Nach AmoklÀufen: Serben geben mehr als 78.000 Waffen ab
07.06.2023 - 10:43:58Nach zwei AmoklĂ€ufen mit 18 Toten haben BĂŒrger in Serbien nach einem entsprechenden Aufruf der Regierung in gut einem Monat mehr als 78.000 Waffen bei der Polizei abgegeben. Dabei handelte es sich um 57.651 Handfeuerwaffen und 20.451 Sprengkörper, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Mittwoch im staatlichen Fernsehsender RTS. Auch knapp sieben Millionen Schuss Munition fanden ihren Weg zur Polizei.
An diesem Donnerstag lĂ€uft die Frist ab, innerhalb derer die BĂŒrger Waffen, die sie nicht legal besitzen, anonym und straffrei bei der Polizei abgeben können. Am 3. Mai hatte ein erst 13-jĂ€hriger SchĂŒler in seiner Schule im Zentrum von Belgrad neun MitschĂŒler und einen Wachmann erschossen. Einen Tag spĂ€ter hatte ein junger Mann in einem Dorf bei Belgrad acht Menschen mit Schusswaffen getötet. Die beiden AmoklĂ€ufe hingen nicht miteinander zusammen. Sie erschĂŒtterten die serbische Gesellschaft zutiefst.
Zehntausende BĂŒrger machten bei bisher fĂŒnf Protesten in Belgrad den serbischen PrĂ€sidenten Aleksandar Vucic und die von ihm kontrollierten Boulevard-Medien fĂŒr die ausufernde Gewalt im Land verantwortlich. Der Aufruf zur anonymen und straffreien Waffenabgabe war eine der wenigen MaĂnahmen, die die FĂŒhrung unter Vucic nach den AmoklĂ€ufen ergriff.
Die Zahl an Schusswaffen und Sprengkörpern - vor allem Handgranaten - im Besitz von Zivilisten ist in Serbien SchĂ€tzungen zufolge enorm hoch. So vermuten etwa Experten des Forschungsprojektes Small Arms Survey, dass sich rund eine Million Waffen illegal in den HĂ€nden von BĂŒrgern befindet. Serbien hat 6,6 Millionen Einwohner.


