Menschen, Murmel

Wenn Menschen gerne Murmel oder Morax heißen wollen

23.06.2025 - 03:30:39

Darkness, Pixel oder Murmel geht nicht: Manche selbstgewĂ€hlten offiziellen Vornamen lehnen Experten der Gesellschaft fĂŒr deutsche Sprache ab. Durchgewinkt haben sie dagegen Jekyll, Morax und Tikosh.

Seit mehr als einem halben Jahr können Menschen unkomplizierter ihren Geschlechtseintrag beim Standesamt Ă€ndern lassen - und mĂŒssen sich in vielen FĂ€llen einen neuen offiziellen Vornamen auswĂ€hlen. Es sind besonders fantasievolle Namen darunter wie etwa Nyx, Jekyll, Darkness oder Murmel, wie die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Gesellschaft fĂŒr deutsche Sprache (GfdS), Andrea Ewels, berichtet. Die GfdS berĂ€t StandesĂ€mter in Zweifelsfragen.

Das zum 1. November geltende Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) regelt, dass Geschlechtseintrag und Vornamen per ErklĂ€rung im Personenstandsregister geĂ€ndert werden können - ohne Gutachten, Ă€rztliche Bescheinigungen oder richterliche BeschlĂŒsse. Nach der Anmeldung gilt eine dreimonatige Wartefrist.

Viele Namen sind selbst erfunden oder ein Spitzname

Im Allgemeinen könnten die meisten neuen Namen genehmigt werden, sagt Ewels. «Allerdings ist die Anzahl der ProblemfĂ€lle – also jener Namen, die wir nicht bestĂ€tigen können – deutlich höher als bei den Namen fĂŒr Neugeborene.» WĂ€hrend bei Neugeborenen etwa 90 Prozent der Namen bestĂ€tigt werden könnten, liege die Quote bei den SBGG-Namen bei etwa 60 bis 70 Prozent.

«Das liegt daran, dass Personen, die ihren Geschlechtseintrag Àndern lassen möchten, oft selbst einen neuen Namen erfinden oder einen Spitznamen beziehungsweise Alltagsnamen verwenden, den sie bereits zuvor getragen haben», erklÀrt Ewels. «Diese Namen haben hÀufig keinen klassischen Vornamenscharakter oder können sogar negative Assoziationen hervorrufen.»

Namen darf Wohl des Menschen nicht gefÀhrden

Demnach hat die GfdS unter anderem Nyx, Jekyll, Morax, Tikosh oder Dakota bestĂ€tigt. NamenswĂŒnsche wie Skeleton, Darkness, Pixel und Murmel hĂ€tten leider abgelehnt werden mĂŒssen, sagt Ewels. FĂŒr Vornamen von Erwachsenen gĂ€lten die gleichen Richtlinien wie fĂŒr Neugeborene. Unter anderem darf ein Name seinen TrĂ€ger nicht der LĂ€cherlichkeit preisgeben.

«Ein weiterer Punkt ist, dass manche Personen, die ihren Geschlechtseintrag von weiblich auf mÀnnlich oder umgekehrt Àndern, ihren geschlechtsspezifischen Namen gern beibehalten möchten», ergÀnzt Ewels. «Das ist jedoch nur möglich, wenn sie den Eintrag auf divers Àndern oder den Eintrag ganz streichen lassen.» 

Die GfdS bekommt den Angaben zufolge etwa 15 bis 20 Vornamensanfragen pro Woche, darunter sind etwa 5 bis 8 von Personen, die ihren Geschlechtseintrag Ă€ndern wollen und damit einhergehend auch den Vornamen Ă€ndern mĂŒssen.

@ dpa.de