Gewalt, Frauen

Gewalt gegen Frauen - fast jeden Tag ein Femizid

25.11.2024 - 17:31:28

Der gefĂ€hrlichste Ort fĂŒr Frauen ist oft das eigene Zuhause. Die Dunkelziffer ist hoch. Wie kann den Betroffenen geholfen werden?

  • Laut SchĂ€tzungen der Vereinten Nationen wurden im vorigen Jahr weltweit 51.100 MĂ€dchen und Frauen von Verwandten oder mĂ€nnlichen Partnern getötet. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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  • Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen gibt es in vielen LĂ€ndern Demonstrationen und Kundgebungen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. - Foto: Bikas Das/AP

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  •  Im Jahr 2023 wurden 938 MĂ€dchen und Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. - Foto: Leonie Asendorpf/dpa

    Leonie Asendorpf/dpa

Laut SchÀtzungen der Vereinten Nationen wurden im vorigen Jahr weltweit 51.100 MÀdchen und Frauen von Verwandten oder mÀnnlichen Partnern getötet. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaAm Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen gibt es in vielen LÀndern Demonstrationen und Kundgebungen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. - Foto: Bikas Das/AP Im Jahr 2023 wurden 938 MÀdchen und Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. - Foto: Leonie Asendorpf/dpa

Gewalt gegen Frauen: Das ist weltweit ein Problem. Die Zahlen frauenfeindlicher Straftaten in Deutschland steigen: Mehr als 140 Frauen und MĂ€dchen werden Opfer einer Sexualstraftat – jeden Tag. Alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein MĂ€dchen Gewalt im eigenen Zuhause – und das sind nur die polizeilich erfassten Taten, wie Bundeskanzler Olaf Scholz anlĂ€sslich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen auf der Plattform X schrieb.

Das Bundeskabinett will einen entsprechenden Entwurf des Gewalthilfegesetzes am Mittwoch verabschieden. Ob er auch eine Mehrheit im Bundestag erreicht, ist noch unklar.

Nach SchĂ€tzungen der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr weltweit 51.100 MĂ€dchen und Frauen von Verwandten oder mĂ€nnlichen Partnern getötet. Das gesamte Ausmaß an Femiziden sei jedoch noch grĂ¶ĂŸer, hieß es in einer Studie des UN-BĂŒros fĂŒr Drogen- und VerbrechensbekĂ€mpfung (UNODC) und der UN-Frauenorganisation UN Women. Denn zu Tötungen außerhalb des privaten Umfeldes lĂ€gen keine ausreichenden Daten vor. Unter einem Femizid versteht man eine vorsĂ€tzliche Tötung, bei der das weibliche Geschlecht des Opfers als Motiv eine Rolle spielt.

Afrika hatte 2023 die höchste Rate an Femiziden, bei denen Opfer und TĂ€ter in einer intimen oder familiĂ€ren Beziehung standen. Der Wert lag dort bei 2,9 Opfern pro 100.000 Frauen. In Europa lag die Rate mit 0,6 am niedrigsten. Die UN-Fachleute wiesen darauf hin, dass viele Opfer vor ihrem Tod wegen Gewalt in der Beziehung Alarm geschlagen hĂ€tten. «Dies legt nahe, dass viele Tötungen von Frauen vermeidbar sind», schrieben sie. Kontaktverbote fĂŒr mĂ€nnliche Partner könnten Leben retten, hieß es.

«Fast jeden Tag gibt es einen Femizid. Jeden Tag werden rund 400 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt», sagte Bundesfrauenministerin Lisa Paus der Deutschen Presse-Agentur. «Es braucht eine Trendumkehr, ein starkes Gewalthilfegesetz, um das Recht auf Schutz und Beratung fĂŒr alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer und hĂ€uslicher Gewalt zu verankern.»

Frauen in Deutschland immer mehr von Partnerschaftsgewalt betroffen

Zuletzt hatte Paus zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und dem Bundeskriminalamt Zahlen vorgestellt, wonach immer mehr Frauen in Deutschland von Gewalt betroffen sind. Besonders schwerwiegend sind versuchte und vollendete Tötungsdelikte, die sich explizit gegen das weibliche Geschlecht richten. Im Jahr 2023 wurden 938 MÀdchen und Frauen Opfer von solchen versuchten oder vollendeten Femiziden. 360 Frauen und MÀdchen starben dabei.

Eine Aktion in Berlin sollte genau auf diese Frauen aufmerksam machen. 30 Paar rote Schuhe wurden vor dem Rathaus Tiergarten aufgestellt. In Berlin sind laut Stefanie Remlinger, BezirksbĂŒrgermeisterin von Berlin-Mitte, in diesem Jahr bereits 29 Frauen einem Femizid zum Opfer gefallen.

«Die Politik muss dafĂŒr sorgen, dass TĂ€ter gestoppt und Frauen geschĂŒtzt werden», teilte Christa Stolle, BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes, mit. Die Trennung von einem gewalttĂ€tigen Partner sei fĂŒr Frauen der gefĂ€hrlichste Moment. Diese Gefahr fĂŒr Frauen wĂŒrde von Behörden und Justiz noch immer unterschĂ€tzt werden.

Auch in Spanien viele FĂ€lle von Gewalt gegen Frauen

Auch in Spanien hĂ€ufen sich die FĂ€lle von Gewalt gegen Frauen. Seit Jahresbeginn kamen bereits 40 Frauen durch ihre Partner oder Ex-Partner ums Leben, wie die Gewerkschaft UniĂłn Sindical Obrero schreibt. Ein neuer Fall schockt viele in Spanien: Ein 17-JĂ€hriger soll in der sĂŒdspanischen Provinz Alicante seine 15-jĂ€hrige Ex-Freundin umgebracht haben, berichtete der staatliche Sender RTVE. Nur wenige Tage zuvor hatte ein Mann im andalusischen Estepa nahe Sevilla Behörden zufolge seine Frau und anschließend sich selbst getötet. In ganz Spanien waren 40 Demonstrationen am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen geplant.

Protest in Istanbuler Zentrum verboten

In Istanbul hatte der Gouverneur der tĂŒrkischen Metropole Demonstrationen in der Innenstadt anlĂ€sslich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen untersagt und den Bereich absperren lassen. Versammlungen seien an bestimmten Orten fern der Innenstadt erlaubt, hieß es. 

Nach Angaben der Organisation «Wir werden Frauenmorde stoppen» waren vergangenes Jahr in der TĂŒrkei mindestens 315 Frauen von MĂ€nnern getötet worden, in den meisten FĂ€llen war der TĂ€ter der Partner.

Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen soll die Gesellschaft fĂŒr dieses Problem sensibilisieren. Die Aktionen finden im Rahmen der UN-Kampagne «Orange the World» statt. Diese gibt es seit 1991 und dauert in diesem Jahr 16 Tage. Sie beginnt heute mit dem Orange Day. Viele GebĂ€ude werden an dem Tag in Orange angestrahlt.

@ dpa.de