Lage, Hochwassergebieten

Lage in Hochwassergebieten auch zu Silvester angespannt

31.12.2023 - 04:45:28

Der Jahreswechsel fĂ€llt fĂŒr viele EinsatzkrĂ€fte in den Hochwassergebieten buchstĂ€blich ins Wasser. Damit sie nicht noch mehr zu tun bekommen, haben die Behörden einen Appell veröffentlicht.

Der Einsatz Tausender Helfer in den Hochwassergebieten in Teilen Deutschlands geht auch zu Silvester weiter. In der Nacht zum Sonntag galt in Niedersachsen fĂŒr viele Pegel die zweithöchste Meldestufe. Sorgen bereiten den EinsatzkrĂ€ften vor allem die vielfach aufgeweichten Deiche, die brechen könnten.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagte fĂŒr den Vormittag des Silvestertags fĂŒr den Nordwesten und Westen gebietsweise schauerartigen Regen voraus.

Von Überschwemmungen betroffen sind vor allem Teile Niedersachsens, der SĂŒden Sachsen-Anhalts an der Grenze zu ThĂŒringen und Gebiete in Nordrhein-Westfalen. Zuletzt gab es mancherorts etwas Entwarnung.

Kurze Regenpause in Niedersachsen

Über den Jahreswechsel wird es im stark von Hochwasser betroffenen Niedersachsen eine kurze Regenpause geben. Es komme lediglich zu örtlichen Schauern, vor allem im Westen des Bundeslandes, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Am Morgen wehten dem Wetterbericht des DWD zufolge auf den Inseln sowie im Harz zeitweise Böen und stĂŒrmische Böen.

Auch in der Nacht zu Montag sowie im weiteren Tagesverlauf sollte es in Niedersachsen nicht allzu viel Regen geben. Im Emsland gebe es etwas mehr Niederschlag als im Rest des Bundeslandes. Von Dienstag an werde es wieder stĂ€rkeren Regen geben, sagte der Meteorologe. «Da sind erhebliche Mengen zu erwarten.» Auch großflĂ€chig wĂŒrden bis zu 20 Liter pro Quadratmeter fallen, im Harz bis zu 30 Liter.

Ähnlich werde es auch am Mittwoch sein. «Da kommen wir wieder in unwetterartige und kritische Bereiche», sagte der Meteorologe.

Hochwasserscheitel in Niedersachsen vorerst erreicht

Der Hochwasserscheitel ist in Niedersachsen vorerst erreicht. Vor allem an den UnterlĂ€ufen von FlĂŒssen gebe es aber weiterhin erhöhte WasserstĂ€nde, teilte der NiedersĂ€chsische Landesbetrieb fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN) in seinem Lagebericht mit. Von einer Entspannung der Hochwasserlage könne noch nicht gesprochen werden. UnverĂ€ndert war demnach an zahlreichen Pegeln die höchste Meldestufe ĂŒberschritten - besonders an der Aller, Leine, Oker und Mittelweser.

In den kommenden zwei Tage gebe es keine hochwasserrelevanten NiederschlĂ€ge, hieß es weiter. In den betroffenen Flussgebieten sowie den ZuflĂŒssen rechnete der NLWKN mit gleichbleibenden oder sinkenden PegelstĂ€nden. Sollten sich aktuellen Vorhersagen bestĂ€tigen, werde es im neuen Jahr lokal allerdings erneut zu Anstiegen kommen.

An der Sösetalsperre sollte die Abgabe am Sonntag reduziert werden, um die nachfolgenden Flussgebiete zu entlasten. Die Reservoirs waren auch am Sonntag noch zum Großteil gefĂŒllt, die Okertalsperre etwa zu 94 Prozent.

Zu Verzicht auf Silvesterböllerei aufgerufen

FĂŒr viele EinsatzkrĂ€fte dĂŒrften zumindest große Silvester-Feierlichkeiten ausfallen. Um ihnen Mehrarbeit zu ersparen, empfahlen mehrere StĂ€dte in Niedersachsen, auf Feuerwerk und Böller in der Silvesternacht zu verzichten, zum Beispiel die Stadt Celle. Die EinsatzkrĂ€fte seien mit dem Hochwasser bereits stark ausgelastet. Auch Umweltminister Christian Meyer (GrĂŒne) empfahl einen Verzicht von Silvesterböllern in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten.

Teilweise wurden auch Böllerverbote erlassen, wie etwa in der Gemeinde Lilienthal im Landkreis Osterholz bei Bremen. Der Landkreis befĂŒrchtete darĂŒber hinaus, dass zu Silvester viele Schaulustige im Hochwassergebiet unterwegs sein werden. Behrens bezeichnete Schaulustige und Katastrophen-Touristen als Ă€rgerlich. «Viele reisen extra an, um sich die Wassermassen anzusehen. Sie ignorieren die Absperrungen.» Es habe bereits mehrere FĂ€lle gegeben, bei denen die Feuerwehr Schaulustige habe retten mĂŒssen, sagte die Innenministerin.

Auch in anderen Landesteilen haben die EinsatzkrĂ€fte gut zu tun. In mehreren Ortschaften am Fluss Helme an der Landesgrenze zwischen ThĂŒringen und Sachsen-Anhalt bleibt die Hochwasserlage kritisch.

Katastrophenfall im Landkreis Mansfeld-SĂŒdharz

Nachdem der Landkreis Mansfeld-SĂŒdharz wegen des Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen hat, hat sich die Situation dort bisher kaum beruhigt. Die Lage sei trotz stagnierender PegelstĂ€nde angespannt, teilte der Kreis mit. Die bedrohten Ortschaften befinden sich am Fluss Helme an der Landesgrenze zwischen ThĂŒringen und Sachsen-Anhalt.

In der Nacht zum Sonntag sicherten rund 130 EinsatzkrĂ€fte entlang des Flusses Helme einen stark durchnĂ€ssten Deich mit Tausenden SandsĂ€cken. Die Deiche wĂŒrden engmaschig kontrolliert, hieß es in der Mitteilung des Kreises.

Der Landkreis hatte den Katastrophenfall mit der langen Dauer der Abwehrmaßnahmen gegen die Hochwasserlage begrĂŒndet. Obwohl aus der Talsperre Kelbra die Wasserabgabe aktuell nicht weiter erhöht werde, mĂŒsse bereits jetzt von erheblichen SchĂ€den ausgegangen werden. Zudem mĂŒssten weiter konkrete Schutzmaßnahmen fĂŒr die Sicherheit der Anwohner umgesetzt werden.

Mit der Feststellung des Katastrophenfalles geht die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Koordination der Abwehrmaßnahmen auf den Landkreis ĂŒber. Dadurch kann auch ĂŒberörtliche Hilfe, beispielsweise von der Bundeswehr, angefordert werden.

Hochwasser der Elbe sinkt auf Alarmstufe 1

Das Hochwasser der Elbe ist in Sachsen an den meisten Messpunkten auf die Alarmstufe 1 gefallen. Sowohl am Pegel Dresden als auch in Schöna an der tschechischen Grenze sowie flussabwĂ€rts in Riesa galt am Sonntag die niedrigste Alarmstufe. Am Pegel Torgau in Nordsachsen bestand laut einer Übersicht des Landeshochwasserzentrums keine Hochwasserwarnung mehr.

In der Landeshauptstadt Dresden wurde am Silvestermorgen ein Wasserstand von 4,48 Meter gemessen. Am Vortag waren es noch 5,30 Meter gewesen. Die Hydrologen rechnen fĂŒr die nĂ€chsten Tage mit stagnierenden WasserstĂ€nden. Das bedeutet, dass die Alarmstufe 1 voraussichtlich noch einige Tage bestehen bleibt. Sie gilt in Dresden ab 4 Metern. Normal sind rund 2 Meter.

@ dpa.de