Geldautomaten-Sprenger zu langen Haftstrafen verurteilt
17.07.2025 - 12:39:46Sie wurden auf der Flucht festgenommen, durch Blitzer-Fotos oder per DNA-Spuren identifiziert: Mehrere Jahre nach der Sprengung von Geldautomaten im Rhein-Main-Gebiet, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat das Frankfurter Landgericht sechs MĂ€nner zu langen Haftstrafen verurteilt. «Viel zu lange sind Geldautomaten-Sprengungen milde bestraft worden», sagte der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts. Der HaupttĂ€ter erhielt mit 13 Jahren und 9 Monaten die lĂ€ngste Strafe, die kĂŒrzeste in dem Urteil ausgesprochene Haftstrafe betrug 5 Jahre.Â
Verurteilt wurden die MĂ€nner, die der niederlĂ€ndischen Automatensprenger-Szene angehören, vor allem wegen des gemeinschaftlichen HerbeifĂŒhrens einer Sprengstoffexplosion. Im Gegensatz zur Generalstaatsanwaltschaft sah das Gericht jedoch keinen versuchten Mord: «Sie konnten auf einen guten Ausgang vertrauen», begrĂŒndete dies der Richter. Bei den vielen AnschlĂ€gen auf Geldautomaten in Deutschland in den vergangenen Jahren sind zwar bereits TĂ€ter schwer verletzt worden oder ums Leben gekommen - aber noch nie ein unbeteiligter Mensch.Â
«Klares Signal»
Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Georg Ungefuk, zeigte sich mit dem Urteil ganz zufrieden: Seine Behörde hatte Haftstrafen zwischen fĂŒnfeinhalb und 14 Jahren beantragt. «Die Entscheidung gehört bundesweit zu den höchsten Verurteilungen», sagte er. Das Urteil sei ein «klares Signal» und eine «gerechte Reaktion auf diese Straftaten». Gleichwohl will seine Behörde prĂŒfen, ob sie gegen das Urteil Revision einlegen wird. Bundesweit wurde noch nie ein TĂ€ter in Zusammenhang mit Geldautomaten-Sprengungen wegen versuchten Mordes verurteilt.Â
Die sechs Angeklagten, denen in Frankfurt rund sieben Monate lang der Prozess gemacht worden war, hatten nach den Erkenntnissen des Gerichts in wechselnder Besetzung in den Jahren 2022 und 2023 sieben Geldautomaten in den hessischen StĂ€dten Frankfurt, Bad Homburg und Neu-Isenburg sowie im rheinland-pfĂ€lzischen JĂŒnkerath und im nordrhein-westfĂ€lischen Wickede gesprengt. Insgesamt erbeuteten sie ĂŒber 870.000 Euro, der angerichtete Schaden war mit mehr als 2,5 Millionen Euro fast dreimal so hoch.Â
Detaillierte Vorbereitung
Es handle sich um organisierte KriminalitĂ€t, erklĂ€rte der Richter. Die Taten wĂŒrden akribisch vorbereitet, etwa durch das Auskundschaften der Banken, die Schulung der TĂ€ter und Umbauten der hochmotorisierten Fluchtwagen, bei denen etwa die RĂŒckleuchten abgeschaltet werden könnten.
Das Zeitfenster fĂŒr die TĂ€ter ist stets eng: TĂŒr oder Fenster aufhebeln, Sprengstoff anbringen, sich in der NĂ€he in Sicherheit bringen, nach der Explosion Geld aufsammeln und dann im Auto mit höchstmöglicher Geschwindigkeit flĂŒchten. Durch die HintermĂ€nner wĂŒrde den TĂ€tern im Falle einer Festnahme die Verteidigung durch einen «Szeneanwalt» gewĂ€hrleistet, so der Richter.Â
Deutlich weniger Sprengungen
Nach Angaben des Hessischen Landeskriminalamts in Wiesbaden sinkt die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen in Hessen. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 24 Geldautomaten von Kriminellen vor allem durch Sprengungen zerstört oder beschĂ€digt worden - nach 61 im Jahr 2023. Im laufenden Jahr wurden in Hessen bislang fĂŒnf Geldautomaten ins Visier genommen, die TĂ€ter erbeuteten dabei insgesamt rund 102.000 EUR.







