Silvesterrakete in Wohnung â Influencer schweigt vor Gericht
02.04.2025 - 13:00:17Silvester in einer Wohnung in Berlin-Neukölln: Ein 54-JĂ€hriger feiert mit seiner Familie, als plötzlich eine Feuerwerksrakete im Schlafzimmer explodiert. Bilder der Aktion werden in sozialen Medien millionenfach geklickt. Statt Beifall hagelt es jedoch Kritik fĂŒr den Influencer, der das Video auf seinem Instagram-Account veröffentlicht haben soll. Rund drei Monate spĂ€ter sitzt der 23-JĂ€hrige schweigend vor dem Berliner Landgericht.Â
Sein Mandant werde im Moment keine Stellungnahme abgeben, sagte Verteidiger Axel Czapp zu Prozessbeginn. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-JĂ€hrigen aus dem Westjordanland versuchte schwere Brandstiftung, versuchte gefĂ€hrliche Körperverletzung und SachbeschĂ€digung vor. Er soll die Feuerwerksrakete «aus Eigennutz und völliger RĂŒcksichtslosigkeit» gezielt in die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus geschossen und dann das Video davon veröffentlicht haben.
Wie schon die Aktion selbst zog die Verhandlung groĂes Medieninteresse auf sich. Der Angeklagte befindet sich wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Er wurde am 4. Januar am Hauptstadtflughafen BER festgenommen, als er Deutschland verlassen wollte.Â
Anklage: möglichst groĂes mediales Interesse
Dem Angeklagten sei es bei der Tat vor allem darum gegangen, ein möglichst groĂes mediales Interesse auf sich zu ziehen, so Staatsanwalt Tobias Dettmer. Er habe die Gesundheit und das Eigentum anderer Menschen seinem eigenen Interesse untergeordnet.
Die Aufnahme auf dem Instagram-Account des arabischen Influencers mit mehr als 310.000 Followern wurde laut Staatsanwaltschaft mehr als sechs Millionen Mal binnen kurzer Zeit aufgerufen. Nach mehr als 36 Stunden war sie gelöscht. Nutzer auf der Plattform X hatten den Mitschnitt jedoch weiterverbreitet. Viele Menschen verurteilten die Aktion. Der Influencer selbst veröffentlichte einen Beitrag, in dem er sich bei den Betroffenen entschuldigte.
Videoaufnahmen im Gerichtssaal gezeigt
Zum Prozessbeginn wurden mehrere Videosequenzen der gefĂ€hrlichen Aktion gezeigt. Zu sehen ist, wie ein Mann in weiĂer Daunenjacke eine gezĂŒndete Rakete in der Hand hĂ€lt und auf ein Mehrfamilienhaus richtet. Funken stĂ€uben und das Geschoss trifft ein Fenster. Ein Lichtschein blitzt auf.Â
«Im Schlafzimmer war schwarzer Rauch», schilderte der 54 Jahre alte Wohnungsinhaber vor Gericht. Glimmende Reste der Rakete habe er aus dem kaputten Fenster geworfen. Aber Tapete und Teppich wiesen Brandflecken auf, Scherben der zerborstenen Fensterscheibe lagen auf dem Boden, wie der Mann schilderte. ZunĂ€chst sei er von einem absichtlichen Vorfall ausgegangen.Â
Treffen nach Raketenschuss
Auf weiteren vor Gericht gezeigten Aufnahmen ist der Angeklagte im GesprĂ€ch mit einem Mann zu sehen. In dem Video war zu lesen, er habe um Vergebung gebeten.Â
Wenige Stunden nach dem Vorfall kam es zu einem Treffen in der Wohnung zwischen dem 54-JĂ€hrigen und dem Angeklagten im Beisein von mehreren Freunden des 23-JĂ€hrigen. Sie hĂ€tten um Entschuldigung gebeten, so der Zeuge. Der junge Mann habe berichtet, er sei als Tourist in Berlin gewesen und habe nicht gewusst, wie die Feuerwerksrakete funktioniere. «Er wollte seine Freude teilen - und ich hatte das UnglĂŒck», erklĂ€rte der 54-JĂ€hrige.Â
Die Veröffentlichung der Videoaufnahmen des Besuchs am Neujahrstag will der Mann dem 23-JĂ€hrigen empfohlen haben. Er habe ihm verziehen. «Ich habe mich gefreut, dass er sich entschuldigt hat», so der 54-JĂ€hrige. Nach dem Besuch sei er nicht mehr von Absicht ausgegangen. «Es kann jedem passieren.»Â
Er sei nicht unter Druck gesetzt worden, antwortete der Mann auf eine entsprechende Frage des Staatsanwalts. Ob ein sogenannter Friedensrichter bei dem GesprĂ€ch dabei gewesen sei, könne er nicht sagen, weil er die Begleiter des Influencers nicht gekannt habe. «Friedensrichter» werden von der Polizei einer Paralleljustiz zugeordnet. Auf der veröffentlichten Aufnahme von dem Besuch ist zu sehen, wie der 54-JĂ€hrige schweigend neben MĂ€nnern auf dem Sofa sitzt.Â
Video mit Entschuldigung veröffentlichtÂ
Der angeklagte Influencer Ă€uĂert sich damals vor laufender Handykamera auf Arabisch. Nach einer Ăbersetzung, die vor Gericht verlesen wurde, sagte er unter anderem: «Die Situation, die passiert ist, ist selbstverstĂ€ndlich falsch.» und «Wir sind heute zu Dir gekommen und entschuldigen uns.»
Der Prozess soll am 7. April fortgesetzt werden. Bislang hat das Gericht insgesamt vier Verhandlungstage fĂŒr den Prozess eingeplant bis zum 16. April.


