Griechenland, Deutschland

Was man zu dem Hackerangriff auf FlughÀfen wissen sollte

22.09.2025 - 17:29:55

Check-in mit Papier und Stift, VerspĂ€tungen und AusfĂ€lle: Auch am Montag fĂŒhrte der Cyberangriff an den betroffenen FlughĂ€fen zu Problemen. Was Flugreisende jetzt wissen mĂŒssen.

Ein Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister fĂŒhrt seit dem Wochenende zu BeeintrĂ€chtigungen an mehreren europĂ€ischen FlughĂ€fen. Wegen der Attacke gibt es an den Airports Berlin, BrĂŒssel, Dublin und London Heathrow Probleme bei der Passagier- und GepĂ€ckabfertigung, VerspĂ€tungen und AusfĂ€lle. Auch am Montag mussten manche Airlines noch mit Papier und Stift arbeiten. Ein paar wichtige Fragen zum Angriff und seinen Folgen.

Was genau ist passiert?

Der US-amerikanische IT-Dienstleister Collins Aerospace wurde am Freitagabend angegriffen. Das Unternehmen betreibt zentrale Systeme fĂŒr die Passagier- und GepĂ€ckabfertigung. Der Hackerangriff legte die gemeinsamen elektronischen Systeme lahm, die ĂŒber die Plattform des Anbieters Collins Aerospace liefen. Nach Angaben der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA handelte es sich um einen Angriff mit sogenannter Ransomware, also Schadsoftware, die Daten und Systeme verschlĂŒsselt und erst gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder freigibt. Die Folge: Check-in, Boarding und GepĂ€ckaufgabe funktionieren auch Tage spĂ€ter noch vielerorts nur eingeschrĂ€nkt oder mĂŒssen aufwendig improvisiert werden.

Wer steckt hinter dem Angriff?

Wer dahintersteckt und ob Lösegeld verlangt wurde, ließ die ENISA auf dpa-Anfrage offen. «Der Cyberangriff ist als Ransomware-Angriff bestĂ€tigt worden», hieß es in der Mitteilung der Agentur lediglich. Es gibt also keine offiziellen Ansagen dazu, ob Russland zum Beispiel als Akteur infrage kommt.

Welche Folgen hat der Angriff an den Airports?

FĂŒr Reisende bedeutete der Angriff vor allem Stress. Am Berliner Flughafen starteten am Montagmorgen zum Beispiel nur rund 30 Prozent aller FlĂŒge pĂŒnktlich, in BrĂŒssel waren es sogar nur 15 Prozent. Die beiden FlughĂ€fen hatten nach Angaben der Flugsicherungs-Dachorganisation Eurocontrol am Montag noch am meisten mit den Folgen zu kĂ€mpfen. In Berlin sind am Montag nach Angaben eines Flughafensprechers neun AnkĂŒnfte und sechs AbflĂŒge gestrichen worden. Das sei etwas mehr als sonst, sei aber an Tagen mit viel Betrieb nicht ungewöhnlich.

Was erleben Passagiere wegen des Angriffs?

Passagiere stehen zum Teil lange in Warteschlangen, manche Airlines greifen auf Papier und Stift oder Tablets zurĂŒck, um die Abfertigung ĂŒberhaupt zu ermöglichen. GepĂ€ckstĂŒcke können teils erst mit VerspĂ€tung nachgeschickt werden. In Berlin war die Lage am Montag besonders angespannt, weil wegen des Berlin-Marathons am Sonntag Tausende zusĂ€tzliche Reisende ihren RĂŒckflug antreten wollten. 

Gab es eine Gefahr fĂŒr die Flugsicherheit?

Die Folgen des Cyberangriff strapazieren zwar die Nerven von Passagieren und Personal, stellen fĂŒr den Luftverkehr aber nach offiziellen Angaben keine Gefahr dar. «FĂŒr den Luftsicherheitsbereich gab es keinerlei BeeintrĂ€chtigung oder Gefahr», sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. 

Wie lange können die Störungen anhalten?

Ein exaktes Ende der Probleme ließ sich zunĂ€chst nicht absehen. Auch wenn alles wieder funktioniert, mĂŒssten die Systeme vor einem Neustart erst grĂŒndlich ĂŒberprĂŒft werden, um sicherzustellen, dass keine Schadprogramme mehr aktiv sind, wie der Berliner Flughafen erklĂ€rte. Die IT-Firma selbst hatte am Sonntagabend angekĂŒndigt, man befinde sich in den letzten ZĂŒgen der nötigen Updates, die das System wieder voll funktionsfĂ€hig machten. 

Was können Passagiere im Ernstfall tun?

Reisenden wird geraten, sich möglichst vorab online einzuchecken, den Flugstatus regelmĂ€ĂŸig zu prĂŒfen und ausreichend Zeit fĂŒr die Abfertigung einzuplanen. Wer nur mit HandgepĂ€ck reist, vermeidet zudem zusĂ€tzliche Probleme mit verspĂ€tet nachgelieferten Koffern.

Wie hÀufig kommt es zu Cyberangriffen?

Solche Attacken sind lĂ€ngst keine Seltenheit mehr. Betroffen ist in diesem Fall zwar ein US-Unternehmen, aber auch Deutschland gilt nach EinschĂ€tzung von Sicherheitsbehörden als lukratives Ziel und ist ĂŒberdurchschnittlich stark betroffen. Ransomware-Angriffe stellen eine der grĂ¶ĂŸten Cyberbedrohungen fĂŒr Staat, Wirtschaft und Gesellschaft dar, sagt das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Besonders problematisch ist es, wenn kritische Infrastrukturen wie Verkehr, Energieversorgung oder Gesundheitswesen getroffen werden. Diese Bereiche sind fĂŒr den Alltag unverzichtbar, und ihr Ausfall fĂŒhrt sofort zu spĂŒrbaren EinschrĂ€nkungen.

Welche Maßnahmen werden politisch ergriffen?

Die Bundesregierung verweist auf die beratende Rolle des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und auf die geplante Umsetzung der europĂ€ischen NIS-2-Richtlinie. Die NIS-2-Richtlinie sieht Mindestanforderungen an organisatorische und technische Maßnahmen zur Verhinderung von Cyberangriffen sowie Meldepflichten ĂŒber SicherheitsvorfĂ€lle fĂŒr Unternehmen aus bestimmten Bereichen vor. Dazu zĂ€hlen unter anderem Transport und Verkehr sowie Energie und Gesundheitswesen. Der Bundestag muss abschließend noch ĂŒber die Richtlinie beraten.

@ dpa.de