Trauma-Expertin: EntfĂŒhrtes MĂ€dchen braucht viel Zuwendung
06.11.2023 - 15:56:30 | dpa.de
Nach der 18-stĂŒndigen Geiselnahme einer VierjĂ€hrigen auf dem Hamburger Flughafen braucht das MĂ€dchen aus Sicht der Trauma-Expertin Sibylle Winter nun besonders viel Zuwendung und Sicherheit, aber auch NormalitĂ€t.
«Entscheidend ist, dass UnterstĂŒtzung erfolgt, damit das Erlebnis ohne psychische FolgeschĂ€den verarbeitet werden kann», sagte die stellvertretende Direktorin der Klinik fĂŒr Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters an der Berliner CharitĂ© der Deutschen Presse-Agentur.
Intensive UnterstĂŒtzung
Es sei aber auch wichtig, das Kind gut zu beobachten, um mögliche psychische Folgestörungen schnell zu erkennen und zu behandeln. Die UnterstĂŒtzung und das Auffangen mĂŒsse zunĂ€chst nicht unbedingt durch professionelle Therapeuten erfolgen: Es könne auch die Mutter oder eine andere enge Bezugsperson sein, die sich intensiv um das MĂ€dchen kĂŒmmere und ihr noch mehr Zuwendung gebe als sonst, sagte Winter.
Nicht jedes Kind entwickle nach einem schwerwiegenden traumatischen Ereignis eine psychische Folgestörung. «Etwa 15 Prozent der Kinder sind betroffen», sagte Winter. Bei einem vierjÀhrigen Kind könne sich zum Beispiel eine Trennungsangststörung entwickeln. Es brÀuchte dann eine psychotherapeutische Behandlung, so Winter.
Posttraumatische Belastungsstörung
Besonders belastend wĂ€re die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung. «Wenn das Kind die Situation wochenlang immer wieder nachspielt und da nicht mehr herauskommt, wĂŒrde ich professionelle Hilfe bei einer Traumaambulanz suchen», so die Leiterin der Kinderschutz- und Traumaambulanz an der CharitĂ©.
«Oft reichen schon wenige Behandlungsstunden, damit das Erlebnis ein StĂŒck weit verarbeitet und abgespeichert wird», so die Kinder- und Jugendpsychiaterin und -psychotherapeutin. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung hĂ€tten Betroffene das Erlebte nicht abgespeichert und stĂ€ndig das GefĂŒhl, noch in der Situation zu sein.
Das GesprÀch
«Schön wĂ€re es auch, dass man noch einmal mit dem Kind ĂŒber das Erlebte spricht, es noch einmal aufgreift, in Worte fasst», so Winter. Dies könne auch die Mutter oder eine andere enge Bezugsperson tun, wenn sie sich dazu in der Lage fĂŒhle.
«Es ist auch wichtig, dass das Kind wieder einen normalen Alltag und eine Routine bekommt. Das vermittelt Sicherheit und StabilitĂ€t», so Winter. Auch ein möglichst baldiger Kitabesuch sei wichtig. Dort mĂŒsse das Kind aber möglichst normal behandelt werden, damit es gut integriert ist und keine Sonderrolle einnimmt. Es gebe auch Kita-Berater, die in die Einrichtungen kommen und das Personal fĂŒr solche FĂ€lle schulen.
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