Loch im Tresorraum löst Ansturm besorgter Bankkunden aus
29.12.2025 - 13:58:23Ein gewaltiges Loch im Tresorraum und durchsuchte SchlieĂfĂ€cher haben groĂe Sorgen bei zahlreichen Bankkunden in Gelsenkirchen hervorgerufen. Kurz nach dem Bekanntwerden des spektakulĂ€ren Einbruchs sind schĂ€tzungsweise 200 Personen zu der betroffenen Sparkassen-Filiale im Gelsenkirchener Stadtteil Buer gekommen, um nĂ€here Informationen zu bekommen, wie ein dpa-Reporter schildert.
TĂ€ter unerkannt entkommen
Nach den Worten eines Polizeisprechers sind sehr viele SchlieĂfĂ€cher aufgebrochen worden. Eine genaue Zahl nannte er zunĂ€chst noch nicht. Die Ermittler werteten groĂe Mengen an Daten wie Fahrzeugbewegungen nach möglichen AuffĂ€lligkeiten aus. Es gebe zunĂ€chst aber keine «heiĂe Spur».
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei haben sich der oder die TĂ€ter ĂŒber ein Parkhaus Zugang zum SparkassengebĂ€ude verschafft. Der Weg fĂŒhrte durch mehrere TĂŒren in einen Archivraum, an dessen Wand schlieĂlich ein Durchbruch zu dem Tresorraum erfolgte. Dabei kam ein Spezialbohrer zum Einsatz. «Den Bohrer kriegen sie nicht im Baumarkt», verdeutlichte der Sprecher der Polizei.
Aufgeheizte Stimmung vor Ort
Der Andrang an der Filiale ist schlieĂlich so groĂ geworden, dass Polizisten anrĂŒckten und den Vorraum der Bank rĂ€umten. Einige Menschen waren aufgebracht. Es folgten Lautsprecherdurchsagen der Polizei, um die Situation zu beruhigen. Eine Polizistin erklĂ€rte den versammelten Menschen, dass die Sparkasse in den nĂ€chsten Tagen proaktiv auf die Kunden zukommen werde. Dies könnte mehrere Tage dauern, nachdem die Spurensicherung beendet ist.
ZunĂ€chst hatten sich etwa 30 Kunden in dem Vorraum der Filiale eingefunden. Mehrere Kunden baten dabei um Auskunft, ob sie von dem Einbruch betroffen seien. Auch ging es bei den Besorgten um die Frage, ob sie ihr SchlieĂfach in Augenschein nehmen können. Ein Mitarbeiter der Sparkasse verneinte das. Die Filiale bleibt bis auf Weiteres geschlossen, wie auf einem Schild zu lesen ist.
Betroffene weintenÂ
Vor dem BankgebĂ€ude spielen sich im weiteren Tagesverlauf emotionale Szenen ab: Einige Familien kommen zusammen, dabei flieĂen auch TrĂ€nen. Eine weinende Frau sagte dem dpa-Reporter, dass ihre Familie groĂe Mengen an Bargeld und Gold in einem SchlieĂfach aufbewahrte. Ihre Familie habe 40 Jahre dafĂŒr gearbeitet und gespart. Einige der versammelten Kunden gingen davon aus, dass der Inhalt ihres SchlieĂfaches bis zu einer gewissen Höhe versichert sei.
Filiale soll wieder öffnen
Ein Sprecher der Bank erklĂ€rt: «GrundsĂ€tzlich hat die Sparkasse Gelsenkirchen jedes Fach mit 10.300 Euro versichert». DarĂŒber hinaus bestehe fĂŒr die Kunden die Möglichkeit, ĂŒber die Bank oder individuell eine höhere Versicherungssumme abzuschlieĂen. Die Sparkasse Gelsenkirchen befinde sich bereits im GesprĂ€ch mit der Versicherung. Ziel sei, die Filiale an diesem Dienstag wieder zu öffnen und Betroffenen Informationen zu geben. «Wir wollen die Kunden unterstĂŒtzen, welche Unterlagen sie vorlegen mĂŒssen», erlĂ€uterte der Sparkassen-Sprecher.
Nach der Spurensicherung der Polizei mĂŒsse nicht nur festgestellt werden, welche SchlieĂfĂ€cher aufgebrochen worden sind. Es sollen auf dem Boden des Tresorraums auch Unterlagen verstreut liegen, die erst einmal gesichtet und an anderer Stelle aufbewahrt werden mĂŒssten, erklĂ€rte der Sparkassen-Sprecher.
Polizeifoto zeigt ArchivraumÂ
Auf einem von der Polizei veröffentlichten Foto sind zahlreiche auf den Boden geworfene Akten in dem Archivraum zu sehen. An den WÀnden rechts und links stehen Holzregale. In der Mitte an der Wand klafft das kreisrunde Loch zum Tresorraum in der Wand. Auch zahlreiche Ziegelsteine fehlen an der Stelle.
Die Einbruchsspuren im Keller des Wohn- und GeschĂ€ftshauses, das zentral im Stadtteil Buer liegt, sind in der Nacht infolge eines Brandmeldealarms von den alarmierten EinsatzkrĂ€ften entdeckt worden. Feuerwehrleute und auch Polizisten durchsuchten das GebĂ€ude, um ein mögliches Feuer aufzuspĂŒren. Dabei stieĂen die Beamten auf Hinterlassenschaften der TĂ€ter oder des TĂ€ters.
Die Ermittlungen zur Schadenshöhe werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Denn dazu mĂŒssen die Ermittler wissen, was aus den SchlieĂfĂ€chern gestohlen worden ist. Zuvor soll die Bank Kontakt mit betroffenen Kunden aufnehmen. Die Bank selbst kennt nach eigenen Angaben wie ĂŒblich den FĂ€cherinhalt nicht.
Viele offene Fragen
Viele Fragen sind noch offen. Unklar ist etwa, warum die Brandmeldeanlage in der Nacht Alarm auslöste. Aber auch die Frage, wann genau der filmreife Einbruch ĂŒber die BĂŒhne ging, muss noch geklĂ€rt werden. Es kĂ€men die Weihnachtsfeiertage und das vergangene Wochenende in Betracht.
«Bislang unbekannte TĂ€ter haben die Ruhe der Weihnachtstage genutzt, um dort mit einem groĂen Bohrer ein Loch in einen Tresorraum zu bohren und die darin befindlichen WertschlieĂfĂ€cher zu durchsuchen», erklĂ€rte die Polizei.
Die Polizei sucht Zeugen, die verdÀchtige GerÀusche in den vergangenen Tagen gehört haben. So sollen unter anderem die Bewohner des Wohn- und GeschÀftshauses befragt werden. Eine Dame in einem Café neben der Bank sagte dem dpa-Reporter, sie habe in der Nacht zwei Detonationen gehört. Sie ist nach eigenen Angaben eine Nachbarin in der NÀhe zu dem Parkhaus.
FrĂŒhere FĂ€lle mit Hunderten Betroffenen
So ein Einbruch kommt nicht hĂ€ufig vor. Vor einem Jahr gelang es TĂ€tern in LĂŒbeck, ĂŒber 300 SchlieĂfĂ€cher aufzubrechen. Es wurden WertgegenstĂ€nde, Schmuck, Geld sowie persönliche GegenstĂ€nde von individuellem Wert entwendet. Der Schaden belief sich laut Polizei auf ĂŒber 10 Millionen Euro. Im August 2021 rĂ€umten TĂ€ter in Norderstedt bei Hamburg rund 650 SchlieĂfĂ€cher der Hamburger Sparkasse aus. Damals waren die TĂ€ter mit einem Kernbohrer aus extra angemieteten RĂ€umen ĂŒber der Filiale in den Tresorraum gelangt.
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