Prozess, Raketenschuss

Prozess um Raketenschuss: Influencer schweigt

02.04.2025 - 10:48:41 | dpa.de

Die Aktion in der Silvesternacht wurde millionenfach angeklickt in Sozialen Medien. Der Anklage zufolge wollte der Mann genau diese Aufmerksamkeit erzielen. Vor Gericht hĂ€lt er sich zurĂŒck.

Nach einem Raketenschuss auf eine Berliner Wohnung steht ein Influencer (links) vor Gericht. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Nach einem Raketenschuss auf eine Berliner Wohnung steht ein Influencer (links) vor Gericht. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Gut drei Monate nach einem Raketenschuss auf eine Berliner Wohnung in der Silvesternacht schweigt der Angeklagte vor Gericht. Sein Mandant werde im Moment keine Stellungnahme abgeben, sagte Verteidiger Axel Czapp zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Berlin. Wie schon die Aktion selbst zog die Verhandlung großes Medieninteresse auf sich.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-JĂ€hrigen aus dem Westjordanland versuchte schwere Brandstiftung, versuchte gefĂ€hrliche Körperverletzung und SachbeschĂ€digung vor. Er soll die Feuerwerksrakete «aus Eigennutz und völliger RĂŒcksichtslosigkeit» gezielt in die Wohnung in Berlin-Neukölln geschossen und ein Video davon auf seinem Instagram-Account veröffentlicht haben.

Anklage: möglichst großes mediales Interesse

Dem Angeklagten sei es bei der Tat vor allem darum gegangen, ein möglichst großes mediales Interesse auf sich zu ziehen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Er habe die Gesundheit und das Eigentum anderer Menschen seinem eigenen Interesse untergeordnet.

Die Aufnahme auf dem Instagram-Account des arabischen Influencers mit mehr als 310.000 Followern wurde laut Staatsanwaltschaft mehr als sechs Millionen Mal binnen kurzer Zeit aufgerufen. Nach mehr als 36 Stunden war sie gelöscht. Nutzer auf der Plattform X hatten den Mitschnitt jedoch weiterverbreitet. Viele Menschen verurteilten die Aktion. Der Influencer selbst veröffentlichte einen Beitrag, in dem er sich bei den Betroffenen entschuldigte.

Videoaufnahmen im Gerichtssaal gezeigt

Zum Prozessbeginn wurden mehrere Videosequenzen der gefĂ€hrlichen Aktion gezeigt. Zu sehen ist, wie ein Mann in weißer Daunenjacke eine gezĂŒndete Rakete in der Hand hĂ€lt und auf ein Mehrfamilienhaus richtet. Funken stĂ€uben und das Geschoss trifft ein Fenster. Ein Lichtschein blitzt auf. Auf weiteren Aufnahmen ist der Angeklagte im GesprĂ€ch mit einem Mann zu sehen. In dem Video war zu lesen, er habe um Vergebung gebeten. Nach Medienberichten soll der 23-JĂ€hrige den Wohnungsinhaber aufgesucht haben.

Der 54 Jahre alte Mann sollte am ersten Prozesstag als Zeuge gehört werden. Bislang hat das Gericht insgesamt vier Verhandlungstage fĂŒr den Prozess eingeplant bis zum 16. April. 

Influencer am BER festgenommen 

Der Angeklagte wurde am 4. Januar am Hauptstadtflughafen BER festgenommen, als er Deutschland verlassen wollte. Seitdem befindet sich der 23-JĂ€hrige wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

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