Hochwasserlage bleibt vielerorts angespannt
30.12.2023 - 15:28:34Die Lage in den Hochwassergebieten in Deutschland bleibt kritisch. Betroffen sind unter anderem Teile Niedersachsens und der SĂŒden Sachsen-Anhalts an der Grenze zu ThĂŒringen. Allerdings zeichnete sich in Niedersachsen, dem flĂ€chenmĂ€Ăig zweitgröĂten Bundesland, mancherorts eine leichte Entspannung ab.
Etwa der Landkreis Celle sowie die Stadt Meppen sprachen von leicht sinkenden PegelstĂ€nden. Weiterhin sei aber die höchste Meldestufe an den Pegeln ĂŒberschritten, so dass unverĂ€ndert gröĂere Ăberschwemmungen drohten, hieĂ es vom Landkreis Celle.
In der Stadt Oldenburg wird eine mögliche Evakuierung vorbereitet. Die Deiche seien unverĂ€ndert einem hohen Druck ausgesetzt, teilte die Stadt am Samstag mit. PegelstĂ€nde wĂŒrden höchstens marginal sinken. Bisher seien die Deiche allerdings trocken und stabil. Dort unterstĂŒtzt die Bundespolizei die Deichsicherung. Am Freitag habe ein Helikopter vom Typ Super Puma besonders groĂe SandsĂ€cke zu Deichen in Hatten gebracht, um diese zu sichern, teilte die Bundespolizei am Samstag mit. Auch am Samstag sei der Hubschrauber im Einsatz.
Im Serengeti-Park im niedersĂ€chsischen Hodenhagen hat sich die kritische Hochwasserlage dagegen leicht entspannt. Pumpen auf dem GelĂ€nde hĂ€tten es geschafft, groĂe Wassermengen hinter den Deich Richtung MeiĂe zu drĂŒcken, sagte eine Sprecherin des Freizeitparks nördlich von Hannover. Auch im Tierhaus der Antilopen und Giraffen sei das Wasser merklich gesunken und wieder aus dem GebĂ€ude hinausgeflossen. Weite Teile des GelĂ€ndes sind nach Parkangaben aber nach wie vor ĂŒberflutet und teilweise gar nicht zu erreichen. In dem Park leben unter anderem Löwen, Nashörner, Tiger und Elefanten.
Menschen versuchen in evakuierte HĂ€user zurĂŒckzukehren
In der Gemeinde Winsen/Aller seien evakuierte Bewohner mehrfach zu ihren HĂ€usern zurĂŒckgekehrt, teilte der Landkreis Celle weiter mit. Die Feuerwehr habe die Menschen zurĂŒckgeholt. Auch in der Gemeinde Lilienthal in der NĂ€he von Bremen dauern die Evakuierungen an. Rund 500 Menschen seien in den betroffenen Gebieten gemeldet, sagte eine Gemeindesprecherin. Wann sie zurĂŒck in ihre HĂ€user könnten, sei noch nicht absehbar.
An mehreren Pegeln brachte das Hochwasser neue Höchstwerte. An der Weser etwa ĂŒberschritt der Wasserstand am Samstagmorgen bei Drakenburg mit 835 Zentimetern den bisherigen Höchstwert aus 1981 um einen Zentimeter, wie der Ăberregionale Hochwasserdienst mitteilte.
Zahlreiche PegelstĂ€nde sind weiterhin ĂŒber der höchsten Meldestufe, wie es in einem Lagebericht des Landesbetriebs fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN) am Samstagvormittag hieĂ. Der am Freitag im Harz gefallene Regen sorge dafĂŒr, dass die WasserstĂ€nde in den OberlĂ€ufen der Leine und Oker sowie in deren ZuflĂŒssen wieder anstiegen. Mehrere PegelstĂ€nde hĂ€tten jedoch bereits ihren Scheitel erreicht und wĂŒrden wieder sinken.
Laut NLWKN verbleiben die PegelstĂ€nde in den Mittel- und UnterlĂ€ufen der Aller, Leine und Oker vorerst auf dem derzeitigen Niveau. Auch in anderen Flussgebieten wie denen der Hunte und WĂŒmme sei die Lage weiter sehr angespannt. Es sei aber davon auszugehen, dass die WasserstĂ€nde dort leicht sinken oder auf dem Niveau bleiben.
Steigende WasserstĂ€nde in Sachsen-Anhalt, RĂŒckgang in Sachsen
Der Landkreis Mansfeld-SĂŒdharz in Sachsen-Anhalt stellte den Katastrophenfall fest. Die Entscheidung sei durch die lange Dauer der AbwehrmaĂnahmen gegen die Hochwasserlage begrĂŒndet, teilte Landrat AndrĂ© Schröder mit. Die Talsperre Kelbra an der Landesgrenze zu ThĂŒringen wird seit einigen Tagen kontrolliert abgelassen, weil sie drohte ĂŒberzulaufen. Dadurch ist der Wasserstand der Helme stark angestiegen. Am Donnerstagabend öffneten die Behörden einen Deich des Flusses, so dass das Wasser auf freie Felder in Richtung ThĂŒringen ablaufen kann. Der BĂŒrgermeister der Gemeinde SĂŒdharz, Peter Kohl, bezeichnete die Situation als kritisch. Evakuierungen oder die Anforderung der Bundeswehr sind nach Angaben des Landkreises derzeit noch nicht geplant.
Auch in anderen Regionen Sachsen-Anhalts stiegen die WasserstĂ€nde in einigen FlĂŒssen durch RegenfĂ€lle wieder an. Die schauerartigen NiederschlĂ€ge seien stĂ€rker ausgefallen als zunĂ€chst prognostiziert, teilte der Landesbetrieb fĂŒr Hochwasserschutz (LHW) mit. Weil die Böden bereits gesĂ€ttigt seien, habe dies in einigen Bereichen zu ansteigenden WasserstĂ€nden gefĂŒhrt.
In einer Ortschaft im thĂŒringischen KyffhĂ€userkreis stellten Helfer am Samstag mit Entsetzen fest, dass Unbekannte auf einer LĂ€nge von 40 Metern SandsĂ€cke aus den errichteten SchutzwĂ€llen entlang der Helme gestohlen haben. Auf 20 Metern sei der Schutzwall bei Mönchpfiffel-Nikolausrieth vollstĂ€ndig abgetragen worden, so das Landratsamt. Zu den TĂ€tern konnten zunĂ€chst keine Angaben gemacht werden. Das Landratsamt will Strafanzeige stellen.
Bei einer Hilfsaktion in Dabrun (Kreis Wittenberg) ist ein Boot mit mehreren Personen an Bord gekentert. Ein Opa stĂŒrzte mit zwei Enkelkindern im Alter von neun und zwölf Jahren und deren Mutter in die sieben Grad kalte Elbe, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Das Haus der GroĂeltern war mit dem Auto nicht mehr erreichbar - daher habe die Familie versucht, mit dem Boot des Opas die GroĂeltern zu versorgen. Ein zufĂ€llig in der NĂ€he anwesender Feuerwehrmann habe den Unfall bemerkt und sei schnell mit einem weiteren Boot zu Hilfe geeilt. Alle vier Personen konnten gerettet werden und wurden stark unterkĂŒhlt in ein Krankenhaus gebracht. Der Zwischenfall ereignete sich bereits am Freitag.
Derweil geht das Hochwasser der Elbe in Sachsen weiter zurĂŒck. Am Pegel Dresden wurde am Samstagmorgen ein Wasserstand von 5,30 Meter gemessen. Einen Tag zuvor waren es noch 5,92 Meter gewesen. Normal sind rund 2 Meter. In der Landeshauptstadt galt ebenso wie in Schöna an der tschechischen Grenze sowie flussabwĂ€rts in Riesa noch die Alarmstufe 2. Die Hydrologen rechnen mit weiter sinkenden WasserstĂ€nden. FĂŒr die ĂŒbrigen Flussgebiete in Sachsen gab es keine Hochwasserwarnungen mehr.
In NRW sinkende PegelstÀnde
In den Hochwasserregionen in Nordrhein-Westfalen können die Menschen ein wenig durchatmen. «Insgesamt ist der Trend bei den PegelstĂ€nden rĂŒcklĂ€ufig», sagte ein Sprecher des Umweltministeriums NRW auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Das Technische Hilfswerk (THW) stellte sich auf einen Einsatz in den Hochwasser-Gebieten bis in die erste Januar-Woche hinein ein. «Es ist ganz klar, dass das ĂŒber den Jahreswechsel andauern wird», sagte THW-PrĂ€sidentin Sabine Lackner der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. «Was uns hoch besorgt, ist der Zustand der Deiche.» Sie seien massiv aufgeweicht. TĂ€glich seien etwa 1000 EinsatzkrĂ€fte in den betroffenen Gebieten unterwegs.
Zahlreiche Landkreise appellierten erneut, Deiche nicht zu betreten, da diese aufgeweicht seien und beschÀdigt werden könnten.











