Deutscher Buchhandlungspreis, Wolfram Weimer

Buchhandlungspreis: Sven Lehmann fordert AufklÀrung von Wolfram Weimer

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Sven Lehmann, verlangt erneut Auskunft ĂŒber den Ausschluss dreier Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis. Neu bekannt gewordene Akten werfen aus seiner Sicht Fragen zur bisherigen Darstellung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hört kritische Nachfragen zu den Entscheidungen beim Buchhandlungspreis. (Archivbild)  - Bild: Jan Woitas/dpa
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hört kritische Nachfragen zu den Entscheidungen beim Buchhandlungspreis. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa

Der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Sven Lehmann, fordert erneut AufklÀrung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zum Ausschluss dreier Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis.

Lehmann verlangt Offenlegung

Jetzt bekannt gewordene Akten wĂŒrfen erhebliche Fragen zu Weimers Darstellung auf, erklĂ€rte der GrĂŒnen-Politiker in Berlin. Weimer mĂŒsse offenlegen, wer den Verfassungsschutz eingeschaltet habe und aus welchen GrĂŒnden, forderte Lehmann.

Weimer hatte die drei BuchlĂ€den im MĂ€rz wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Liste der GeschĂ€fte streichen lassen, die eine Jury fĂŒr den Deutschen Buchhandlungspreis empfohlen hatte. Öffentlich wurde bislang nicht bekannt, was gegen die LĂ€den vorliegt.

Streit ĂŒber die Rolle der Fachabteilung

Lehmann erinnerte an Weimers Darstellung, seine Fachbeamten hĂ€tten bei den drei Buchhandlungen grundsĂ€tzliche Zweifel an der PreiswĂŒrdigkeit gehabt.

Das Nachrichtenportal „t-online“ zitierte hingegen aus Unterlagen, Weimers zustĂ€ndige Fachabteilung habe ausdrĂŒcklich empfohlen, dem Votum der unabhĂ€ngigen Jury zu folgen und alle vorgeschlagenen Buchhandlungen auszuzeichnen. In den Akten fĂ€nden sich zudem Hinweise auf eine politische Ausrichtung und auf Buchsortimente zu linker Theorie, queerem Leben und Feminismus, erlĂ€uterte Lehmann.

Ministerium verweist auf spÀteren Entscheidungsprozess

Eine Sprecherin des Kulturstaatsministers erklĂ€rte, aus dem Bericht von „t-online“ ergebe sich kein Widerspruch zur bisherigen Darstellung des Hauses. Die Vorlage, auf die sich der Artikel beziehe, enthalte die ursprĂŒnglichen Juryempfehlungen zum Buchhandlungspreis.

Erst im weiteren Verlauf des ministeriellen Entscheidungsprozesses hĂ€tten sich aus öffentlich zugĂ€nglichen Quellen Hinweise ergeben, die zu einer Neubewertung des Sachverhalts und anschließend zur Anwendung des sogenannten Haber-Verfahrens in den drei FĂ€llen gefĂŒhrt hĂ€tten. Über Details des Ablaufs Ă€ußere sich das Haus nicht.

Weitere parlamentarische Fragen

Lehmann hat als Parlamentarier offiziell bei Weimers Behörde nachgefragt. Auch der Linken-Abgeordnete David Schliesing hatte neue Fragen zu dem Vorgang aufgeworfen.

Transparenz bei staatlichen Auszeichnungen

Der Vorgang berĂŒhrt mehr als die Vergabe eines Kulturpreises. Wenn eine unabhĂ€ngige Jury Buchhandlungen auswĂ€hlt und ein Ministerium einzelne HĂ€user anschließend ausschließt, muss nachvollziehbar sein, auf welcher Tatsachengrundlage und nach welchem Verfahren dies geschieht. Das gilt besonders dann, wenn der Verfassungsschutz als Bezugspunkt genannt wird, konkrete Erkenntnisse aber öffentlich nicht erlĂ€utert werden.

Politische Bewertung und Verwaltungsentscheidung

Die nun bekannt gewordenen Akten verschĂ€rfen den politischen Konflikt, weil sie nach Darstellung des GrĂŒnen-Politikers eine Empfehlung der zustĂ€ndigen Fachabteilung zugunsten aller JuryvorschlĂ€ge zeigen. Dem steht die ErklĂ€rung des Ministeriums gegenĂŒber, wonach sich erst spĂ€ter aus öffentlich zugĂ€nglichen Quellen GrĂŒnde fĂŒr eine Neubewertung ergeben hĂ€tten. Damit rĂŒckt die Frage in den Mittelpunkt, wann die maßgebliche Entscheidung fiel und wer sie veranlasste.

Bedeutung fĂŒr den Buchhandel

FĂŒr die betroffenen Buchhandlungen geht es neben Anerkennung auch um Vertrauen und mögliche finanzielle sowie reputative Folgen. Der Deutsche Buchhandlungspreis soll die Bedeutung unabhĂ€ngiger BuchlĂ€den sichtbar machen; Eingriffe in die Juryentscheidung können deshalb Auswirkungen auf die GlaubwĂŒrdigkeit des gesamten Verfahrens haben. Die parlamentarische Nachfrage dĂŒrfte klĂ€ren mĂŒssen, welche Kriterien angewandt wurden, welche Behörden beteiligt waren und ob die drei FĂ€lle nach einheitlichen MaßstĂ€ben behandelt wurden.

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