Polizei und Politik suchen Rezepte fĂŒr bessere PrĂ€vention
09.04.2024 - 08:18:05Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik fĂŒr das Jahr 2023 vor. Die bietet wenig Anlass zur Freude: Die Zahl registrierter Straftaten ist im vergangenen Jahr einem Medienbericht zufolge bundesweit um 5,5 Prozent auf fast sechs Millionen gestiegen.
Insgesamt seien der Polizei 5,94 Millionen Delikte gemeldet worden, zitierte die «Welt am Sonntag» vorab aus der Kriminalstatistik. So viele FĂ€lle hatte es zuletzt im Jahr 2016 gegeben. Schon die von einigen BundeslĂ€ndern zuvor veröffentlichten Daten zur Entwicklung im vergangenen Jahr lieĂen wenig Gutes erwarten. So wuchs die KriminalitĂ€t in Nordrhein-Westfalen 2023 um 3,4 Prozent.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland wurden im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Straftaten verĂŒbt. Im Vergleich zu vielen anderen BundeslĂ€ndern sei der Anstieg der Straftaten hier noch moderat ausgefallen, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der Zahlen gesagt.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte als Hauptgrund fĂŒr die gestiegene Zahl an Straftaten im Freistaat die Zuwanderung. Die KriminalitĂ€tsbelastung in Bayern stieg 2023 seinen Angaben zufolge auf 4361 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Das ist im Vergleich zum Jahr 2022 ein Anstieg um 2,4 Prozent.
Bundesweite Zunahme
Dies sei ein «bundesweiter Trend, fĂŒr den besonders AuslĂ€nder und Zuwanderer verantwortlich sind», gab Herrmann an. Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag kritisierte Herrmann daraufhin scharf fĂŒr eine «Verquickung von CSU-Migrationspolitik und KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung».
Die KriminalitĂ€t hatte 2022 nach Jahren des RĂŒckgangs bundesweit wieder zugenommen - und zwar um 11,5 Prozent auf rund 5,63 Millionen Straftaten. Damals war jedoch ein Teil des Anstiegs auf den Wegfall der Corona-MaĂnahmen zurĂŒckzufĂŒhren gewesen. Durch die staatlichen BeschrĂ€nkungen hatte es in den Jahren 2020 und 2021 weniger Tatgelegenheiten gegeben - etwa weil GeschĂ€fte geschlossen waren und sich weniger Menschen begegneten.
Neben der Bundesinnenministerin werden auf dem Podium in Berlin auch der PrĂ€sident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger MĂŒnch, und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Michael StĂŒbgen (CDU), erwartet.
Die steigende Zahl von Gewalt- und Eigentumsdelikten muss aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Konsequenzen haben. «Die angespannte Sicherheitslage und die KriminalitĂ€tsentwicklung zeigen, dass unverzĂŒglich in mehr Personal, mehr Befugnisse und schnellere digitale AblĂ€ufe investiert werden muss», sagte der GdP-Bundesvorsitzende, Jochen Kopelke, der Deutschen Presse-Agentur.
«Wir brauchen mehr Geld fĂŒr PrĂ€vention, eine schnellere Strafverfolgung und moderne, wirkungsstarke Sicherheitsbehörden», fĂŒgte er hinzu und verwies in diesem Zusammenhang auf den gestiegenen Anteil junger TatverdĂ€chtiger. Hier seien neben der Bundesregierung und dem Bundestag auch die Finanz- und Innenminister der LĂ€nder in der Pflicht.
«Die Zunahme der GewaltkriminalitÀt mit mehr jungen TatverdÀchtigen, einem gestiegenen Anteil nicht deutscher TatverdÀchtiger und erheblich mehr WohnungseinbruchdiebstÀhlen verdeutlicht, dass der Kampf um Wohlstand begonnen hat und das Recht des StÀrkeren populÀrer wird», sagte Kopelke.
Gewerkschaft will mehr PrÀvention
Um die von Kindern und Jugendlichen ausgehende Gewalt einzudĂ€mmen, sei mehr Geld fĂŒr effektive PrĂ€vention notwendig. Neben der persönlichen Ansprache mĂŒssten Anti-Gewalt-Kampagnen verstĂ€rkt werden. Dabei mĂŒsse auch das MitfĂŒhren von Messern thematisiert werden. «Auf unseren StraĂen braucht niemand ein Messer zur Verteidigung», betonte der GdP-Vorsitzende.
Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Andrea Lindholz, sagte mit Blick auf den gestiegenen Anteil minderjĂ€hriger TatverdĂ€chtiger: «Die Ampel darf dieser Entwicklung nicht lĂ€nger tatenlos zusehen. Sie muss jetzt umgehend einen Aktionsplan mit zielgerichteten prĂ€ventiven und repressiven MaĂnahmen erarbeiten.» Dazu zĂ€hlten eine weitere EindĂ€mmung der irregulĂ€ren Zuwanderung und eine Neuauflage des sogenannten Pakts fĂŒr den Rechtsstaat, damit die Justiz bundesweit besser mit der steigenden KriminalitĂ€t zurechtkomme.
FDP-Fraktionsvize: LĂ€nder mĂŒssen IntensivtĂ€ter abschieben
Mit Blick auf die hohe Zahl auslĂ€ndischer TĂ€ter mĂŒsse «das gesamte Instrumentarium des geltenden Aufenthaltsrechts ausgenutzt werden», sagte FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle. Die Ampel-Koalition habe erst vor wenigen Monaten die Regeln zur Abschiebung von IntensivtĂ€tern ohne deutschen Pass verschĂ€rft. Wer innerhalb eines Jahres mehrfach auffĂ€llig werde, etwa durch Verurteilungen wegen Körperverletzung oder Diebstahl, könne kĂŒnftig einfacher abgeschoben werden. Diese Regeln mĂŒssten von den LĂ€ndern flĂ€chendeckend angewandt werden.
Innenpolitiker der GrĂŒnen hatten schon am Montag vor vorschnellen Schlussfolgerungen gewarnt. Die Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, wies darauf hin, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur dokumentiere, wie viele FĂ€lle die Polizei bearbeitet hat. Dabei sei nicht berĂŒcksichtigt, ob die TatverdĂ€chtigen auch angeklagt oder verurteilt worden seien. Welche FĂ€lle der Polizei bekannt werden, hĂ€nge auch vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung und von der Kontrolldichte der Polizei ab.


