Christa Pike, Tennessee

Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 22:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine Woche nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee ist Christa Pike laut ihren AnwÀlten wieder bei Bewusstsein. Sie kann nur begrenzt sprechen, leidet unter schweren gesundheitlichen Folgen und soll nach dem Willen ihrer Verteidiger nicht erneut hingerichtet werden.

  • Christa Pike ist nach Angaben ihrer AnwĂ€lte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
    Christa Pike ist nach Angaben ihrer AnwÀlte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
  • Gegner der Todesstrafe. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Gegner der Todesstrafe. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa
Christa Pike ist nach Angaben ihrer AnwÀlte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa Gegner der Todesstrafe. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa

Die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike ist eine Woche nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch im US-Bundesstaat Tennessee laut ihren AnwÀlten wieder bei Bewusstsein, kann aber nur begrenzt sprechen.

Verwirrt und schwer erkrankt

Pikes Anwalt Randy Spivey sagte am Mittwoch nach einer Verhandlung in Nashville, seine Mandantin sei kognitiv weiterhin stark verwirrt und drifte zeitweise ab. Ihre ersten Worte nach dem Aufwachen seien gewesen: „Wo bin ich und wer seid ihr?“ Zugleich wisse sie, dass der Staat versucht habe, sie hinzurichten.

Die 50-JĂ€hrige hat nach Angaben ihrer AnwĂ€lte ein Blutgerinnsel in einem Arm und kann derzeit keine Gliedmaßen bewegen. Zudem leidet sie an einer LungenentzĂŒndung, wird ernĂ€hrt und hat nach EinschĂ€tzung ihrer Verteidiger einen langen Weg der Genesung vor sich.

Zwei Dosen Pentobarbital verabreicht

Am vergangenen Mittwochabend waren Pike nach Angaben der Behörden die zwei im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen Dosen Pentobarbital verabreicht worden. Dennoch blieb sie am Leben und wurde in einem Krankenhaus im Raum Nashville kĂŒnstlich beatmet.

Ihre AnwĂ€lte erklĂ€rten, sie seien zunĂ€chst davon ausgegangen, Pike sei hirntot und die lebenserhaltenden Maßnahmen wĂŒrden beendet. Dann sei sie zur Überraschung aller aufgewacht und habe begonnen zu sprechen.

Beweismittel sollen gesichert werden

Anwalt Luke Ihnen sagte, Pike habe bis Dienstag weder mit ihrem Anwaltsteam noch mit dem medizinischen Betreuungsteam kommunizieren können. Vor dem Hinrichtungsversuch hatte sie ein Tablet genutzt, um Kontakt zu Angehörigen, Freunden und ihren AnwÀlten zu halten; ob sie es inzwischen bedienen könne, sei unklar.

Richterin I'Ashea Myles gab dem Antrag der Verteidigung statt, Beweismittel des Hinrichtungsversuchs zu sichern. Dies könne wichtig werden, falls eine weitere Hinrichtung angefochten werden mĂŒsse.

Forderung nach lebenslanger Haft

Pikes AnwĂ€lte fordern den republikanischen Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, erneut auf, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln. Lee hatte die letzte fĂŒr dieses Jahr geplante Hinrichtung im Bundesstaat in der vergangenen Woche abgesagt.

Bereits im Mai war in Tennessee die Hinrichtung eines anderen Verurteilten abgebrochen worden, weil die erforderlichen intravenösen ZugÀnge nicht gelegt werden konnten. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der Gefangene dennoch weiterlebte.

Verurteilung wegen Mordes

Pike war 1996 wegen des Mordes an der damals 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe der UniversitĂ€t von Tennessee in Knoxville ĂŒber lĂ€ngere Zeit gefoltert und getötet worden. Pike war zur Tatzeit 18 Jahre alt; ihre Hinrichtung wĂ€re die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.

Ein seltener Ausnahmefall

Christa Pike hat nach Angaben ihrer AnwĂ€lte zwei verabreichte Dosen Pentobarbital ĂŒberlebt. Damit steht der Fall fĂŒr eine außergewöhnliche Störung des vorgesehenen Ablaufs einer tödlichen Injektion. Nach Darstellung des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, bei dem die vorgesehenen Medikamente verabreicht wurden und die verurteilte Person dennoch weiterlebte.

Im Mittelpunkt steht nun neben Pikes Gesundheitszustand die Frage, wie es zu dem Fehlschlag kommen konnte. Ihre AnwĂ€lte berichten von erheblichen Problemen beim Legen der intravenösen ZugĂ€nge sowie von schweren Verletzungen an den Armen. Der Gouverneur von Tennessee hat eine externe Untersuchung angeordnet; zudem wurden weitere Hinrichtungen im Bundesstaat bis zum Abschluss der PrĂŒfung ausgesetzt.

Juristische Folgen

FĂŒr Pike kann der Gesundheitszustand unmittelbare rechtliche Bedeutung erlangen. Ihre Verteidiger wollen Beweismittel des Hinrichtungsversuchs sichern und verlangen, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein erneuter Hinrichtungsversuch rechtlich möglich wĂ€re, dĂŒrfte von medizinischen Befunden, der Bewertung des Ablaufs und weiteren Gerichtsentscheidungen abhĂ€ngen.

Der Fall betrifft damit nicht nur Tennessee. Er lenkt erneut Aufmerksamkeit auf die ZuverlĂ€ssigkeit der Giftspritze, die medizinische Überwachung von Hinrichtungen und die Verantwortung staatlicher Stellen bei einem Vollstreckungsfehler. FĂŒr Leser in Deutschland ist zudem relevant, dass die Todesstrafe in den USA weiterhin in mehreren Bundesstaaten gesetzlich vorgesehen und Gegenstand anhaltender politischer und juristischer Auseinandersetzungen ist.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „USA: Frau nach gescheiterter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein“ (07.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tige, Pike sei nach dem Hinrichtungsversuch wieder ansprechbar und werde intensivmedizinisch behandelt. Er setze den Schwerpunkt auf die Forderung der AnwĂ€lte nach einer Umwandlung der Todesstrafe und auf die erneut entfachte Debatte ĂŒber die ZuverlĂ€ssigkeit der Giftspritze; die genaue Ursache des Fehlschlags bleibe offen.

Euronews: „Christa Pike nach Giftspritzen wieder wach: AnwĂ€lte verlangen AufklĂ€rung“ (07.10.2026)

Der Artikel bestĂ€tige den verbesserten Bewusstseinszustand und die schweren Verletzungen an Pikes Armen. Anders als der Bericht der tagesschau hebe er zusĂ€tzlich die angeordnete externe Untersuchung, den vorlĂ€ufigen Stopp weiterer Hinrichtungen in Tennessee und den RĂŒcktritt des GefĂ€ngnischefs hervor.

Beide Berichte stellten die Genesung und die Forderung nach einer milderen Strafe heraus. Als offene Frage bleibe, ob ein Problem mit den intravenösen ZugÀngen den Fehlschlag verursacht habe und welche rechtlichen Folgen sich daraus ergÀben.

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