Bodensee, Niedrigwasser

Bodensee-Niedrigwasser: Pegel 89 Zentimeter unter dem Mittel – nasser Winter nötig

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 16:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Bodensee führt außergewöhnlich wenig Wasser: Am Pegel Konstanz liegt der Stand 89 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel. Für eine nachhaltige Erholung braucht es laut LUBW einen deutlich zu nassen Herbst und Winter.

  • Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. - Bild: Felix Kästle/dpa
    Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. - Bild: Felix Kästle/dpa
  • Es braucht einen deutlich zu nassen Herbst und Winter, damit sich die Wasserstände nachhaltig erholen können. - Bild: Felix Kästle/dpa
    Es braucht einen deutlich zu nassen Herbst und Winter, damit sich die Wasserstände nachhaltig erholen können. - Bild: Felix Kästle/dpa
  • Der Bodensee erreichte in diesem Jahr seinen normalerweise typischen sommerlichen Wasseranstieg kaum. - Bild: Felix Kästle/dpa
    Der Bodensee erreichte in diesem Jahr seinen normalerweise typischen sommerlichen Wasseranstieg kaum. - Bild: Felix Kästle/dpa
Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. - Bild: Felix Kästle/dpa Es braucht einen deutlich zu nassen Herbst und Winter, damit sich die Wasserstände nachhaltig erholen können. - Bild: Felix Kästle/dpa Der Bodensee erreichte in diesem Jahr seinen normalerweise typischen sommerlichen Wasseranstieg kaum. - Bild: Felix Kästle/dpa

Der Bodensee hat in diesem Jahr außergewöhnlich wenig Wasser bekommen, und für eine nachhaltige Erholung wären nach Einschätzung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ein deutlich zu nasser Herbst und Winter nötig.

Pegel deutlich unter dem Mittel

Am Pegel Konstanz wurden 248 Zentimeter gemessen. Damit liegt der Wasserstand rund 89 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Zeitpunkt, wie das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg in seinem aktuellen Lagebericht mitteilte.

Nach den Vorhersagen soll der Wasserstand in den kommenden Tagen leicht steigen. Insgesamt bleibe es aber zu trocken. Für eine nachhaltige Erholung müssten die Niederschläge deutlich über dem für die Jahreszeit üblichen Niveau liegen.

Trockenheit im Einzugsgebiet

Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet für Teile des Bodenseeeinzugsgebiets Trockenheit der Stufe 4, also große Gefahr. Der Alpenrhein als wichtigster Zufluss des Sees führt außergewöhnlich wenig Wasser.

Ungewöhnlich ist, dass der Bodensee seinen typischen sommerlichen Wasseranstieg in diesem Jahr kaum erreichte. Ende September lag der Wasserstand sogar niedriger als im Frühjahr. Normalerweise wird der Jahrestiefststand im Februar oder März erreicht.

Schneearmer Winter und hohe Verdunstung

Seit Beginn der Auswertung im Jahr 1850 wurde der niedrigste Wasserstand mit 2,26 Metern Ende Februar und Anfang März 1858 gemessen. Der aktuelle Stand liegt damit noch nicht auf dem historischen Tiefstwert.

Nach Angaben der LUBW fiel im vergangenen Winter in den Alpen vergleichsweise wenig Schnee. Dadurch fehlte im Frühjahr Schmelzwasser, das über den Alpenrhein in den Bodensee gelangt. Geringe Niederschläge und hohe Verdunstung während der warmen Monate verschärften die Lage.

Untersee besonders betroffen

Auch der September brachte kaum Entlastung. Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen in Baden-Württemberg rund 19 Liter Regen pro Quadratmeter – etwa 27 Prozent des langjährigen Septembermittels.

Besonders deutlich zeigt sich das Niedrigwasser an den flachen Ufern des Untersees zwischen Konstanz beziehungsweise der Reichenau und Stein am Rhein. Dort wurde die Schifffahrt wegen des niedrigen Pegelstands in der vergangenen Woche teilweise eingestellt.

Der größere und tiefere Obersee ist weniger stark sichtbar betroffen. An flachen Uferabschnitten hat sich die Wasserlinie aber auch dort zurückgezogen.

Erholung nicht planbar

Wie schnell sich der See wieder füllt, lässt sich nach Angaben der LUBW derzeit nicht vorhersagen. Viel Regen könne kurzfristig für Entspannung sorgen. Für das kommende Frühjahr sei zusätzlich entscheidend, wie viel Niederschlag im alpinen Einzugsgebiet als Schnee gespeichert werde und später als Schmelzwasser in den See gelange.

Langfristig verändert der Klimawandel laut LUBW die Bedingungen im Bodenseeraum. Steigende Temperaturen beeinflussen Schnee- und Schmelzprozesse. Extremwasserstände in beide Richtungen – von Hochwasser bis zu extremem Niedrigwasser – bleiben demnach möglich.

Natürlicher Jahresrhythmus verschärft die Lage

Der niedrige Pegel fällt in eine Phase, in der der Bodensee normalerweise ohnehin Wasser verliert. Nach den höheren Ständen im Frühsommer und Sommer gehen die Zuflüsse zum Spätsommer zurück; in den Alpen wird ein Teil des Niederschlags im Herbst und Winter zunächst als Schnee gespeichert. Eine nachhaltige Erholung setzt daher häufig erst mit der Schneeschmelze im Frühjahr ein.

Die aktuelle Entwicklung ist zugleich Teil einer größeren Trockenheitslage. Weniger Niederschlag, hohe Temperaturen und verstärkte Verdunstung wirken nicht nur auf den See, sondern auch auf Flüsse und Grundwasser. Für den Bodensee ist besonders der Alpenrhein entscheidend, weil er den größten Teil des Zuflusses liefert und unmittelbar von Schneemengen und Schmelzverlauf im Einzugsgebiet abhängt.

Folgen für Schifffahrt und Wassernutzung

Am stärksten sichtbar wird Niedrigwasser an flachen Ufern und im Untersee. Dort können abgesunkene Wasserstände den Bootsverkehr, Häfen und touristische Angebote früher beeinträchtigen als am tieferen Obersee. Für Leserinnen und Leser in der Region bedeutet die Entwicklung vor allem, dass sich Einschränkungen kurzfristig durch Regen ändern können, eine verlässliche Trendwende aber zusätzliche Niederschläge und ausreichende Schneereserven erfordert.

Klimatische Spannweite bleibt groß

Langfristig verändern steigende Temperaturen die Schnee- und Schmelzprozesse im alpinen Einzugsgebiet. Das erhöht den Druck auf die Wasserbilanz, bedeutet aber nicht, dass der Bodensee künftig stetig schrumpft: Auch sehr hohe Wasserstände und Hochwasser bleiben möglich. Entscheidend ist deshalb die stärkere Schwankung zwischen Extremen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Wenig Schmelzwasser, wenig Regen: Bodensee-Pegel sinkt unter 2,50 Meter“ (05.10.2026)

Der Bericht bestätige den außergewöhnlich niedrigen Wasserstand und führe ihn auf den schneearmen Winter, geringe Niederschläge und hohe Verdunstung zurück. Anders als die aktuelle Meldung richte er den Schwerpunkt auf die Marke von 2,50 Metern und die Erwartung eines weiteren Absinkens; zugleich bleibe offen, ob angekündigte Regentage den Pegel bereits stabilisieren könnten.

DER SPIEGEL: „Niedrigwasser in Deutschland: Trockenheit hält an – Lage an Rhein und Bodensee kritisch“ (05.10.2026)

Der Artikel ordne den Bodensee in eine umfassendere Niedrigwasserlage deutscher Flüsse und Seen ein. Er bestätige die Ursachen und die schwierige Erholungsperspektive, setze den Schwerpunkt jedoch auf Folgen für Schifffahrt, Wirtschaft und Wasserinfrastruktur; als offene Frage bleibe, wie ergiebig der Herbstregen ausfalle.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass Trockenheit, fehlendes alpines Schmelzwasser und Verdunstung die aktuelle Lage verschärften. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Blick auf regionale Auswirkungen am Bodensee beziehungsweise auf die überregionale Belastung von Flüssen, Verkehr und Wirtschaft.

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