Verkehrstote, Tag

Acht Verkehrstote pro Tag

05.07.2024 - 09:47:28

Der Corona-Effekt ist aufgebraucht: Es gibt wieder mehr UnfĂ€lle, mehr Verletzte, mehr Tote auf deutschen Straßen. Wie kann man gegensteuern?

Die Zahl der Verkehrstoten ist 2023 noch stĂ€rker gestiegen als zunĂ€chst angenommen. Nach endgĂŒltigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes kamen im vergangenen Jahr 2.839 Menschen bei StraßenverkehrsunfĂ€llen ums Leben. Bei den vorlĂ€ufigen Zahlen waren die Statistiker von 2.830 Toten ausgegangen.

Damit gab es 2023 nach aktuellen Zahlen 51 Tote mehr als 2022 - und nicht 42, wie bei den vorlĂ€ufigen Zahlen vom Februar angegeben. «Pro Tag wurden damit im Jahr 2023 durchschnittlich acht Menschen auf deutschen Straßen getötet», berichteten die Statistiker in Wiesbaden. 

Die endgĂŒltige Auswertung der Unfallzahlen enthĂ€lt zahlreiche Details: 

Unfallzahlen

Die Polizei zĂ€hlte 2023 insgesamt 2,5 Millionen VerkehrsunfĂ€lle. Das waren 4,7 Prozent mehr als 2022. Bei 2,2 Millionen UnfĂ€llen blieb es bei Sachschaden. Die Zahl der UnfĂ€lle mit Blechschaden stieg um ĂŒber fĂŒnf Prozent, die Zahl der UnfĂ€lle mit Personenschaden wuchs weniger als ein Prozent.

Verletzte

366.557 Menschen wurden 2023 auf Straßen verletzt: plus 1,5 Prozent. 313.655 Menschen wurden leicht verletzt, 52.902 schwer. Im Vergleich zu 2022 sank die Zahl der Schwerverletzten um 8,4 Prozent. Pro Tag wurden 2023 durchschnittlich 145 Menschen schwer und 859 leicht verletzt. 

Alkohol

Bei 37.172 UnfĂ€llen im vergangenen Jahr war Alkohol im Spiel. Das waren zwar 4,1 Prozent weniger als 2022. Die Zahl lag aber ĂŒber dem Niveau der Jahre 2014 bis 2021. 

Unfallorte

Wo ist der Verkehr am gefĂ€hrlichsten? 58 Prozent der Getöteten kamen auf Landstraßen ums Leben, innerorts waren es knapp 32 Prozent, auf Autobahnen fast 11 Prozent. 

Verkehrsmittel

1.192 Personen kamen 2023 in einem Pkw ums Leben. 550 Menschen verunglĂŒckten auf einem Kraftrad tödlich. 446 waren mit dem Fahrrad unterwegs (190 davon hatten ein Pedelec). 437 waren FußgĂ€nger, 115 saßen in einem Lastwagen. 

Das sagt die Expertin 

«Die Zahlen zeigen, dass der Corona-Effekt endgĂŒltig aufgebraucht ist», sagt Kirstin Zeidler, Leiterin Unfallforschung der Versicherer. WĂ€hrend der Pandemie waren die Unfallzahlen deutlich zurĂŒckgegangen, weil weniger Menschen unterwegs waren. Inzwischen steigt die Zahl der UnfĂ€lle, der Verletzten und der Toten wieder an. 

Wie kann man den negativen Trend wieder umkehren? Die Expertin sieht mehrere Punkte, wo es sich lohnt genauer hinzusehen.

Risikoschwerpunkt 1: FußgĂ€nger 

Die meisten UnfĂ€lle mit FußgĂ€ngern passieren beim Überqueren der Fahrbahn, sagte die Unfallforscherin. Helfen wĂŒrden aus ihrer Sicht: mehr Mittelinseln, Zebrastreifen und Ampeln an allen Stellen, wo viele Menschen ĂŒber die Straße laufen, und weniger Autos am Straßenrand, die die Sicht verstellen. Besonders im Auge haben sollte man ihrer Meinung nach hier die BedĂŒrfnisse Ă€lterer Menschen nach kurzen Wegen.

Risikoschwerpunkt 2: Radfahrer

«Der Radverkehr wĂ€chst, aber die Infrastruktur hinkt hinterher», sagte Zeidler. Die meisten UnfĂ€lle mit Radfahrern passieren an Kreuzungen, die schwersten, wenn Lastwagen abbiegen und den Radler ĂŒbersehen. Die neuen Abbiegeassistenten sind aus ihrer Sicht «eine hervorragende Entwicklung». Einen weiteren großen Hebel sieht Zeidler bei Ampeln: Wenn es fĂŒr geradeaus fahrende Radfahrer und abbiegende Autos nicht gleichzeitig GrĂŒn gĂ€be, wĂŒrde das die Zahl der UnfĂ€lle reduzieren.

Risikoschwerpunkt 3: Autofahrer 

Bei jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall auf Landstraßen war einer der Beteiligten zu schnell unterwegs, wie aus der Statistik hervorgeht. Weitere Risikofaktoren: eine fehlende Trennung zum Gegenverkehr, schlechte Überholmöglichkeiten oder ungeschĂŒtzte Hindernisse wie BĂ€ume neben der Fahrbahn. Unfallforscherin Zeidler ergĂ€nzt einen weiteren Punkt: Unaufmerksamkeit und Ablenkung. 

 

 

@ dpa.de