Waldbrand, Parnitha

BrĂ€nde in Griechenland «grĂ¶ĂŸte in der Geschichte der EU»

24.08.2023 - 16:00:14

Der Wind lĂ€sst nach, die Feuerwehr kommt voran - und doch brennt es weiterhin großflĂ€chig. Das Ausmaß der Katastrophe ist bislang kaum abzuschĂ€tzen. Derweil beginnt die Jagd auf die Brandstifter.

  • Ein Feuerwehrhubschrauber wirft Wasser auf die Flammen nahe des MilitĂ€rstĂŒtzpunkts Kapota im Gebirge Parnitha. - Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa

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  • Ein Feuerwehrmann bekĂ€mpft einen Waldbrand in der NĂ€he von Athen. - Foto: Marios Lolos/XinHua/dpa

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Ein Feuerwehrhubschrauber wirft Wasser auf die Flammen nahe des MilitĂ€rstĂŒtzpunkts Kapota im Gebirge Parnitha. - Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpaEin Feuerwehrmann bekĂ€mpft einen Waldbrand in der NĂ€he von Athen. - Foto: Marios Lolos/XinHua/dpa

Dass die diesjĂ€hrigen Wald- und BuschbrĂ€nde in Griechenland extreme Ausmaße angenommen haben, war den Menschen bereits klar. Doch nun ist es offiziell: Laut EU-Kommission handelt es sich bei den BrĂ€nden nahe der nordöstlich gelegenen Hafenstadt Alexandroupolis um die grĂ¶ĂŸten BrĂ€nde in der Geschichte der EuropĂ€ischen Union. Es seien bereits als 73.000 Hektar verbrannt, teilte der Kommissar fĂŒr humanitĂ€re Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarcic, am Donnerstag mit.

Die Situation verbesserte sich zwar im Laufe des Tages, weil der Wind etwas nachließ, doch die grĂ¶ĂŸten Feuerfronten sind zu umfassend, als dass sie einfach so gelöscht werden könnten.

Etwas Zuversicht bei Feuerwehrleuten und BĂŒrgermeistern

Und so atmeten am Donnerstagmorgen wieder viele Griechen und Touristen selbst Hunderte Kilometer weit von den BrĂ€nden entfernt Rauchgestank ein. Im Nationalpark Dadia, rund um die Stadt Alexandroupolis sowie weiter Richtung Westen tobten die BrĂ€nde weiter - genau wie im Nordwesten Athens und anderen Teilen des Landes. Allerdings gab es bei Feuerwehrleuten und BĂŒrgermeistern der betroffenen Gegenden erstmals etwas Zuversicht: Die sehr starken Winde hĂ€tten sich etwas beruhigt, was die Löscharbeiten erleichtere.

Der Schaden jedoch ist lĂ€ngst geschehen: Die 73.000 Hektar, von denen EU-Kommissar Lenarcic ausgeht, entsprechen 730 Quadratkilometern - eine FlĂ€che fast so groß wie Deutschlands zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Hamburg.

Derweil wird immer deutlicher, dass viele der Feuer auf absichtliche Brandstiftung zurĂŒckzufĂŒhren sind - weshalb am Donnerstag dem griechischen BĂŒrgerschutzminister Vassilis Kikilias der Kragen platzte. «Was hier passiert, ist nicht nur unerhört, sondern obszön und kriminell», sagte er bei einer Krisensitzung in der Zentrale des Zivilschutzes vor Kameras und richtete sich dann direkt an die Brandstifter: «Sie begehen ein Verbrechen gegen das Land. Sie werden nicht verschont werden, wir werden Sie finden, Sie werden von der Justiz zur Rechenschaft gezogen.»

Minister spricht von «asozialen Brandstiftern»

Konkret bezog sich Kikilias auf die BrĂ€nde am Fuße des Gebirges Parnitha nordwestlich von Athen. Dort seien am Donnerstag von 08.00 Uhr morgens bis 12.00 Uhr mittags an verschiedenen Stellen insgesamt neun BrandanschlĂ€ge verĂŒbt worden.

Der Minister zĂ€hlte die jeweils neuen Brandherde sogar mit genauen Uhrzeiten auf. Die TĂ€ter gefĂ€hrdeten WĂ€lder, Eigentum und vor allem Menschenleben, sagte er. Es handele sich um «asoziale Brandstifter». Die Polizei und auch der Geheimdienst wĂŒrden alles dafĂŒr tun, die TĂ€ter dingfest zu machen.

Die TĂ€ter festzunehmen ist allerdings schwer und gelingt nur selten: Meist werden Feuer in einsamen, unwegsamen Gebieten gelegt. Bis die BrĂ€nde an Fahrt aufnehmen, sind die TĂ€ter lĂ€ngst auf und davon. Am Donnerstag wurden dennoch insgesamt vier mutmaßliche Brandstifter festgenommen, teils aufgrund von Augenzeugen, teils, weil sie bei Kontrollen Material mitfĂŒhrten, das sich zur Brandstiftung eignet, darunter etwa Spraydosen. Über die BeweggrĂŒnde war zunĂ€chst nichts bekannt, wie griechische Medien berichteten.

Hilfe kommt auch aus dem Ausland

Was bleibt, ist die Gefahr fĂŒr Menschen, Helfer, Tiere, HĂ€user. Laut Feuerwehrsprecher Giannis Artopoios wurden in den vergangenen Tagen 60 Feuerwehrleute bei Löscharbeiten verletzt. Aktuell kĂ€mpfen Tausende an den vielen Brandherden des Landes mit den Flammen. Neben den griechischen KrĂ€ften seien auch Feuerwehrwehrleute und Piloten mit Löschflugzeugen aus Deutschland, Albanien, Frankreich, Bulgarien, Tschechien, Schweden und Zypern im Einsatz.

Einen kleinen Lichtblick bot am Mittag einmal mehr der Zivilschutz mit seiner tĂ€glichen Prognose der Waldbrandgefahr. Die Karte fĂŒr Donnerstag zeigt zwar, dass die ohnehin betroffenen Gebiete weiterhin sehr kritisch sind und es dort immer noch stark windet. FĂŒr den Rest des Landes aber wurde mit «mittelmĂ€ĂŸiger Brandgefahr» weitgehend Entwarnung gegeben.

@ dpa.de