Demokratie, Zeitgeschichte

Demokratie braucht dich. Zeitgeschichte zeigt, warum.

09.05.2026 - 15:45:00 | pressetext.de

Baden - Am 8. Mai fand erstmals der Tag der Demokratiebildung am Campus Baden der PĂ€dagogischen Hochschule Niederösterreich statt. Wie die EuropĂ€ischen ZukunftsgesprĂ€che im Jahr 2025 fand diese Veranstaltung großen Anklang bei den anwesenden SchĂŒler*innen der Bundeshandelsakademie Baden sowie auch den Studierenden der PH NÖ und der Uni Wien. Auch SchĂŒler*innen des Aufbaulehrgangs der HLW Biedermannsdorf nahmen heuer teil.

BundesprĂ€sident aD Dr. Heinz Fischer - Foto: PH NÖ/Praßl-Wisiak ĂŒber pressetext.de
BundesprĂ€sident aD Dr. Heinz Fischer - Foto: PH NÖ/Praßl-Wisiak ĂŒber pressetext.de

Nach einem stimmungsvollen musikalischen Auftakt durch zwei Studierende der PH NÖ wurde der Tag der Zeitgeschichte und Demokratiebildung durch Vizerektorin Dr.in Edda Polz eröffnet, die bereits die Wichtigkeit der Demokratiebildung hervorhob. Im Anschluss an diese Eröffnung wurde das versammelte Plenum von der Abgeordneten zum niederösterreichischen Landtag Mag.a Karin Scheele begrĂŒĂŸt. In ihren Grußworten klang ein Kernthema des ganzen Tages an, denn Demokratie lebt vom Austausch und der Achtung verschiedener Meinungen. Bevor der von allen Teilnehmer*innen ersehnte erste Höhepunkt des Tages anmoderiert wurde, betraten noch Dr.in Margarethe Kainig-Huber und MMag. Gregor Kremser, PhD das Podium um in einer DoppelconfĂ©rence die Veranstaltung in ihrem Sinn und ihren Zielen zu beleuchten. So fĂŒhrte Dr.in Kainig-Huber aus, dass das Ziel des Tages ein Zusammenbringen der SchĂŒler*innen und Studierenden mit Demokratieexpert*innen ist. Herr MMag. Kremser, PhD legte einen Fokus auf die Wichtigkeit der Geschichtsbildung, da es nur mehr wenige Zeitzeug*innen gibt, die ihre Lebenserinnerungen weitergeben können. Die BeschĂ€ftigung mit Zeitgeschichte ist fĂŒr die heutige Jungend kein Schuldaufarbeiten, sondern ein von Geschichtsbewusstsein geprĂ€gter Weg hin zu einem NIE WIEDER.

Impulsvortrag – Dr. Heinz Fischer

Nach diesem einfĂŒhrenden Block war es eine große Ehre BundesprĂ€sident aD Dr. Heinz Fischer fĂŒr seine Keynote Speech das Wort zu ĂŒbertragen. Dr. Fischer begann damit den SchĂŒler*innen und Studierenden aus seinem eigenen Leben zu berichten. Als Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges mahnte er sich zu vergegenwĂ€rtigen, dass politische ÜbergĂ€nge sehr plötzlich passieren können. In den Tagen und Monaten nach Ende des Zweiten Weltkrieges war es den handelnden Personen zu verdanken, dass Österreich wieder ein eigenstĂ€ndiges Land wurde. Politiker wie Karl Renner hatten die Erste Republik und Demokratie ab 1918 erlebt und auch die die Diktatur wĂ€hrend der NS-Herrschaft. Dementsprechend wussten sie, was es wieder aufzubauen galt. Auch wenn die Demokratie bis ins antike Griechenland zurĂŒckverfolgt werden kann, ist die Demokratie wie wir sie heute kennen ein Produkt der AufklĂ€rung. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte eine Sternstunde genutzt und eine demokratische Verfassung entwickelt werden. Unsere österreichische Demokratie wirkt auf den ersten Blick sehr stabil – sie ist jedoch nicht unzerstörbar. Dr. Fischer verglich die Demokratie mit einem starken Baum: So, wie Tiere als auch Wind und Wetter einem starken Nussbaum oder einer Eiche nichts anhaben können, so ist er doch nicht unverletzbar und kann durch kontinuierliche Angriffe zerstört werden. Ebenso ist die Demokratie verwundbar. Dementsprechend muss Macht begrenzt, kontrolliert und legitimiert sein. An diesem Punkt erinnerte Dr. Fischer das Plenum daran, dass das Parlament eigentlich die Macht ĂŒber die Regierung besitzt und das Parlament sowie weitere Kontrollsysteme Sicherheitsmechanismen gegen den Machtmissbrauch darstellen. Einer der grĂ¶ĂŸten Feinde der Demokratie ist und wird immer der Krieg sein, fĂŒhrte Dr. Fischer weiters aus, denn Krieg und Demokratie werden sich immer antagonistisch gegenĂŒberstehen. Abschließend rief Dr. Fischer den Anwesenden nochmals den ersten Artikel der Allgemeinen ErklĂ€rung der Menschenrechte in Erinnerung.

Demokratie braucht Journalismus – Katharina Sunk, MA

Nach dem Impulsvortrag von Dr. Fischer kam die Journalistin und Chefin vom Dienst von Niederösterreich heute zu Wort. Ihr Apell, dass Demokratie fĂŒr alle zugĂ€ngliche ĂŒberprĂŒfte und politisch unabhĂ€ngige Nachrichten benötigt, markierte den Beginn ihres Vortrages. Nach einem Einblick in das TagesgeschĂ€ft als Journalistin fĂŒhrte sie die Wichtigkeit der Regionalmedien aus. Denn Regionaljournalismus ist fast wie ein politisches FrĂŒhwarnsystem. Was sie damit meinte, erlĂ€uterte sie am Beispiel der Änderungen im Gesundheitswesen und den aus den Berichterstattungen resultierten beispielhaften Änderungen bezĂŒglich Maximalwartezeiten auf Krankentransporte. Auf die Metaebene des DemokratieverstĂ€ndnisses zurĂŒckkehrend gab sie dem Plenum noch drei Punkte mit. Demokratie funktioniert nur wenn wir alle hinschauen und hinhören. Guter Journalismus funktioniert nur, wenn ihn die Menschen auch einfordern. Demokratie ist kein Naturgesetz – Demokratie lebt von Menschen, die sich informieren wollen.

Entwicklung braucht Demokratie – Botschafter Dr. Andreas Liebmann

Der dritte Expert*innenvortrag fĂŒhrte das Plenum schlussendlich in das spannende Arbeitsfeld des BMEIA und insbesondere der Entwicklungszusammenarbeit. Botschafter Dr. Andreas Liebmann begann seinen Vortrag mit der Erörterung, warum man nicht mehr von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit sprechen soll, denn ganz im Gesichtspunkt der Demokratie geht es bei Entwicklung nicht um Almosen, sondern vielmehr um Empowerment auf Augenhöhe. Dies ist auch der Unterschied zwischen langfristig erfolgreichen Projekten und sogenannten weißen Elefanten, das heißt Projekten, welche sich gut fĂŒr eine Pressemeldung eignen, jedoch kurz darauf außer hohen Spesen keinen wirklichen positiven Einfluss hinterlassen. Unter Anbetracht der Tatsache, dass weltweit mehr als 66% Prozent der LĂ€nder als EntwicklungslĂ€nder zĂ€hlen, strich Dr. Liebmann diesen Aspekt der internationalen Zusammenarbeit heraus. Nach immer weiter in die Tiefe gehenden Informationen wurde sobald der Bogen hin zu einem Projekt in Mosambik gespannt. Anhand dieses Projektes zur Errichtung von ZugĂ€ngen zu sauberem Trinkwasser, erlĂ€uterte Dr. Liebmann wie auch hier durch demokratisch zusammengesetzte Kontrollorgane der langfristige Erfolg eines jeden neuen Brunnens und damit der durchgĂ€ngige Zugang zu sauberem Trinkwasser sichergestellt werden kann. Ein nicht minder wichtiger Aspekt in Bezug auf das Gelingen solcher Projekte ist auch der Fokus auf ein female empowerment, da die Geschichte gezeigt hat, dass sowohl im afrikanischen Subkontinent, als auch in vielen westlichen Zivilisationen, der effizienteste Weg zu Erfolg ĂŒber EntscheidungstrĂ€gerinnen fĂŒhrt.

Die Videobotschaft von Mirko Drotschmann, bekannt als MrWissen2go erinnerte daran, dass wir es vielen Menschen zu verdanken haben, dass wir in Freiheit und Frieden leben dĂŒrfen. Heute sind wir dafĂŒr verantwortlich, dass es so bleibt. Florian Ritt von Folkshilfe appellierte in seiner Videobotschaft daran, dass wir fĂŒr die Demokratie mutige Menschen brauchen, die mitreden wollen und nicht alles denen ĂŒberlassen, die nur "zĂŒndeln wollen".

World Café

Nach diesen Expert*innenvortrĂ€gen und der anschließenden kurzen Q&A Runde teilte sich das Plenum in zwölf Gruppen auf, die sich mit jeweils ein bis zwei Expert*innen in SeminarrĂ€umen, der Aula und der Bibliothek der PH NÖ zu jeweils 20-minĂŒtigen Kleingruppendiskussionen zusammenfanden. Diese Diskussionen gaben den SchĂŒler*innen und Studierenden die Möglichkeit ĂŒber verschiedene Aspekte der Demokratiebildung und Zeitgeschichte zu reflektieren. In einer von der akademisch geprĂ€gten AtmosphĂ€re der gegenseitigen WertschĂ€tzung gelang es den Gruppen teils kontroverse Meinungen zur Sprache zu bringen und ganz im Sinne des Veranstaltungsziels auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Nach jeweils zwei Diskussionen kehrten alle Gruppen zurĂŒck ins Plenum und die vorab sich als BerichterstatterInnen gemeldeten SchĂŒlerInnen und Studierenden gaben einen Einblick in die diskutierten Themen sowie die gefundenen LösungsansĂ€tze. Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Anwesenden einig, dass fĂŒr eine funktionierende Demokratie Respekt, WertschĂ€tzung, Toleranz und die Bereitschaft, miteinander zu kommunizieren und einander zuzuhören notwendig sind.

(Ende)

Aussender: PĂ€dagogische Hochschule Niederösterreich Ansprechpartner: Severin Praßl-Wisiak Tel.: +43 2252 88571 178 E-Mail: severin.prassl@ph-noe.ac.at Website: www.ph-noe.ac.at

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