DÀnemark entschuldigt sich offiziell bei GrönlÀnderinnen
24.09.2025 - 18:27:53DĂ€nemark hat sich offiziell bei zahlreichen GrönlĂ€nderinnen fĂŒr das unrechtmĂ€Ăige Einsetzen von Spiralen zur SchwangerschaftsverhĂŒtung entschuldigt. Auf einer Zeremonie im Zentrum der grönlĂ€ndischen Hauptstadt Nuuk bat MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen die Betroffenen im Namen des dĂ€nischen Staates um Verzeihung.Â
«Heute ist ein besonderer Tag. Wir benennen ein Versagen, das schwerwiegende Folgen fĂŒr grönlĂ€ndische MĂ€dchen und Frauen hatte», sagte Frederiksen. Auch wenn eine Entschuldigung die Vergangenheit nicht Ă€ndern oder erlebten Schmerz lindern könne, sei sie doch eine Anerkennung des geschehenen Versagens. Viel zu lange habe man die Augen davor verschlossen, tue dies aber nicht lĂ€nger. «Im Namen DĂ€nemarks: Entschuldigung», sagte sie.
Darum geht es beim Spiralen-Skandal
Tausenden grönlĂ€ndischen Frauen und MĂ€dchen wurden vor allem in den 60er und 70er Jahren von dĂ€nischen Ărzten Spiralen eingesetzt worden, ohne dass sie dafĂŒr ihr EinverstĂ€ndnis gegeben hatten.Â
Einer Untersuchung der dĂ€nischen Regierung zufolge erhielten mindestens 4.070 MĂ€dchen und Frauen bis Ende 1970 solche Spiralen. Manche von ihnen waren laut dem dĂ€nischen Institut fĂŒr Menschenrechte zum Zeitpunkt des Eingriffs erst zwölf Jahre alt. Es besteht der Verdacht, dass die dĂ€nischen Behörden damit das Bevölkerungswachstum in Grönland begrenzen wollten.Â
Der Spiralen-Skandal zĂ€hlt zu einer Reihe schwerer VersĂ€umnisse, die die GrönlĂ€nderinnen und GrönlĂ€nder dem dĂ€nischen Staat vorwerfen. DĂ€nemark war bis 1992 fĂŒr das Gesundheitswesen in Grönland verantwortlich.Â
Mittlerweile ist die gröĂte Insel der Erde weitgehend autonom, gehört aber offiziell weiterhin zum Königreich DĂ€nemark. US-PrĂ€sident Donald Trump hat dieses Modell immer wieder infrage gestellt und gefordert, die Kontrolle ĂŒber die Eisinsel ĂŒbernehmen zu wollen.
Versöhnungsfonds in Planung
Der grönlĂ€ndische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen entschuldigte sich auf der Zeremonie fĂŒr alle FĂ€lle, in denen Frauen seit der grönlĂ€ndischen Ăbernahme des Gesundheitswesens ebenfalls Spiralen eingesetzt oder andere Eingriffe ohne deren EinverstĂ€ndnis vorgenommen worden waren. Bereits Ende August hatten er und Frederiksen sich schriftlich in einer ErklĂ€rung bei den Betroffenen entschuldigt.
143 betroffene GrönlĂ€nderinnen haben den dĂ€nischen Staat wegen der Verletzung ihrer Menschenrechte im vergangenen Jahr verklagt. Sie fordern jeweils eine EntschĂ€digung in Höhe von 300.000 DĂ€nischen Kronen (etwa 40.000 Euro). Frederiksen hatte vor ihrer Reise nach Nuuk angekĂŒndigt, einen Versöhnungsfonds einrichten zu wollen, der den betroffenen GrönlĂ€nderinnen sowie weiteren wegen ihrer Herkunft falsch behandelten Menschen auf der Insel finanzielle Wiedergutmachung ermöglichen soll.


