Nach Mord an Eltern: Menendez-BrĂŒder könnten freikommen
03.11.2024 - 09:01:35Die schockierende Bluttat im schicken Beverly Hills hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Jose Menendez, millionenschwerer Boss eines Videounternehmens, und Ehefrau Kitty waren am 20. August 1989 im Wohnzimmer ihrer Villa vor dem Fernseher erschossen worden. Nach Angaben der Polizei waren die Körper durch den Kugelhagel bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ihre beiden Söhne Erik und Lyle - damals 18 und 21 Jahre alt - machten in ersten Vernehmungen die Mafia verantwortlich. Erst ein halbes Jahre spĂ€ter wurden die BrĂŒder unter Mordverdacht festgenommen. Seitdem sitzen sie hinter Gitter - doch das könnte sich bald Ă€ndern.
Netflix rollt den Fall aufÂ
Der Fall findet derzeit wieder weltweit Aufmerksamkeit. Zwei Netflix-Produktionen rollen das Mord- und Justizspektakel auf. Die jetzt 53 und 56 Jahre alten BrĂŒder haben in ihren BemĂŒhungen um eine Freilassung prominente FĂŒrsprecher, darunter Reality-Fernsehstar und Aktivistin Kim Kardashian (44), die sich schon lĂ€nger fĂŒr die Begnadigung von HĂ€ftlingen in den Vereinigten Staaten einsetzt.Â
Durch Gnadengesuch auf freien FuĂ?
Zudem macht sich der Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles, George GascĂłn, fĂŒr eine Neuverurteilung mit einem geringeren StrafmaĂ stark. Falls ein Richter dies bewilligt, könnten die BrĂŒder fast 35 Jahre nach ihrer Festnahme möglicherweise bald auf freien FuĂ kommen. GascĂłn hat sich auch hinter ein Gnadengesuch der BrĂŒder an den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom gestellt. FĂŒr Dezember ist eine weitere Anhörung angesetzt.Â
Serie und True-Crime-DokuÂ
Die am 19. September gestartete Serie «Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez» mit neun Episoden ist in den ersten rund sechs Wochen weltweit mehr als 62 Millionen Mal abgerufen worden. In der Serie werden die BrĂŒder Lyle und Erik von Nicholas Alexander Chavez und Cooper Koch dargestellt. Die rund zweistĂŒndige Netflix-Doku «Die BrĂŒder Menendez», die am 7. Oktober startete, sammelte in drei Wochen 33 Millionen Abrufe.
Die Serie ĂŒber die Geschichte der Menendez-BrĂŒder ist die zweite Staffel des Anthologie-Formats ĂŒber aufsehenerregende Mörder von Ryan Murphy und Ian Brennan. Wenn Serienmacher Murphy eine neue Produktion an den Start schickt, dann wird die meist zum Welthit. FĂŒr eine True-Crime-Serie ist der spektakulĂ€re Menendez-Fall bestens geeignet. Denn der drehte sich um tyrannische Eltern, ein Millionenvermögen und VorwĂŒrfe von sexuellem Missbrauch.Â
Verdacht und Festnahme
Erik und Lyle waren schon kurz nach den zunĂ€chst ungeklĂ€rten Morden unter Verdacht geraten, als sie Hunderttausende Dollar des Vermögens ihrer Eltern fĂŒr Autos, Armbanduhren und andere Luxusartikel ausgaben.
Die BrĂŒder gestanden spĂ€ter die Tat. Sie erklĂ€rten, sie seien jahrelang von ihren Eltern sexuell, psychisch und körperlich missbraucht worden und hĂ€tten Angst gehabt, dass ihre Eltern sie zum Schweigen bringen wollten. Quasi aus Notwehr hĂ€tten sie die Morde begangen. Doch laut der Staatsanwaltschaft töteten sie aus Habgier, um an das Vermögen ihrer Eltern heranzukommen.
Zwei Strafprozesse
Im ersten Strafprozess gegen die MillionĂ€rssöhne, der Live aus dem Gerichtssaal ĂŒbertragen worden war, gab es emotionale Schilderungen ĂŒber jahrelangen sexuellen Missbrauch durch den Vater. Doch am Ende platzte das Verfahren - die Geschworenen konnten sich 1994 nicht einstimmig auf ein Urteil einigen.Â
In einem zweiten Prozess wurden die BrĂŒder 1996 dann wegen Doppelmordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer Entlassung verurteilt. In diesem Verfahren hatte der zustĂ€ndige Richter Aussagen ĂŒber den mutmaĂlichen sexuellen Missbrauch weitgehend untersagt.Â
Kim Kardashian: «Sie sind keine Monster»
Das bringen nun die UnterstĂŒtzer der BrĂŒder vor. Kim Kardashian, die sich zur AnwĂ€ltin ausbilden lĂ€sst und fĂŒr eine Reform des Justizsystems eintritt, fordert ihre sofortige Freilassung. Sie hat die BrĂŒder im GefĂ€ngnis im kalifornischen San Diego besucht. «Sie sind keine Monster. Sie sind freundliche, intelligente und ehrliche MĂ€nner», schrieb Kardashian Anfang Oktober in einem langen Essay. Hinter Gitter hĂ€tten sie studiert und sich als Mentoren engagiert.Â
WĂ€hrend der Prozesse seien die BrĂŒder in den Medien als habgierige Monster dargestellt worden, so Kardashian. Der sexuelle Missbrauch von Jungen und deren Trauma sei damals öffentlich kaum wahrgenommen worden. WĂ€ren es Menendez-Schwestern gewesen, wĂ€ren sie wohl nachsichtiger behandelt worden, schreibt die Unternehmerin. Die BrĂŒder hĂ€tten im zweiten Verfahren keinen «fairen» Prozess erhalten.Â
MĂ€nner als Opfer sexueller Gewalt
Auch Bezirksstaatsanwalt GascĂłn legt nahe, dass es in den 1990er Jahren ein geringeres Bewusstsein dafĂŒr gab, MĂ€nner als Opfer von sexueller Gewalt zu sehen. Es gibt auch neues Beweismaterial, das den Missbrauch durch den Vater nahelegt. Etwa einen Brief, in dem Erik wenige Monate vor der Tat seinem Cousin schilderte, dass er in Angst vor den Ăbergriffen seines Vaters lebte. Zudem behauptet jetzt auch ein frĂŒheres Mitglied der Boy-Band Menudo, er sei damals als Teenager von Jose Menendez vergewaltigt worden.


