Nach Notlandung: Passagiere nach Singapur geflogen
22.05.2024 - 11:10:20Nach den schweren Turbulenzen wĂ€hrend eines Langstreckenflugs der Singapore Airlines mit einem Toten und Dutzenden Verletzten sind 131 Passagiere und 12 Crew-Mitglieder mit einem Sonderflug nach Singapur gebracht worden. 79 Passagiere und mehrere weitere Besatzungsmitglieder seien aber noch in Bangkok, wo die Maschine auf dem Weg von London nach Singapur am Dienstag notgelandet war, sagte Airline-Chef Goh Choon Phong. Dabei handele es sich um die Verletzten, die Ă€rztlich betreut wĂŒrden, sowie ihre mitreisenden Angehörigen und Freunde.Â
Ăber den Zustand der Verletzten wurden zunĂ€chst keine weiteren Details bekannt. Auf dem Flughafen Changi in Singapur hĂ€tten sich emotionale Szenen abgespielt, als die Sondermaschine am frĂŒhen Dienstagmorgen (Ortszeit) gelandet sei, berichtete die Zeitung «Straits Times».Â
Die Maschine des Typs Boeing 777-300ER war mit 211 Passagieren und 18 Besatzungsmitgliedern unterwegs, als sie ĂŒber der WestkĂŒste von Myanmar plötzlich um 6000 FuĂ, knapp 2000 Meter, absackte. Ein 73-jĂ€hriger Brite starb, vermutlich an einem Herzinfarkt. Seine Frau und Dutzende andere Menschen wurden teils schwer verletzt. Die meisten von ihnen waren zum Zeitpunkt der plötzlichen Turbulenz nicht angeschnallt.
Zusammenhang zwischen Klarluft-Turbulenzen und dem Klimawandel
Im vergangenen Jahr haben Wissenschaftler der englischen UniversitĂ€t Reading einen Zusammenhang zwischen der Zunahme unsichtbarer Klarluft-Turbulenzen und dem Klimawandel nachgewiesen. An einem typischen Punkt ĂŒber dem Nordatlantik maĂen sie eine Zunahme des PhĂ€nomens um 55 Prozent im Zeitraum zwischen 1979 und 2020. Auch auf anderen Flugrouten gebe es mehr Turbulenzen als vor einigen Jahren.Â
Die Piloten erhalten mit ihren FlugplĂ€nen grobe Hinweise und Vorhersagen auf mögliche Turbulenzgebiete. Exakte Prognosen der Klarluft-Turbulenzen seien aber nicht möglich, wĂ€hrend man solche an Gewittern sehr gut erkennen könne, berichtet ein erfahrener Pilot aus der Vereinigung Cockpit. Kurzfristige exakte Warnungen seien nur möglich, wenn die Crews voran fliegender Maschinen die Flugsicherung informiert haben. Diese geben die Informationen natĂŒrlich weiter, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Allerdings verĂ€nderten sich die Luftmassen stĂ€ndig. Â
GrundsĂ€tzlich seien die Flugzeuge baulich stabil genug, um die KrĂ€fte auszuhalten, erklĂ€rte der VC-Experte. Diese entstehen, wenn sich Luftmassen in unterschiedliche Richtungen bewegen. Bei einer starken AbwĂ€rtsströmung könne die Flughöhe des Flugzeugs temporĂ€r nicht mehr aufrechterhalten werden. «Das Flugzeug fĂ€llt aber nicht, sondern bewegt sich nach unten.»  Â
«Schnallen sie sich auf keinen Fall ab»
Wenn Hinweise auf starke Turbulenzen vorliegen, versuchen die Piloten, das entsprechende Gebiet zu umfliegen, was bei typischerweise dichten und hohen Wolken in den Tropen aber nicht immer möglich ist. «Schnallen sie sich auf keinen Fall ab», rĂ€t der VC-Pilot den Passagieren als wichtigste SchutzmaĂnahme bei unvorhergesehenen Turbulenzen. «Das ist wie mit einem Auto mit 900 km/h durch ein Schlagloch zu fahren.» Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter seien angewiesen, sich bei starken Turbulenzen sofort hinzusetzen, um nicht durch das Flugzeug geschleudert zu werden.  Â


