Digitalfunk gestört - Netzwerkproblem ist Ursache
06.05.2025 - 23:02:48 | dpa.deBei Polizei und Rettungsdienst in Deutschland ist es zu Störungen beim Digitalfunk gekommen. Angaben von Behörden zufolge handelte es sich um ein bundesweites Problem. Ursache seien Netzwerkprobleme gewesen, teilte die Bundesanstalt fĂŒr den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben am Abend mit. «Bei der PrĂŒfung der Systemtechnik wurden Netzwerkprobleme als Fehlerursache lokalisiert und behoben.» Hinweise auf einen Cyberangriff gab es zunĂ€chst nicht.
Betroffen waren unter anderem Bremen, Brandenburg, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, das Saarland und ThĂŒringen. Am Abend kam aus einigen LĂ€ndern Entwarnung. Auch die Bundespolizei meldete Probleme. Die Störung habe Auswirkung auf die Wahrnehmung von Aufgaben gehabt, teilte ein Sprecher am Abend mit, ohne nĂ€here Angaben zu machen. Der Netzbetreiber habe die Beseitigung der Störung eingeleitet, das zeige bereits Wirkung.
Problem tauchte am Nachmittag auf
«TatsĂ€chlich liegt aktuell eine Störung im BOS-Digitalfunknetz vor», hatte ein Sprecher der Bundesanstalt fĂŒr den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) am frĂŒhen Abend mitgeteilt. Und: «Die BDBOS und alle Partner befinden sich mit höchster PrioritĂ€t in der Ursachenanalyse, um die Störung schnellstmöglich zu beheben.» BOS steht fĂŒr «Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben».
Laut der Bundesanstalt dauerte die Störung zwei Stunden. Unklar war, ob alle betroffenen Stellen am Abend wieder ohne Probleme arbeiteten. «Nach aktuellem Kenntnisstand waren hiervon zahlreiche Basisstationen und Leitstellen in verschiedenen Teilen des Bundesgebiets betroffen.»
Notruf nicht betroffen
Die Notruf-Nummern von Polizei und Feuerwehr, die ĂŒber ein anderes System laufen, waren von dem Ausfall nicht betroffen. FĂŒr ihre interne Kommunikation mussten die Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten zeitweilig auf andere Kommunikationsmittel ausweichen.
«Derzeit liegen dem Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) keine Informationen zu einem Cyberangriff als Ursache der Störung vor», sagte eine Sprecherin der Behörde. Das Nationale IT-Lagezentrum im BSI stand dazu im Kontakt mit der Bundesanstalt sowie dem Lagezentrum des Bundesinnenministeriums.
Kommunikationsmittel von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten
Die Behörde nennt den BOS-Funk als Kommunikationsmittel von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, der mit mehr als 5.000 Basisstationen 99,2 Prozent der FlÀche Deutschlands versorge.
«Der Digitalfunk BOS macht eine bundesweite und organisationsĂŒbergreifende VerstĂ€ndigung möglich», schreibt die Behörde. «Das eröffnet vielfĂ€ltige Möglichkeiten und vereinfacht die Zusammenarbeit â nicht nur bei einfachen EinsĂ€tzen im Alltag, sondern gerade auch bei komplexen Einsatzlagen, in Krisensituationen und in KatastrophenfĂ€llen.»
Mehrere LĂ€nder betroffen - manche mehr, andere weniger
Wie verschiedene Lagezentren und Leitstellen von Rettungsdienst und Feuerwehr der dpa mitteilten, sind mehrere BundeslÀnder betroffen. Allerdings waren die AusfÀlle nicht flÀchendeckend und in den verschiedenen Regionen auch unterschiedlich lang andauernd.
Die Berliner Feuerwehr teilte mit, ebenfalls betroffen zu sein. Die Feuerwehr sei aber durchgehend handlungsfÀhig, sie könne zur Kommunikation andere Systeme nutzen. Auch die Berliner Polizei sprach von einer Störung. Am Abend lief es dann wieder problemlos in der Hauptstadt. «Seit kurz nach 18 Uhr kann wieder störungsfrei gefunkt werden», teilte die Polizei auf der Plattform X mit.
In Niedersachsen sprach das Innenministerium von einer kurzen landesweiten Störung. Probleme gab es streckenweise auch in ThĂŒringen. Sachsen ist laut dem Lagezentrum ebenfalls betroffen. In der Rettungsleitstelle Westmecklenburg in Schwerin hieĂ es, man sei zwar betroffen von dem Ausfall, aber voll handlungsfĂ€hig. Man habe noch andere Wege, mit den Kollegen zu kommunizieren. Die Feuerwehr sei fĂŒr die BĂŒrger normal zu erreichen und genauso schnell wie sonst am Einsatzort, sagte ein Sprecher.
Aus dem NRW-Innenministerium heiĂt es, man sei ĂŒber die bundesweite Störung zwar informiert und habe dies auch an die Dienststellen der Polizei weitergegeben. Aus der Kölner Leitstelle der Polizei hieĂ es, dass der Funk nur eine knappe Viertelstunde ausgefallen war.Â
GdP-Chef: Zeigt, wie anfÀllig digitale Infrastruktur ist
Der Berlin Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Weh, sagte: «Der weitreichende Zusammenbruch des Digitalfunks ist der Super-Gau fĂŒr unsere Sicherheitsbehörden und zeigt uns, wie anfĂ€llig unsere digitale Infrastruktur ist und wie fahrlĂ€ssig es ist, sich auf Monopollösungen zu verlassen.» Kommunikation sei heute wichtigstes Einsatzmittel. «Von ihr können Ende des Tages Leben und Tod abhĂ€ngen.»
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