverletzung in diesem KriminalitĂ€tsfeld registriert. In dem vom Bundeskriminalamt erstellten Bericht heißt es, insbesondere zur Durchsetzung von Interessen und MachtansprĂŒchen sowie in Konfliktsituationen zeigten Gruppierungen der organisierten KriminalitĂ€t eine erhöhte Gewaltbereitschaft und -anwendung.

Explosionen und SchĂŒsse im Raum Köln als Beispiel

Als Beispiel fĂŒr die BrutalitĂ€t nennen die Autoren des Lagebildes eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024. Diese VorfĂ€lle werden dem Bericht zufolge auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurĂŒckgefĂŒhrt. Zugenommen haben nach EinschĂ€tzung der Behörden zuletzt auch FĂ€lle, in denen Gewalttaten wie eine Dienstleistung bestellt oder durch eigens rekrutierte MinderjĂ€hrige ausgefĂŒhrt werden. Die Anwerbung der TĂ€ter erfolgt demnach hĂ€ufig ĂŒber soziale Medien.

MinderjÀhrige als angeheuerte TÀter

Das Bundeskriminalamt beschreibt diese Form der Rekrutierung ĂŒber Plattformen im Netz als vergleichsweise neues PhĂ€nomen, das sich sehr dynamisch entwickle. Zugleich sei ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig, um auf diese Entwicklungen reagieren zu können. Unter den angeheuerten GewalttĂ€tern befinden sich dem Lagebild zufolge teils sogar 13-JĂ€hrige. Damit geraten Kinder und Jugendliche zunehmend in das Umfeld der organisierten KriminalitĂ€t.

Mehr Ermittlungsverfahren zu OK-Gruppierungen

FĂŒr das Jahr 2025 hĂ€lt das Bundeslagebild auch einen Anstieg bei den Ermittlungsverfahren gegen Gruppierungen der organisierten KriminalitĂ€t fest. Insgesamt waren es 683 Verfahren und damit so viele wie seit 2021 nicht mehr. Die Zahl der TatverdĂ€chtigen stieg um mehr als 13 Prozent. Unter den 7.988 ermittelten TatverdĂ€chtigen waren 2.722 deutsche StaatsbĂŒrger.

VielfÀltige Herkunft der TatverdÀchtigen

Neben deutschen VerdĂ€chtigen werden im Bericht auch andere Staatsangehörigkeiten aufgefĂŒhrt. Demnach zĂ€hlen 664 Menschen mit tĂŒrkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit zu den TatverdĂ€chtigen. Die Zusammensetzung verdeutlicht die internationale Vernetzung vieler Gruppierungen.

Rauschgift als Hauptfeld der organisierten KriminalitÀt

RauschgiftkriminalitĂ€t machte im Berichtsjahr erneut mit Abstand den grĂ¶ĂŸten Anteil der Ermittlungsverfahren zur organisierten KriminalitĂ€t aus. Dahinter folgen Verfahren zu KriminalitĂ€t im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben, zu Steuer- und Zolldelikten, zu SchleuserkriminalitĂ€t, zu Eigentumsdelikten und zu GeldwĂ€sche. In 31 Ermittlungsverfahren ging es primĂ€r um GewaltkriminalitĂ€t, im Vorjahr waren es 11 Ermittlungskomplexe, in denen GewaltkriminalitĂ€t im Mittelpunkt stand.

Gewalt als Machtinstrument im Milieu der organisierten KriminalitÀt

Das aktuelle Bundeslagebild zur Organisierten KriminalitĂ€t zeigt eine Entwicklung, die Sicherheitsbehörden seit einiger Zeit beobachten: Gewalt dient Banden zunehmend als gezielt eingesetztes Machtinstrument. Die dokumentierten vollendeten Tötungsdelikte und schweren Körperverletzungen stehen dabei nicht fĂŒr spontane Eskalationen, sondern fĂŒr kalkulierte EinschĂŒchterung, Absicherung von GeschĂ€ften und das Austragen innerer Konflikte. FĂŒr betroffene Regionen bedeutet dies, dass kriminelle Gruppen ihre PrĂ€senz stĂ€rker sichtbar machen – etwa durch Explosionen oder SchĂŒsse im öffentlichen Raum – und damit auch Unbeteiligte gefĂ€hrden.

Regionale Brennpunkte und digitale Rekrutierung

Die im Lagebild hervorgehobene Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln illustriert, wie sehr TĂ€tigkeiten der organisierten KriminalitĂ€t inzwischen in das alltĂ€gliche Lebensumfeld hineinreichen. Konflikte um Rauschgiftlieferungen werden nicht im Verborgenen ausgetragen, sondern mit Mitteln, die auf maximale Abschreckung angelegt sind. Neu ist dabei die VerknĂŒpfung mit digitalen Rekrutierungswegen: Über soziale Medien werden MinderjĂ€hrige bis hin zu 13-JĂ€hrigen als ausfĂŒhrende TĂ€ter angeworben. Das verschiebt sowohl die klassische TĂ€terstruktur als auch die PrĂ€ventionsaufgaben – Schulen, JugendĂ€mter und Polizei mĂŒssen digitale RĂ€ume stĂ€rker in den Blick nehmen.

Mehr Verfahren, breitere TĂ€terstruktur, höhere Belastung fĂŒr Sicherheitsbehörden

Die gestiegene Zahl der Ermittlungsverfahren und TatverdĂ€chtigen verweist auf eine ausgeweitete Strafverfolgung, aber auch auf die Breite der Szene. Dass unter den VerdĂ€chtigen zahlreiche Staatsangehörigkeiten vertreten sind, bestĂ€tigt die transnationale Dimension der organisierten KriminalitĂ€t. RauschgiftkriminalitĂ€t bleibt der Schwerpunkt, doch der deutliche Anstieg der Verfahren mit primĂ€rer GewaltkriminalitĂ€t erhöht den Druck auf Polizei und Justiz: Es geht nicht nur um Finanz- und Schmuggeldelikte, sondern immer hĂ€ufiger um Delikte mit unmittelbarer GefĂ€hrdung von Leib und Leben. FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass sich Sicherheitsdebatten kĂŒnftig noch stĂ€rker um die Balance zwischen konsequenter Strafverfolgung, PrĂ€vention im Jugendbereich und Regulierung digitaler Plattformen drehen dĂŒrften.

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