Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Letzte Ruhe für den Wal: «Er hat seine Chance gehabt»

01.04.2026 - 14:54:26 | dpa.de

Die Atemfrequenz des Tieres unregelmäßig, der Wasserstand sinkt. Tagelang waren Experten im Boot zu dem gestrandeten Wal gefahren. Jetzt sagen sie: Der Meeressäuger hat kaum noch Überlebenschancen.

  • Immer wieder hatten sich Meeresschützer ein Bild vom Zustand des Wals gemacht. - Foto: Marcus Golejewski/dpa
  • Burkard Baschek (r), Direktor des Deutschen Meeresmuseums, und Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack (M) sprechen in Wismar zur Presse. - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Die Atemfrequenz des Wals war laut Fachleuten zuletzt unregelmäßig. - Foto: Marcus Golejewski/dpa
  • Der Wal ist seit Wochen an der Ostseeküste unterwegs. (Archivbild) - Foto: Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa
Immer wieder hatten sich Meeresschützer ein Bild vom Zustand des Wals gemacht. - Foto: Marcus Golejewski/dpa Burkard Baschek (r), Direktor des Deutschen Meeresmuseums, und Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack (M) sprechen in Wismar zur Presse. - Foto: Philip Dulian/dpa Die Atemfrequenz des Wals war laut Fachleuten zuletzt unregelmäßig. - Foto: Marcus Golejewski/dpa Der Wal ist seit Wochen an der Ostseeküste unterwegs. (Archivbild) - Foto: Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa

Es könnte die letzte Station seines Lebens werden. Für den an der Ostsee vor Wismar festsitzenden Buckelwal sollen die Rettungsversuche eingestellt werden. «Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt», sagte der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek. Die Aussichten, dass der Wal frei komme, seien sehr gering. Derzeit liegt das große Tier in der Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht.

Das Tier solle an seinem jetzigen Liegeplatz in Ruhe gelassen werden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), der von einem sehr emotionalen Tag sprach. «Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie. Die hat er sich aber so ausgesucht.» 

Der Wal habe sich viermal festgelegt. «Das ist das Signal, das er seine Navigation verloren hat», betonte der Minister, der in den vergangenen Tagen selbst mit einem Boot zum Wal mitgefahren war. Das Tier soll nun in seinen letzten Stunden in Ruhe gelassen werden, um in Würde zu sterben. Das ist auch das Ziel der eingerichteten Sperrzone von 500 Metern, die laut Backhaus streng kontrolliert wird. Auch Drohnenflüge seien untersagt. Etwaige Verstöße würden als Ordnungswidrigkeit geahndet.

«Maximale Ruhe und Respekt»

Der Wal ist laut Baschek inzwischen deutlich geschwächter. Seine Atemfrequenz sei am Vormittag sehr unregelmäßig gewesen, die Atemzüge zum Teil im Abstand von mehr als vier Minuten. Die Brustflossen seien nah am Körper angelegt. «Die Reaktion auf uns, auf unsere Präsenz, war quasi null.» Zudem seien die Bedingungen in der Bucht schlecht. Der Wasserstand werde weiter sinken, um rund 10 bis 15 Zentimeter. Dies werde sich auch in den kommenden drei Tagen nicht wesentlich verbessern. Der Wal liege dadurch jetzt deutlich freier.

«Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei empfinden würden», sagte Baschek. «Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebietet es auch, irgendwann dann mal ihn gehen zu lassen.» Realistisch gesehen habe der Wal am Morgen um 6.00 Uhr seine letzte Chance gehabt. «Die konnte er nicht nutzen.»

Verschmutzt, verseucht, überfischt

Auch die Greenpeace-Experten waren in den letzten Tagen nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Zuletzt hatten sie am Dienstag versucht, den Wal davon abzuhalten, in die Kirchsee-Bucht zu schwimmen. «Leider hat der Wal das gemacht, was er will, und ist in die Bucht hineingeschwommen», hatte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack resümiert, der in Wismar mit anderen Kollegen die Situation des Wals immer wieder vor Kameras erklärte.

Bei der vermutlich letzten Pressekonferenz in Wismar gab Maack dann ein eindringliches Plädoyer für großflächige Meeresschutzgebiete ab. Wenn man sich die Situation des Wals anschaue, dann sei das ein Spiegel dessen, was die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten mit den Ozeanen gemacht hätten. Sie würden in industriellem Maßstab verschmutzt, verseucht und überfischt. «Und es gibt nur zarte Ansätze, der Meeresnatur tatsächlich Flächen zu schaffen, wo sie sich selbst überlassen bleibt.»

Wal irrt seit einem Monat umher

Bereits seit Anfang März war der Meeressäuger nach Angaben der Behörden immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Letztlich gelang es dem Tier, das flache Wasser zu verlassen, nachdem Helfer eine Rinne ausgehoben hatten.

Am Samstag wurde der Wal dann vor Wismar in flachem Wasser gesichtet. Am Montagabend schwamm er los und tauchte zunächst ab, bevor er am Dienstagvormittag erneut entdeckt wurde. Dabei schwamm er zunächst frei, bis er doch wieder festsaß.

In der vergangenen Nacht war der Buckelwal laut einem Sprecher der Wasserschutzpolizei noch «sehr aktiv». Am Morgen waren Fachleute mit einem Schlauchboot erneut aufs Wasser gefahren und hatten sich einen Überblick verschafft. Das Tier war aber nicht zum Losschwimmen animiert worden. Laut Greenpeace ist die Liegeposition des Wals ungünstig, da das Wasser in der Umgebung sehr flach sei. Dazu sei die Bucht sehr verwinkelt und verschlammt.

Welche Rolle spielt das Netz?

Der Minister verwies auch auf Diskussionen über ein mögliches Fischereinetz am Tier. Ein großer Teil des Netzes - 50 bis 70 Meter - sei bereits am 3. März im Hafen von Wismar entfernt worden. «Das ist sichergestellt. Auch das wird in die Analyse mit eingehen.» Man wisse aber nicht, wie viel Netzmaterial sich möglicherweise noch im Wal befinde. 

Ein mögliches Netz könne aber nicht einfach entfernt werden. Ein solcher Eingriff wäre mit erheblichen Risiken für den Wal und die Beteiligten verbunden, insbesondere weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass das Material bereits in das Gewebe des Tieres eingewachsen sei, Backhaus: «Ein Eingriff könnte dem Tier zusätzliche schwere Verletzungen zufügen.»

Toter Wal käme nach Stralsund

Sollte das eintreten, was Wissenschaftler, Umweltschützer und Politik erwarten und befürchten, würde der Kadaver des Wals nach Stralsund zum Deutschen Meeresmuseum gebracht werden, das als Forschungseinrichtung auch eine Spezialabteilung für Meeressäuger unterhält. Dabei würde es laut Backhaus aber ausdrücklich nicht darum gehen, ein Skelett für das Museum zu bekommen, sondern allein darum, den Wal nach seinem Tod zu untersuchen und die Todesursache zu bestimmen.

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