Einsturz, Ballermann-Lokal

Deutsche bei Einsturz von Ballermann-Lokal getötet

24.05.2024 - 10:11:52

Die beliebte Partymeile wurde binnen Sekunden zum Ort des Horrors: Beim Einsturz eines Restaurants am Ballermann gab es auch zwei Tote aus Deutschland.

Tragödie am Ballermann: Beim Einsturz eines voll besetzten Restaurants an der Playa de Palma auf Mallorca sind zwei deutsche Frauen und zwei weitere Menschen ums Leben gekommen. Die deutschen Todesopfer seien 20 und 30 Jahre alt, teilte die Polizei in Palma mit. Zudem seien beim UnglĂŒck am Donnerstagabend eine 23-jĂ€hrige Spanierin, die in dem Lokal gearbeitet haben soll, und ein 44 Jahre alter Mann aus dem Senegal getötet worden.

Bei den deutschen Todesopfern handele es sich mutmaßlich um Urlauberinnen, hieß es auf Anfrage. Warum das GebĂ€ude auf der bei deutschen Urlaubern sehr beliebten Mittelmeer-Insel einstĂŒrzte, war zunĂ€chst unklar.

Die Polizei korrigierte die Zahl der Verletzten, die nach dem UnglĂŒck in KrankenhĂ€user gebracht wurden, von 16 auf 14. Es handele sich um zehn NiederlĂ€nder, drei Deutsche und einen Spanier - es seien acht MĂ€nner und sechs Frauen im Alter zwischen 24 und 34 Jahren. Neun von ihnen seien mit Stand Freitagabend noch in KrankenhĂ€usern behandelt worden, aber niemand schwebe mehr in Lebensgefahr.

Das UnglĂŒck erschĂŒtterte zu spĂ€ter Stunde nicht nur die Balearen, sondern ganz Spanien. In Madrid sprach MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez auf X, vormals Twitter, den Familien der Todesopfer sein Beileid aus und betonte: «Ich verfolge aufmerksam die Folgen des schrecklichen Einsturzes am Strand von Palma.»

Überlastung des ersten Stockwerks mögliche Einsturz-Ursache

Der Unfall geschah direkt am Strand, nur circa einen Kilometer von den Kultlokalen Megapark und Bierkönig entfernt. Das GebĂ€ude des Medusa Beach Club stĂŒrzte gegen 20.30 Uhr ein. Der erste Stock sei dabei sofort bis zum Keller eingebrochen, wo auch sehr viele GĂ€ste zu Abend gegessen hĂ€tten, berichteten «El PaĂ­s» und andere Medien unter Berufung auf Augenzeugen. Eine erste ÜberprĂŒfung habe ergeben, dass die Überlastung des ersten Stockwerks eine mögliche Ursache fĂŒr den Einsturz sei, sagte Feuerwehrchef GarcĂ­a.

Am frĂŒhen Freitagmorgen hatten EinsatzkrĂ€fte unter den TrĂŒmmern noch fieberhaft nach Opfern gesucht. Ein Polizeisprecher hatte aber kurz vor Mitternacht gute Nachrichten ĂŒbermittelt: «Mit 90-prozentiger Sicherheit» seien unter den TrĂŒmmern keine Opfer mehr, sagte er auf Nachfrage. Weitere Opfer wurden bis Freitagabend auch nicht mehr geborgen.

Javier, ein Bewohner der Playa de Palma, war in unmittelbarer NĂ€he, als das GebĂ€ude an der Straße Cartago schnell wie ein Kartenhaus und mit lautem Getöse in sich zusammenfiel. «Es hörte sich wie eine Bombe an», erzĂ€hlte er einem Reporter der Regionalzeitung «Última Hora». Andere Menschen sagten, das GebĂ€ude sei erst «vor ein paar Jahren» renoviert worden. Der Teil im ersten Stock, der einstĂŒrzte, sei als Chill-out-Bereich genutzt worden.

«Wir sind hier alle schockiert»

Wie sehr das UnglĂŒck die Playa und deren Bewohner erschĂŒtterte, zeigt die Reaktion von RaĂșl Pursnami, der ein ModegeschĂ€ft neben dem eingestĂŒrzten GebĂ€ude betreibt. «Wir sind hier alle schockiert. Ich kann nicht sprechen, sie waren meine Nachbarn», sagte er der Zeitung «El PaĂ­s». Auch er habe ein sehr, sehr lautes GerĂ€usch gehört. «Ich kam gerade aus dem Laden und sah, wie das ganze GebĂ€ude einstĂŒrzte. Das ist eine Schande, denn theoretisch muss jedes Jahr eine Inspektion durchgefĂŒhrt werden.» Alles sei sehr schnell gegangen, wĂ€hrend die Leute im Restaurant gegessen und auch getanzt hĂ€tten.

«Última Hora» berichtete am Freitag unter Berufung auf die Behörden, das GebĂ€ude sei erst vor kurzer Zeit einer bautechnischen Inspektion unterzogen worden. Dabei seien «kleinere Probleme festgestellt worden, die die Struktur jedoch nicht beeintrĂ€chtigten». Allerdings sei die Balkonterrasse als «nicht begehbar» eingestuft worden, schrieb das Blatt.

Um den Einsturz aufzuklĂ€ren, werden nach Behördenangaben alle Genehmigungen fĂŒr bauliche VerĂ€nderungen sowie alle Betriebslizenzen des Lokals untersucht. «Wir prĂŒfen, ob alles in Ordnung ist. Und wenn nicht, werden wir herausfinden, warum», wurde der Regionalminister fĂŒr Stadtplanung Óscar Fidalgo von der Regionalzeitung «Diario de Mallorca» zitiert. «Wir schauen uns alles an. Aber ich kann mit den Daten, die wir im Moment haben, keine Vermutungen anstellen.»

Viele GĂ€ste im Restaurant zum Zeitpunkt des Einsturzes

Zum Zeitpunkt des Einsturzes seien viele GĂ€ste im Restaurant gewesen, das zum Teil auch als Cocktailbar mit Livemusik fungierte, berichteten Medien. EinsatzkrĂ€fte der Polizei, der Feuerwehr und der Notfalldienste seien schnell vor Ort gewesen. Die angrenzenden Lokale und WohnhĂ€user wurden aufgrund von Einsturzgefahr evakuiert, das Gebiet abgeriegelt. Psychologen und Ärzte betreuten am UnglĂŒcksort noch Stunden nach dem Einsturz Leichtverletzte, Angehörige der Opfer und sichtlich mitgenommene Zeugen der Tragödie.

Bis zu 1000 Menschen hĂ€tten sich nach dem Einsturz vor dem Unfallort versammelt, berichteten die Regionalzeitungen «Diario de Mallorca» und «Última Hora». Angehörige von Mitarbeitern bangten um ihre Lieben, Schaulustige debattierten ĂŒber die möglichen Ursachen. Immer wieder musste die Polizei die Menge bitten, ruhig zu sein, damit die Rettungsteams die Stimmen möglicher Überlebender unter den TrĂŒmmern hören könnten.

Die regionale MinisterprĂ€sidentin Marga Prohens, der BĂŒrgermeister von Palma, Jaime MartĂ­nez, und der erste stellvertretende BĂŒrgermeister, Javier Bonet, fuhren noch am Abend ebenfalls schnell zum Strand, um sich vor Ort ein Bild von der Tragödie und den Rettungsarbeiten zu machen. BĂŒrgermeister MartĂ­nez rief eine dreitĂ€gige Trauer aus.

Nach dem Start der Party-Saison sind seit Ende April wieder zahlreiche Touristen am Ballermann, der - anders als die Besucher der englischen Partyhochburg Magaluf westlich von Palma - mehrheitlich aus Deutschland kommen. Viele Besucher gingen am Freitag an der Playa zum Urlaubs-Alltag ĂŒber. WĂ€hrend in der NĂ€he zwei Ermittler die UnglĂŒcksstelle untersuchen, werden an der nĂ€chsten Ecke Kaffees serviert. Die GĂ€ste dieses Lokals scheinen komplett entspannt zu sein - und schauen nicht skeptisch zur Decke.

@ dpa.de