Erdplatten, Bewegung

Erdplatten in Bewegung: Was das Erdbeben auslöste

29.03.2025 - 11:25:52 | dpa.de

Das schwere Erdbeben in SĂŒdostasien ließ die Erde minutenlang beben. Warum es dazu kam, wie stark es war und welche Folgen noch drohen, erklĂ€ren Experten.

Nach Ansicht von Experten sind Nachbeben noch lange möglich. - Foto: Aung Shine Oo/AP/dpa

Die schweren Erdbeben, die am Freitag SĂŒdostasien heimsuchten, sind laut Experten fĂŒr die Region nicht ungewöhnlich: Hier bewegen sich die Erdplatten besonders stark, zudem hĂ€tten sich im Untergrund innerhalb einer langjĂ€hrigen ruhigen Phase große Spannungen aufgebaut.

Was sind die HintergrĂŒnde des Erdbebens? 

Laut dem Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam ereignete sich das Erdbeben in der Sagaing-Verwerfung. Hier bewegen sich die indische Kontinentalplatte und die eurasische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Millimeter pro Jahr aneinander vorbei. Es bauen sich Spannungen auf, die sich immer wieder entladen - wie nun nach einer ruhigeren Phase, die ĂŒber fast 70 Jahre angehalten hatte, erlĂ€uterte das Geoforschungszentrum. Dessen Experten gehen aktuell von einer BruchlĂ€nge von mehr als 200 Kilometern aus.

TatsĂ€chlich seien derartige Erdbeben in dieser Zone durchaus nicht ungewöhnlich, sagt Klaus Reicherter, Leiter des Instituts fĂŒr Neotektonik und Georisiken an der Rheinisch-WestfĂ€lischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), und erinnert: «An dieser Plattengrenze wurde auch der fĂŒrchterliche Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 ausgelöst.»

Wie stark war das Erdbeben? 

Sowohl das GFZ in Potsdam als auch die US-Erdbebenwarte (USGS) gaben die StĂ€rke des Bebens mit 7,7 an. Das sei «ziemlich heftig», ordnet Reicherter ein. «Das stĂ€rkste Beben in Deutschland wird mit Magnitude 6,5 erwartet. 7,7 bedeutet mehr als zwölfmal so stark, das heißt, es wird ungefĂ€hr 35-mal mehr Energie freigesetzt.» Daher habe das Beben auch so lange gedauert. «Dieses SchĂŒtteln hat sehr lange angehalten, die Erde hat sich minutenlang bewegt», erklĂ€rt der Experte weiter. Je stĂ€rker das Beben, umso lĂ€nger sei die aktivierte Verwerfung - eine kurze Verwerfung mache nicht solche starken Erdbeben und VersĂ€tze. 

Wie lange ist mit Nachbeben zu rechnen? 

Laut Daniel McCrum vom irischen University College Dublin folgte zwölf Minuten nach dem Beben ein erstes Nachbeben mit einer StĂ€rke von 6,4 (GFZ und USGS geben die StĂ€rke dieses Bebens mit 6,5 bzw. 6,7 an). «Drei weitere Beben geringerer StĂ€rke, im Bereich Magnitude 4,5 bis 4,6 ereigneten sich etwa eine Stunde spĂ€ter», zĂ€hlt McCrum auf. Zudem bestehe eine kleine Wahrscheinlichkeit fĂŒr ein noch grĂ¶ĂŸeres Beben mit einer Magnitude von mehr als 7,7, so Paolo Bergamo vom Schweizerischen Erdbebendienst.

Nach Angaben von Klaus Reicherter kann noch lange mit Nachbeben gerechnet werden. «Das kann bis zu einem Jahr dauern, normalerweise sind es zwei bis drei Monate.» Kleine Nachbeben seien permanent da. «Das muss man sich wie einen andauernden Bruchprozess entlang der Verwerfung vorstellen - Ă€hnlich wie ein Reißverschluss. Das fĂŒhrt letztlich auch zu den Rupturen, also den Rissen in der ErdoberflĂ€che», sagt der Experte. Ab einer gewissen StĂ€rke komme die Verwerfung an die OberflĂ€che, die OberflĂ€che reiße.

Reicherter warnt, dass es fĂŒr die Menschen in der betroffenen Region nicht reiche, nach dem Beben zwei NĂ€chte draußen zu bleiben: «Viele GebĂ€ude werden durch das Hauptbeben und die stĂ€rkeren Nachbeben beschĂ€digt sein. Das bedeutet, dass auch kleinere Nachbeben sie zum Einsturz bringen können.» Die ÜberprĂŒfung der GebĂ€ude in GroßstĂ€dten wie Bangkok und Mandalay sei eine Mammutaufgabe.

Welche anderen Beben gab es hier in jĂŒngerer Vergangenheit? 

«In dieser Region gab es seit 1900 sechs weitere Erdbeben der StĂ€rke 7 und mehr im Umkreis von etwa 250 Kilometern um das heutige Erdbeben», fĂŒhrt Paolo Bergamo an. Das jĂŒngste dieser Beben sei ein Beben der StĂ€rke 7,0 im Januar 1990 gewesen, das 32 GebĂ€ude zum Einsturz brachte. Ein Erdbeben der StĂ€rke 7,9 habe sich zudem sĂŒdlich des heutigen Bebens im Februar 1912 ereignet. 

Fabrice Cotton vom GFZ ergĂ€nzt, zudem sei es zwischen 1930 und 1956 zu zahlreichen Erdbeben an der Sagaing-Verwerfung gekommen, gefolgt durch eine ruhigere Phase, in der sich im Untergrund große Spannungen aufbauten: «Diese wurde nun durch das starke Beben plötzlich freigesetzt.»

Wie wird die StÀrke von Erdbeben gemessen? 

Die StĂ€rke von Erdbeben wird mit Seismographen gemessen. Die GerĂ€te zeichnen die StĂ€rke von Bodenbewegungen auf, die sogenannte Magnitude. Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise in der Region unterschiedliche Auswirkungen haben. HĂ€ufig gilt, dass bei einer StĂ€rke von 7 in weiten Gebieten schwere SchĂ€den eintreten, HĂ€user einstĂŒrzen und viele Tote zu befĂŒrchten sind.

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